Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft

Das Konzept ist ja mittlerweile einige Male durch den Filmwolf gedreht worden und daher entlockt der Titel den meisten Zuschauern wohl nur noch ein müdes Lächeln oder sorgt dafür, dass man gar nicht erst ins Kino geht.

Dabei hat Sony hier tatsächlich einige Register gezogen, um erstklassige Unterhaltung für Kinder zu schaffen, die eben nicht alte Prinzipien wieder neu verpackt an den Zuschauer ausliefern will, sondern in einer bestehenden Welt die alte Crew wieder ins Leben gerufen und alles mit etwas mehr Ernsthaftigkeit und einem durchaus witzigen, logischen und überaus spannenden Skript versehen, dass den Kleinen auch wirklich Spaß macht.

Diese lustige, verdrehte und irgendwie völlig andere Perspektive könnte man fast schon als Erziehungsmaßnahme begreifen, die viele Alltagssituationen mal völlig neu an die Familie abgibt und damit eine komplett neue Rangordnung auf die Füße stellt, die selbst Erwachsene im Saal zum Lachen animiert.

Und obwohl ich anfangs auch riesige Bedenken hatte („Oh Mann, noch so ein Film, der wieder nur bekannte Storys neu aufwärmt“), hatte ich am Schluss richtig Freude bei der Sache und würde mir den Streifen sogar nochmal im Kino ansehen, so sich die Möglichkeit dazu ergibt.

Denn selbst wenn man aus der Story ausbricht und sich wieder auf die filmischen Tricks und Umsetzungen stürzt, hat man hier viel zu rätseln, da der Übergang zwischen beiden Welten wirklich exzellent gelöst worden ist und keine halbherzigen Erklärungen und miese Animationen mehr dafür herhalten mussten: Man sieht dem Werk seine Ernsthaftigkeit und detailverliebte Durchdachtheit an.

Und dass man hier nicht durch billiges (oder überladenes) CGI, sondern handwerkliches Geschick beeindrucken will, löst bei mir definitiv Sympathien aus, was ich dem Werk hoch anrechne.

 

.kinoticket-Empfehlung: Filmischer Spaß, garniert mit einer Portion Ernsthaftigkeit und einer Brise Erwachsensein ohne dabei den spielerischen Geist der Kinder zu opfern – auf technisch hohem Niveau und mit Unterhaltungsfaktor für jung und alt – was will man mehr für einen Familienfilm, bei dem jeder etwas mitnehmen kann.

Auch, wenn es das schon gefühlt zig Mal gegeben hat: Geht trotzdem rein, denn dieser Film wächst über sich hinaus und liefert etwas, dass es so bislang noch nicht gab.

 

Nachspann
Nicht gleich abhauen, da gibt’s noch ein paar Gimmicks.

Kinostart: 18. Januar 2018

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Ouija 2: Ursprung des Bösen

Ohne jetzt böse klingen zu wollen: Wo Blumhouse seine Finger im Spiel hat, existiert irgendwo ein Horrorfilmsetzbaukasten, aus dem immer wieder Teile entnommen werden, um daraus dann eine Geschichte zu basteln, die sich irgendwo vermarkten lässt.

Das könnte man meinen, wenn man den Titel in seiner Gänze im Kino sieht und sich dann überlegt, was die Macher dazu getrieben hat, diesen Firlefanz hier ans Volk zu verhökern.

Die Idee aus dem Trailer ist nämlich übergenial und hinterlässt Hoffnungen beim Zuschauer, endlich mal wieder in die Welt des Absurdums geführt zu werden und mit Dingen konfrontiert zu sein, die gleichermaßen unwirklich als auch unterhaltsam sind. Dieses ausgespielte As wird gleich zu Beginn auf ein Niveau heruntergezogen, das nur allzudeutlich die Ernüchterung kommen lässt, denn nicht der ausweglose Kampf aus etwas, dessen man nicht mehr Herr wird, ziert hier die Unterhaltungslinie, sondern eine rühmliche Langsamkeit, die eine Story um etwas spinnt, dass es vor Jahren schonmal gegeben hat.

Der Clou: Den Bogen spannt man erst dann, wenn das Publikum zum Großteil schon längst wieder aus dem Saal gerannt ist, womit die eigentliche Pointe geradezu den Bach runterschwimmt.

Der genial vertrackte Coup, hier Betrügerei und Echtheit miteinander zu verschmelzen, gelingt den Machern in meinen Augen nur halbherzig, das Herzblut eines echten Horrormoments fehlt gänzlich. Stattdessen spult man eine 0815-Story runter, die teils vorhersehbar, teils unwillig, teils lächerlich wirkt und keinerlei Stimmung erzeugt, die einen unbedingt mitfiebern lässt oder auch nur ansatzweise das gemeinsame Gruseln im Kinosaal ermöglicht.

Stattdessen hätte man sich hier lieber auf eine Direkt-to-DVD-Produktion beschränken sollen, denn im nischenhaften Dachboden mit eingeschworenen Freunden und ein paar Flaschen Bier kann auch dieses Unterfangen durchaus unterhaltsam sein.

Wer jedoch mit Ernsthaftigkeit und gutem Willen den Kinosaal betritt um hier mal wieder mächtig eins auf die Zwölf zu kriegen, der wird nicht nur enttäuscht, sondern auch irgendwo gelangweilt und geistig unterfordert.

Zwei Eigenschaften, die kein gutes Bild auf jemand werfen, der mittlerweile durchaus die Mittel haben dürfte, weitaus größere Erfolge zu erzielen.

Schade eigentlich, denn ich hatte mich auf diesen Titel wirklich gefreut.

 

.kinoticket-Empfehlung: Seichte Kost, die eine Idee verramscht, aus der so viel hätte werden können.

Das Potenzial ist definitiv gegeben und die Welt ist unerschöpflich, in der man diese ausleben und erblühen lassen hätte können, jedoch hat man sich hier für die langsame, vorhersehbare und willenlose Version entschieden, die mit wenig Mitteln möglichst viel Geld in die Kassen spülen soll.

Das mag im heimischen Kino mit ein paar Freunden, Bier und illegalen Substanzen wohlweislich funktionieren, endet im Kino aber eher in einer kollektiven Enttäuschung, bei der man auch niemandem übel nehmen kann, das eigentliche Ende zu verpassen, weil man schon frühzeitig den Saal verlassen hat.

 

Nachspann
Sitzenbleiben. Ohne die allerletzten Szenen nach dem Abspann macht der ganze Film überhaupt keinen Sinn.