Zu guter letzt

Müsste ich Zu guter letzt in einem Satz beschreiben, würde ich sagen: „Shirley MacLaine spielt hervorragend in einem Film, der mit angezogener Handbremse läuft.“

Im Ernst: Die Frau ist gut. Richtig gut. Ihre Art, das Wesen der „alten Frau“ im Zusammenspiel mit der herrlich akuraten Setdekoration und dem allgemeinen Look des Films – wunderbar. Man spürt die Liebe zum Schauspiel, den sie innehat und im Vergleich zu Amanda Seyfried auch irgendwo die Schauspielerfahrung, die sie mitbringt. Man merkt, dass sie noch aus einer Generation kommt, in der die Dinge anders liefen als jetzt.

Und gerade diese nostalgischen Zuwendungen lassen hier die Pluspunkte für diesen Film regnen. Denn an anderen Stellen kommt man einfach nicht vom Fleck – zum Beispiel bei den Inhalten. Hat man sich mit der Auswahl der Charaktere sehr wohl Mühe gegeben und hier Menschen auf die Bildfläche geschickt, die tatsächlich zu ihren Rollen passen, hätte ich mir diese eingehende Beschäftigung zum Beispiel auch beim Plot gewünscht. Na klar, die Inhaltsangabe liest sich wie geschnitten Brot und eröffnet auch unglaublich großes Potenzial für großartige Geschichten, die jedoch nicht mal ansatzweise ausgekostet wurden. Man hat den ganzen Film über das Gefühl, dass man sich nicht wirklich vom Fleck weg bewegt oder sonstwie eine Veränderung beziehungsweise Schub in die Sache bringt.

Andererseits beweist man dann endlich mal unglaublich genialen Geschmack, was echte Musik angeht – aus diesem Grund saß ich sogar mehrfach in dieser Vorstellung: Die erlesene Auswahl an Stücken ist unschlagbar und lässt so dermaßen Sehnsucht in mir aufkeimen, während ich bei der angebotenen Auswahl an Radiosendern unseres Landes permanent das große Kotzen kriege. Und hier fügen sich dann auch die Bilder ins Ganze unverkantet ein: Denn der Soundtrack allein macht weniger glücklich als ihn zu hören in Verbindung mit den Szenen und Worten, die sich die Macher dazu ausgedacht haben.

 

.kinoticket-Empfehlung: Top in punkto Soundtrack, Oldschool, Dekoration, Look und Schauspiel, hapert aber an seiner Geschichte und dem Moralempfinden, das ich in diesem Beispiel für absolut überflüssig halte.

Hätte man noch den ein oder anderen Twist mehr eingebaut und der Geschichte insgesamt etwas mehr Drive gegeben, wäre das hier ein uneingeschränkt empfehlenswerter Stoff geworden, der in diesem Fall eben nur durch den Soundtrack wirklich zu rechtfertigen ist.

 

Nachspann
enthält keine weiteren Szenen oder Zusätzlichkeiten. Der Gang nach draußen bleibt also ohne Konsequenzen.

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Daddy’s Home – Ein Vater zu viel

Will Ferrell ist bekannt dafür, Rollen zu spielen, die vom Versagen und Gewinnen erzählen. Der Trailer von Daddy’s Home – Ein Vater zu viel zeugte bereits davon, sich den Gepflogenheiten der Schüchternheit und des Trimpfes zu widmen und einen Film zu erzählen, der sich in familiärer Atmosphäre seinen Charme zu verdienen versucht.

Ein Kumpel gab mir vorab den Tipp, hier nicht mit zu viel Erwartungen reinzugehen und das wohl passendste Publikum ever (die kringelten sich noch 10 Minuten nachdem der Trailer von Zoomania gelaufen war) sorgte zusätzlich für jede Menge positive Stimmung im Saal.

Vielleicht funktioniert die Komödie deshalb doch einigermaßen, weil hier zwar arg mit destruktivem Humor gearbeitet wird, der eher ins Macho-Proll-Klischee Amerikas passt als auf die gute Kunstbühne internationaler Filmgeschichte. Die eigenwillige und selbstironische Art von Wahlberg und Ferrell sorgt irgendwo für Unterhaltung, auch wenn man sich dieser Art von Witzigkeit erst ein klein wenig anpassen muss.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass so mancher hier seine lieben Schwierigkeiten hat und sich das Werk für jene stark in die Länge zieht. Genau wie bei Alle Jahre wieder – Weihnachten mit den Coopers ist auch dieser Film auf einer Säule, die nicht so recht ins Geschehen der Mitte der Gesellschaft passt, sondern sich seinen eigenen Zweig aussucht und da drin punktet. Das Problem dabei: Wer sich geistig nicht in der Nähe dieser Säule befindet, der findet das alles schlichtweg nicht witzig. Und dabei hilft auch kein Toleranzgefühl oder irgendeine Form von Zufriedenheit.

Hat man sich einmal mit dem Humor abgefunden, schmiert sich der Film doch recht ansehlich durch die Gefilde der Zeit und hinterlässt auch hier und da komische Spuren.

Das Ende kommt mehr oder weniger wirklich verdient, zeugt hier aber wieder stark davon, dass der amerikanische Prollgehabe-Gedanke vielleicht doch nicht der verkehrteste war.

Auffallend: Wer bisher nicht wusste, was product placement ist, hat spätestens nach diesem Film einen eindeutigen Eindruck davon.

 

.kinoticket-Empfehlung: Hier sollte man nur reingehen, wenn man den Trailer argwöhnisch begutachtet und für sehenswert empfunden hat.

Wer auf der Suche nach einer lustigen Story ist, die gut ins Allgemeinbild des durchschnittlichen Films passt, der sollte sich eher vorsichtig an diese Geschichte wagen, denn das hier ist zeitweise kein Zuckerschlecken, sondern zähfließender Kruscht, durch den man sich durcharbeiten muss.

Schlussendlich überzeugte der Film meines Erachtens sehr stark durch das lachbehaftete Publikum, das in diesem Fall aber auch nicht als Standard hergenommen werden dürfte, sondern eher zu giggelig den Saal mit überdurchschnittlich starker Lache anfüllte.

 

Nachspann
kommt keiner mehr, man darf sich also getrost nach dem Abblenden verdrücken.

Sinister 2

Was kommt dabei raus, wenn man das Genre „Horror“ mit „FSK 16“ und „mainstreamtaugliches Kino“ mischt? Richtig: Meistens nichts gutes.

Warum mir der Film trotzdem gefallen hat?

Die Charaktere nehmen sich selbst ernst.
Wie oft begegnet man der manifestierten Dummheit, wenn man die Charakterausbildung in diversen Horrorfilmen ein wenig näher betrachtet. Hier macht man da ein klein wenig den Unterschied und setzt weniger auf ironisch-komische Einlagen, sondern vielmehr auf Ernsthaftigkeit und damit auch ein Stück weit Glaubwürdigkeit. Zwar beißt sich dies mit der Insgesamt-Aussage des Films zeitweise ein bisschen, jedoch gehen die Schauspieler in ihren Rollen authentisch auf und überzeugen so mit ihrem Tun.

Der Gruselfaktor stimmt.
Nichts ist schlimmer, als ein Horrorfilm, bei dem man ausschließlich lachen muss oder sich gar langweilt. Wenn die Tiefe der menschlichen Ängste nicht mal ansatzweise angekratzt wird, sondern nur oberflächlich peinlich versucht wird, durch altbekannte Tricks ein klein bisschen Panik zu schüren. Hier wurden jedoch Szenen eingebaut, die bei mir tatsächlich Gänsehaut auf dem Rücken spazieren schickten. Nicht viele, aber immerhin genug, um als Horrorfilm respektiert zu werden. Das Ungreifbare ist stets präsent, wenn klar ist, dass wieder ein wenig mehr ins Dunkel des Unwissens hervorgedrungen werden soll – und Psychoschocks sind sowieso wesentlich wirksamer als jedes noch so liebevoll angerichtete Blutbad im Bilderwald.

Die übliche Schlächterzählung fehlt.
Das systematische Abschlachten der anfangs lieblos eingeführten, oberflächlichen Darsteller fehlt hier gänzlich. Im Gegenteil: Es ist faszinierend, mit welcher Hingabe man sich hier an die Familie annähert und mit ihnen gemeinsam etwas erlebt, von dem anfangs gar nichts klar ist. Auch wenn der Clou der Geschichte eher fragwürdig und teils verstörend bis hin zu lächerlich ist, so hat der Weg in den finalen Abgrund durchaus seine Reize. Man springt zwar auf den Zug der bekannten Horrorfilm-Mache auf, reist aber nicht im Inneren des Waggons mit, sondern ist allenfalls S-Bahn-Surfer des Ganzen.

Der Soundtrack ist eigenwürdig genug, um hervorzustechen.
Es ist selten, dass man einen musikalisch so tief in die Verzerrtheit führen kann, dass selbst Disharmonien in sich vollkommen klingen und auf ihre perfide Art schon wieder eine völlig neue Harmonie ausmachen. Musikalisch betrachtet durchaus ein sehenswertes Stück, das irgendwie funktioniert und auch hier ein klein wenig aus der Masse ausbricht.

 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht wirklich was für hartgesottene Fans von gruselnder Unterhaltung mit Sinn und Verstand, durch die Bodenständigkeit und andeutungsweise Andersartigkeit aber dennoch ein sehenswertes Stück, das in verschiedenen Punkten durchaus zu überzeugen weiß.

Die große Überraschung bleibt genauso aus, wie die totale Enttäuschung. Antipathien zu dem Film wurden bei mir keine geweckt und davor warnen würde ich auch zu keinem Zeitpunkt. Wer mal etwas anderes sehen will, darf hier getrost zuschlagen.

 

Nachspann
spart euch das Warten, hier kommt nichts weiter.