Bohemian Rhapsody

Bohemian Rhapsody

© 2018 Twentieth Century Fox

 

Ja, die Natur des Menschen ist es, Musik zu lieben und dabei abzugehen, Musik ist ein Allheilmittel für alles, ist in jeder Situation angemessen, bringt exzessive Gefühle und Emotionen zum Ausdruck und wird überall und schon immer von Menschen praktiziert und gelebt.

Wie beliebt Musik ist, merkt man, wenn man zufällig durch die Fernsehzeitung zappt und dabei feststellt, dass quasi keine einzige Minute des Tages vergeht, in der nicht irgendeine musikalische Darbietung abgefeiert wird. Manche davon sind so la la, manche sind schon ganz ordentlich, manche gehen weit über das Durchschnittsniveau hinaus und manche sind Götter ihrer Welt.

Schaut man sich derzeit um und liest, hört oder sieht hier und da mit, merkt man schnell, dass allerorts eine Band abgefeiert wird, von der garantiert jeder schon mal einen Song gehört hat: Queen. Und ja, das Ganze entwickelt sich langsam zu einem ernstzunehmenden Hype, der durch die Welt grassiert und immer mehr Menschen im Fieber der Hymnengröhlerei in Ekstase verfallen lässt.

Meinereiner war damals noch zu jung, um jetzt mitsprechen zu können, wie man … auf Konzerte gefahren, denjenigen noch live erlebt hat etc. – aber auch mir sind in der Jugend die Songs von Queen über den Tisch gelaufen und ich hab sie gehört. Und geliebt.

Die Jungs haben etwas erschaffen, das einzigartig ist und tatsächlich aus dem Sud der Allgemeinheit leuchtend heraus- und durch Andersartigkeit besticht, die man eben nicht im boomenden Massenwahnsinn der Chart-Songs wiederfindet. Genau hier ist nämlich das Problem: Die scheinbare Grenzenlosigkeit immer neuer Ideen und Ausübungen im musikalischen Genre ist reine Fiktion, denn irgendwann ist alles einmal da gewesen und kommendes nur noch ein Abklang von Wiederholungen.

Diese Wiederholungen bringen zwar Geld, fesseln die Menschen allerdings längst nicht mehr so an die Boxen, wie es die Originale taten – nur dass die Musikbosse so etwas nicht hören wollen, sondern Klang nur deren Geschäft, aber niemals ihre Leidenschaft ist.

Und genau darin liegt der Unterschied zu Queen: Die haben die Leidenschaft quasi neu definiert und sich damit vom Rest deutlich abgesetzt, was ihnen bis heute glanzvolle Verkaufszahlen und ein unüberschaubar großes Publikum verschafft hat. Und wie das passiert ist?

Lasst euch fesseln von den Bildern, die Bryan Singer mit einem großartigen Cast für euch zusammengebaut und leinwandtauglich gemacht hat: Bohemian Rhapsody steht auch in meiner Top 5 diese Woche, und das sehr wohl mit Recht!

 

.kinoticket-Empfehlung: Das großartige Biopic einer Band, die unsere sowie vergangene und kommende Generationen begeistert hat und wird: Queen!

Rami Malek als Freddy Mercury spielt so großartig, das allein ist den Gang in den Saal wert. Und die inszenierte Musik und Konzerte, das Feeling, dass man damit in diese Räumlichkeiten wirft, ist atemberaubend … sucht euch Dolby Atmos®-Räume und zelebriert diesen Film dort!

 

Nachspann
✅ unbedingt sitzen bleiben – ihr verpasst sonst ein gigantisches Konzert!

Kinostart: 31. Oktober 2018

Original Title: Bohemian Rhapsody
Length: 134 Min.
Rate: FSK 6

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Itzhak Perlman – Ein Leben für die Musik

Jeder kennt das aus dem TV: Wenn einer nix kann, dann singt er einfach und kommt damit auf die Bühne. Ich war nie ein Freund von solchen „Möchtegerns“, denn zwischen Singen können und singen können zu meinen besteht ein himmelweiter Unterschied. Und genau den erkennen weder die selbsternannten „Stars“ noch ist irgendeiner aus der Familie oder dem Umfeld so liebenswert, ihnen die nackte Wahrheit ins Gesicht zu sagen, bevor sie sich vor aller Welt auf dem Bildschirm blamieren.

Dann gibt es zwischendrin immer wieder mal Menschen, die haben wirklich was auf dem Kasten. Das waren die, die in meiner Kindheit eine Band hatten, wo es noch nicht üblich war, dass von überall her Musik aus den Poren quoll und jeder x-beliebige Dahergelaufene eben mal einen Plattenvertrag abstauben konnte, indem er einfach … „singen“ wollte. Daran konnte man damals die Talente von den Möchtegerns unterscheiden. Heute sind die Playlists einfach voll von allem möglichen und die wahren Talente gehen in der Masse an Durchschnitt einfach unter.

Gut, dass Filmemacher wie Alison Chernick auf eben jene Talente aufmerksam machen, damit man gezielt nach ihren Musiken suchen kann und sie unterstützen, indem man eben ihre Musik kauft bzw. hört und somit Tantiemen generiert, die den Stars zugute kommen. Ist ja alles nicht mehr ganz so einfach wie früher.

Warum schreibe ich dann hier trotzdem keine überschwänglichen Lobeshymnen auf ein Meisterwerk der Kunst?

Nun, wenn man heutzutage Filme mit Inhalt in die Kinos bringen möchte, dann landet man ziemlich schnell in der Dokumentations-Ecke und macht einfach irgendwas über irgendwen, der irgendeine Bewandtnis in der Weltgeschichte hat.

Und da bietet sich ein virtuoser Geigenspieler natürlich an wie Butter für trocken Brot. Und ja, Itzhak Perlman kann spielen – wirklich. Und bereits zu Beginn des Films stellt man fest: Dieser Mann ist gebeutelt. Gebeutelt von Schicksalen, die sich keiner wünscht.

Und der Film nimmt herrlich erfrischend überhaupt keinen Bezug darauf, sondern „ignoriert“ das einfach und konzentriert sich auf die Musik. Gei……. äh…. Mist, er thematisiert es doch und hackt wieder auf dem „Armen“ rum und zelebriert RTL-Heulniveau im großen Stil.

Ich habe inzwischen einige Dokus aus dem Musiker-Bereich gesehen (auch viele, die noch kommen werden) und daher einiges an Vergleichen mehr, als vielleicht derzeit manch anderer und ich kann euch guten Gewissens sagen: Das geht definitiv besser.

Nichts gegen seine Musik, nichts gegen seinen „Aufstieg“ und „Kampf“ im Leben, aber der Mann hat einfach nichts zu sagen. Jüdischen Ursprungs – na und? Interessiert das irgendwen? Was hat das genau mit der Musik zu tun? Ist die deshalb besser als wenn es ein Marokkaner oder Asiat wäre? Oder schlechter?

Und wollen sich Menschen, die sich eine Doku über einen Violinexperten anschauen, wirklich mit den 1.000.000.000x gezeigten Bildern jüdischer Geschichte auseinandersetzen, die in dem Fall (fast) gar nichts mit seiner Lebensgeschichte zu tun haben? Und die Musik auch nicht im Geringsten beeinflussen?

Und damit hat man just another Schmonzettenwerk aus der Schwarz-Weiß-Schmiede deutscher Bosheit gegenüber den Israelis und ignoriert, dass eben jene beiden Länder z.B. in dem grandiosen Foxtrot cineastisch zueinander gefunden haben und Hand in Hand miteinander durch die kulturelle Landschaft spazieren.

Neben den durchaus beeindruckenden Violin-Ausflügen und Konzerteinlagen besteht der Film also ausschließlich aus Belanglosigkeit und wiedergekäutem Zeug, das niemanden mehr interessiert und auch nichts mit der Thematik zu tun hat.

Positiv anmerken könnte man noch, dass dies mal nicht so eine Doku ist, in der man alles und jeden vor die Kamera zerrt und ihn über die ach so geilen Momente berichten lässt, in denen er diesem und jenem die Hand geschüttelt oder ihn gesehen hat, sondern man sich tatsächlich auf den engsten Familienkreis beschränkt und quasi immer „nah am Geschehen“ bleibt.

Achja, eine persönliche Anmerkung noch, damit ihr meine Kritik besser versteht: Ich bin ein „Klavierkind“ und konnte Geigen bislang nie etwas abgewinnen. Streicher find ich geil als Untermalung im Orchester, als Hintergrund-Fundament in Soundtracks sind sie unschlagbar und als „Bass-Ersatz“ absolut zu gebrauchen, aber sobald Violinen die Oberhand ergreifen, bin ich in der Regel raus.

Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – habe ich auf das geschaut, was man außerhalb der Musik noch geboten kriegt, und da kommt eben … nichts. Schade.

 

.kinoticket-Empfehlung: Virtuoser Violinist mit großartigem Können, der aber ansonsten absolut nichts zu sagen hat und darum auch nicht zwingend eine Doku verdient hätte.

Wer auf Streicher steht, findet hier genügend Szenen, die beeindruckend klingen, das ganze Trara um den Mann und sein Leben hätte man sich deshalb aber gerne schenken können. Die liefern keine neuen Erkenntnisse oder irgendetwas erzählenswertes.

 

Nachspann
✅ Darf man ausharren, der Film hört erst ganz zum Schluss auf.

Kinostart: 09. August 2018

Ein Lied in Gottes Ohr

Sprache ist ein schwieriges Thema. Sprache besteht quasi nur aus Missverständnissen oder den kläglichen Versuchen, so viele als nur irgend möglich davon zu vermeiden. Und das gelingt in der Regel eher schlecht als recht. Der Punkt ist, dass die Menschen alle grundsätzlich einmal davon ausgehen, dass ihr gesagtes Wort vom Gegenüber ganz genauso interpretiert wird, wie sie selbst es tun und sie daher eben exakt das gleiche verstehen müssten, wie man selbst im Hirn interpretiert hat. Und sie werden dann böse, wenn der andere mit anderen Interpretationen anrückt und sogar ausfällig oder wütend über so viel Dummheit und Unfug und Hirnlosigkeit.

Merkt ihr? Ich sage „alle“, „die Menschen“, „sie“ und impliziere damit die ganze Welt und schließe völlig aus, dass ich als Person grundsätzlich gerne solche Verallgemeinerungen hernehme, weil mir komplizierte und lange Erklärungen oftmals im „einfachen Gespräch“ zuwider sind und ich einfach davon ausgehe, dass mein Gegenüber mich ein wenig kennt und richtig einschätzen kann, dass bei mir solche krassen Aussagen und Worte immer relativ zu verstehen sind und niemals für absolut und korrekt hergenommen werden sollten. „Alle“ bedeutet also nicht komplett und vollständig absolut jeder, sondern „einfach die Regel“, „grundsätzlich gehen die meisten“, „wenn man sich so umschaut und nicht gerade auf die berühmte Ausnahme trifft“ und damit ist das als relativ zu betrachten, während ich diesen schwierigen und langen Absatz im Gespräch gerne mit „grundsätzlich alle“ abkürze, um Zeit zu sparen und aufs Wesentliche zu kommen.

Ihr merkt: Sprache – schwieriges Konstrukt, und die Anzahl und Häufigkeit an Missverständnissen ist riesig! Das Ziel der Sprache ist also, möglichst durch lange Erklärungen und Umschiffen so viele Missverständnisse wie möglich auszuräumen, um so große Übereinstimmung mit dem Gegenüber zu schaffen, wie nur irgend möglich.

Dazu dann: Religion. Ich sehe förmlich schon die brennenden Heugabeln auf mich zufliegen, denn bei Religion können die Menschen erst recht richtig schön aufeinander losgehen und sich gegenseitig bekriegen, da sind dann noch Emotionen im Spiel und Hass, zutiefe Abscheu und gleichzeitig LIEBE zu den eigenen Menschen und der eigenen Religion, Absolutheit gegenüber anderen Weltanschauungen und -ansichten, hier gilt also nicht mehr nur das geschriebene oder gesprochene Wort, sondern da kommt die Emotion und Interpretation zum Einsatz, das Blut kocht hoch und es kommt regelmäßig zu Kriegen, Terror und Gewalt, weil der andere nicht glauben will, was ich glaube, also gehört er weggebombt. Damit könnte man verschiedene Abarten von Religion dann auch beschreiben (Ich weiß, es geht auch anders, aber ich will auf etwas anderes hinaus).

Nimmt man jetzt Sprache bzw. das Unvermögen der Sprache, und mischt es mit Religion und vertraut diesen Komplex dann der Verantwortung und Obhut einer Regierung an, dann kommt sowas wie „political correctness“ raus, an der sich Medien, Freischaffende, Künstler, Menschen und andere Wesen den Arsch aufreißen und aus etwas eigentlich wunderschönem etwas vollkommen Verzerrtes und Hässliches machen.

Würde ich (und ich tu’s bewusst nicht, weil ich es krank und abartig finde), hier wirklich politisch korrekt schreiben und immer alles und jeden mit einbeziehen, jedes sprachliche Wehwehchen mit Eventualitäten wattieren und nur noch in Angst und Schrecken leben, ich könnte irgendeine völlig neue, unbekannte und anders interpretierte Form des Seins vergessen und damit „bewusst ausgegrenzt“ haben, dann tun mir diese Leute unendlich leid, weil deren Leben so jämmerlich sein muss, dass sie sich tatsächlich von zwei Buchstabenbögen auf einem beleuchteten Display so provozieren und benachteiligt fühlen, dass ihr ganzes Leben in Erschütterung gerät – ich könnte dieses Blog schließen und würde nichts mehr posten, weil dies vernünftiger wäre, als diesem Quatsch untergeordnet zu sein und hier sprachliche Konstrukte auf die Menschheit loszulassen, die zwar politisch korrekt, dafür aber absolut unverständlich und vor allem unlesbar wären.

Dann würde zwar keiner mehr die Inhalte vom Text verstehen, niemand wüsste mehr, was ich zu sagen habe, niemand könnte sich mehr Hilfestellungen geben lassen, welche Filme für ihn toll wären, ABER: Meine Texte wären politisch korrekt.

Ergo: Political Correctness ist das dümmste, was es je gegeben hat, weil es nie darum ging, sondern diese Sache ganz andere Ursachen und Krankheiten in sich trägt, die viel eher zu ändern sind. Das würde an dieser Stelle aber zu weit führen.

Warum schreib ich jetzt hier also erstmal drei Bücher über Sprache, Religion und political correctness, wenn es eigentlich gar nicht darum geht?

Weil Ein Lied in Gottes Ohr wunderbar herrlich damit bricht und es zur damaligen Zeit, als noch niemand in den Medien großartig darüber spekuliert hat, als ich den Film das erste Mal gesehen habe, eine absolute Freude war, einen derartigen Streifen mit dieser sprachlichen Leichtigkeit und herrlichen Unkorrektheit zu erleben, der wieder auf niveauvollem Spaß basiert und die Menschen sowohl unterschwellig etwas lehrt, dabei aber keine Moralkeulen um sich schwingt, sondern eher in erzählerischer Beschwingtheit ein absolut schwieriges Thema kabarettistisch humorvoll und voller Liebe auf die Spitze der Palme bringt und den Menschen permanente Lachmuskelprovokationen auferlegt, zwischen denen er dieses „hochgradig schwierige Thema“ durchackern muss.

Und das macht so richtig tierisch Spaß, ist absolut derb und wird vom Film mit einer Feinfühligkeit und erlesenen Gradlinigkeit angegangen, die allen Ernstes bewundernswert ist, da man zwar den Bogen heftig spannt, es aber kein einziges Mal schafft, ihn wirklich zu überspannen, sondern die Sehne langsam entknotet und entfernt und den Menschen zeigt, dass alles eigentlich gar kein Problem ist, wenn man nur miteinander redet.

Leute: Es ist großartig! Das Drehbuch, die Witze, die Intensität des Sarkasmus und der gegenseitigen Provokation, die Basis und Ebene und das federleichte Dahinsegeln zwischen so vielen Unterschiedlichkeiten und Einzigartigkeiten, was damit ein herrliches Abbild unserer kunterbunten Weltkugel abgibt, in der alle Farben und Formen des Lebens zu finden sind, was uns übrigens von allen anderen Planeten und Kugeln in näherer Umgebung vollständig abhebt.

Dazu noch die Message und fertig ist einer der Kinofilme, die man sich unbedingt ansehen sollte, um nicht eine wichtige Lektion zu verpassen und natürlich: Um mal wieder herzhaft und ausgiebig lachen zu können ohne sich dabei panikartig in alle Richtungen umsehen zu müssen, ob nicht jemand von hinten links grad mit der Waffe der Moral auf einen zielt und soeben abgedrückt hat.

Dieser Befreiungsschlag aus den Fesseln der korrekten Aussprache ist eine absolute Wohltat und der Film beweist, dass dies völlig ohne Kränkungen und Wehklagen passieren kann und der Mensch doch tatsächlich in der Lage sein sollte, diese Dinge zu vollführen, ohne dabei den Planeten in Schutt und Asche legen zu müssen.

Ein Hoch auf diese grandiose Erkenntnis und möglichst viele volle Kinosäle in den nächsten Wochen, wenn dieses Fundstück des Jahres anläuft und endlich der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Ein Tipp von mir: Geht unbedingt rein!

 

.kinoticket-Empfehlung: Eine großartige Entfesselung aus den erdrückenden Fängen von Sprache, Interpretation und political correctness: Dieser Film bezeugt mit einer Leichtigkeit, dass die ganze Sprachscheiße, die sich einige in letzter Zeit ausgedacht haben, völliger Humbug ist und beweist in klassischer Manier, dass es viel geiler, lustiger und vor allem entspannter genauso geht!

Ein Film, den man zwingend gesehen haben muss, allein schon wegen der bitterbösen Humorspitzen, mit denen man hier den Bogen nicht überspannt, sondern ihn sukzessive aus der Szenerie entfernt und zeigt, dass eigentlich gar kein Krieg herrscht, sondern der ganze Krampf alles menschengemacht ist.

Ein großartiges Lehrstück französischer Filmgeschichte, das mehr kann, als alle Politik in den letzten Jahren zusammengebracht hat. GEHT REIN!

 

Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 26. Juli 2018

The King – Mit Elvis durch Amerika

Was soll ich dazu sagen?

Manch einer erwartet jetzt vielleicht wieder eine Musikdoku. Manch einer erkennt Elvis und fühlt sich zurückerinnert an das schräge Zeitalter, wo es scheinbar nichts anderes gab – und denkt sich, darüber wurde jetzt wohl ein Film gedreht.

Andere schauen sich das Plakat an und fragen sich: Was hat Ethan Hawke, Ashton Kutcher oder Alec Baldwin mit Elvis zu tun?

Na vielleicht reisen sie. Immerhin heißt es ja „Mit Elvis durch Amerika“, es kann also nur …

Leute? Vergesst es!

Es ist viel besser!

Richtig, richtig abgefuckt geil!

Ich habe noch niemals – wirklich noch niemals – eine so verschachtelte, anspruchsvolle, ineinander verwobene und abstrus konstruierte Dokumentation im Kino gesehen, die ein so scheinbar plattes Thema hat.

Der Anspruch, den man sich hier selbst gesetzt hat, zur elitären Elite der Eliten zu gehören und etwas abzufeiern, das weit entfernt von dem ist, was damals passierte, ist mehr als gelungen.

Dieser Trip ist außergewöhnlich – und es lohnt sich definitiv, den Gang ins Kino auf sich zu nehmen! Man ist nämlich keine Elite, sondern einfach nur verdammt gut! Was hier gemeistert wurde, muss gesehen werden – und die Botschaft ist höllisch geil! Glaubt mir, auch wenn es anfangs vielleicht schwer fällt, in die Sache einzusteigen – am Ende werdet ihr es nicht bereuen. Zumindest nicht, wenn ihr auf Filme mit Köpfchen, Sinn und Verstand steht.

Im Leben wäre ich nicht auf die Idee gekommen, genau das in dieser Art und Weise zu erzählen … und schon gar nicht hätte ich es geschafft, das so gelungen rüberzubringen … ich meine: Am Ende geht man echt mit Plausibilität vollgefrühstückt wieder aus dem Saal und denkt sich einfach nur: Wie geil war das denn bitte jetzt?

 

.kinoticket-Empfehlung: Tut euch selbst den Gefallen und sucht das Kino, das diesen Titel definitiv im Programm hat.

Ich habe noch niemals eine großartigere Dokumentation über so etwas gesehen, geschweigedenn diese geniale Verkettung von ineinander verwobenen Verflechtungen darin exhumiert. Dieser Trip ist Adrenalin für das Gehirn – holt euch eure Dosis und feiert dieses Werk genauso ab wie ich!

 

Nachspann
endet smooth, ihr müsst also nicht sofort aufspringen – lasst euch ein wenig Zeit.

Kinostart: 19. April 2018

Score – Eine Geschichte der Filmmusik

An alle meine Leser, Freunde, Begleiter und Unterstützer:

Ein FROHES NEUES JAHR 2018!

Nachdem ich euch zwischen den Jahren ein wenig mit Beitragszukleisterei verschont habe, gibt es frisch und munter zum Jahresstart gleich eine hochwertige Perle des Kinos für alle von euch: Score – Eine Geschichte der Filmmusik

Wenn mich – schon zu Schulzeiten – jemand gefragt hat, was ich gerne höre, dann kam als Antwort von mir stets „Filmmusik“. „Hä? Was ist denn das?“

Macht dazu doch einfach mal einen Test: Lass einen Spielfilm eurer Wahl laufen und dreht dabei den Ton ab und schaut euch das Ding mal komplett an. Was fühlt ihr?

Jetzt dreht ihr den Spieß um und lasst einen Film laufen, verdeckt aber das Bild und hört euch nur den Ton an. Schon viel spannender, oder?

Aus diesem Grund gibt es in jedem gut sortierten Multimedia-Laden auch eine reichhaltige Auswahl an Filmscores und Soundtracks zu erwerben, aber ich habe noch nirgendwo gesehen, dass man die Bilder ohne den Ton zum Verkauf anbietet.

Daran sieht man, wie enorm wichtig und essentiell Soundtracks und musikalische Untermalungen in Filmen überhaupt sind, denn sie hauchen dem Streifen erst Leben ein und machen ihn zu dem, was er am Schluss ist.

So mancher Kultklassiker wäre nicht das, was er ist, wenn man ihn seiner Töne beraubt hätte. Und wenn man sich ein klein wenig dafür interessiert (oder auch gar nicht, aber bei den Abspännen nicht sofort rausgerannt ist), dann kennt man wohl den ein oder anderen Namen dann doch:

Marco Beltrami, Max Steiner, Christopher Young, David Newman, Trevor Rabin, Bear McCreary, Mervin Warren, Mychael Danna, Hans Zimmer, Rachel Portman, Christophe Beck, Joseph Trapanese, John Debney, Howard Shore, Buck Sanders, Alex North, John Barry, David Arnold, Ennio Morricone, Tom Holkenborg, Bernard Herrmann, Tyler Bates, Heitor Peireira, Mark Mothersbaugh, Joshua Ralph, Dario Marinelli, Patrick Doyle, Moby, Quincy Jones, Jerry Goldsmith, John Williams, Brian Tyler, Alexandre Desplat, Deborah Lurie, Harry Gregson-Williams, Elliot Bruce Goldenthal, Danny Elfman, Christopher Lennertz, Thomas Newman, Michael Trent Reznor, Atticus Ross, Henry Jackman, Steve Jablonsky

Für musikalische Verhältnisse liest sich das runter wie die Creme de la Creme aus Hollywood, das who is who der musischen Szene in allen Facetten, Varianten und Zeitaltern der Filmmusik. Und genau das liefert Score – Eine Geschichte der Filmmusik den Zuschauern auch auf die Leinwand: Die geballte Power von:

Scream
Todeszug nach Yuma
Tödliches Kommando – The Hurt Locker
Vom Winde verweht
King Kong und die weiße Frau
Casablanca
Hellbound – Hellraiser II
Verlockende Falle
Password: Swordfish
Der Fluch – The Grudge
Anastasia
Die Flintstones
Armageddon
Con Air
Duell der Magier
Battlestar Galactica
The Walking Dead
Outlander
Honey
Little Miss Sunshine
Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger
Blade Runner 2049
Der König der Löwen
Buffy – Im Bann der Dämonen
Straight Outta Compton
Oblivion
Tron: Legacy
Die Passion Christi
Der Herr der Ringe
Aviator
Resident Evil
I, Robot
Knowing
Warm Bodies
World War Z
Spartacus
Endstation Sehnsucht
Cleopatra
Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
Jenseits von Afrika
Der mit dem Wolf tanzt
Independence Day
Stargate
Alle James Bond von 1997 bis 2008
Zwei glorreiche Halunken
Spiel mir das Lied vom Tod
The Hateful Eight
Mad Max: Fury Road
Deadpool
Psycho
Final Destination Reihe
Minions
Ich, einfach unverbesserlich I & II & III
Thor: Ragnarok
Lucky Number Slevin
Stolz und Vorurteil
V wie Vendetta
Harry Potter-Reihe
Der Schakal
Heat
Die Farbe Lila
Get Rich or die Tryin‘
Poltergeist
Total Recall
Basic Instinct
Schindlers Liste
Sieben Jahre in Tibet
E.T. – Der Außerirdische
Der Weiße Hai
Krieg der Sterne
The Fast and the Furious-Reihe
Alien vs. Predator 2
Die Unfassbaren I & II
Die Queen
Der seltsame Fall des Benjamin Button
Florence Foster Jenkins
The Danish Girl
Valerian
Hellboy – Die goldene Armee
Spider Man 2
Wanted
Shrek-Reihe
Die Chroniken von Narnia
X-Men Origins: Wolverine
Friedhof der Kuscheltiere
Alien 3
Interview mit einem Vampir
Frida
Edward mit den Scherenhänden
Alice im Wunderland
Batman
Good Will Hunting
Men in Black
Alvin und die Chipmunks
Kill the Boss
Passengers
Die Verurteilten
Skyfall
The Social Network
Verblendung
Fear the Walking Dead
The Da Vinci Code – Sakrileg
Fluch der Karibik
The Dark Knight
Monsters vs. Aliens
Michael Bays Texas Chainsaw Massacre
Die Insel
Transformers-Reihe
Deepwater Horizon
The Last Witch Hunter
Battleship
Desperate Housewives

… könnt ihr noch?

Das waren jetzt aber nur Auszüge … denn hier sind die Leute am Start, die in 100% aller Fälle ihre Finger mit im Spiel eines jeden je gemachten Films (selbst Stummfilmen) hatten: Komponisten.

Score – Eine Geschichte der Filmmusik entführt hinter die Kulissen des Filmemachens und erzählt die Geschichte, Abenteuer, das familiäre Zusammenspiel einer in sich geschlossenen Welt innerhalb der Faszination Hollywoods und ist nicht nur für Musikbegeisterte eine wahre Bereicherung.

Allein das Gefühl, in einem Kino zu sitzen und wieder die echten „aus der guten, alten Zeit“-Dinos aus Jurassic Park über die Leinwand springen und brüllen zu sehen – gefolgt von den geilsten Szenen aus Mad Max: Fury Road und einem Tom Holkenborg, der aus dem Nähkästchen seiner Produktion plaudert, um alsgleich von einem schwertschwingenden Transformer hinweggebasht zu werden … und es sind gerade einmal 48 Sekunden vergangen … der Wahnsinn!

Und dabei wird wirklich nichts ausgelassen, was sich im Laufe der Geschichte Hollywoods alles so getan hat: Von den frühen Anfängen über verschiedene Epochen (wusstet ihr, dass Star Wars musikalisch eine entscheidende, prägende Rolle im Filmbusiness gespielt hat?) bis hin zur Moderne bekommen diejenigen das Wort, die einem jeden Film Leben einhauchen und ihn erst zu etwas besonderem machen.

Score läd euch ein dazu, in die Kathedralen der Tonmacher abzutauchen, ihre Arbeitsweise kennenzulernen und so vieles über Filme zu erfahren, das man als Zuschauer oft gar nicht mitkriegt, denn: Der beste Soundtrack in einem Film ist der, den der Zuschauer gar nicht bemerkt.

Wie könnte man besser in ein Jahr starten, als mit solch einem Meisterwerk, dass die geballte Ladung Kino an den Ort zurückträgt, aus dem sie entstammt?

 

.kinoticket-Empfehlung: Matt Schrader läd ein zum Tag der Offenen Tür in Hollywoods Filmschmieden und lässt den Zuschauer auf eine gewaltige Produktion los, die alle ereignisreichen und bedeutenden Filme in 93 Minuten verpackt und dem Zuschauer als monströs-kompaktes Spektakel-Extrakt vor die Füße wirft!

Wer hier nicht zuschlägt, hat von Filmen keine Ahnung – und sei es nur, um alte Ereignisse erneut auf dem Big Screen zu bewundern.

Heimkino, TV-Publikation und alle anderen Veröffentlichungen zählen hier nicht: Der einzige Ort, an dem man dieses Wunderwerk bestaunen darf, sollte ausschließlich Kino sein – auch wenn ich mir persönlich das Ding sofort zu Verkaufsstart in die eigene Sammlung stellen werde… – aber ich war ja auch bereits schon im Kino und anschließend megamäßig geflasht.

Rein!

 

Nachspann
Sitzen bleiben, oder ihr verpasst eine wahnsinnig spannende Geschichte zu Titanic.

Kinostart: 4. Januar 2018

Baby Driver

Mir fehlen die Worte. Im Ernst. Auf dem Plakat steht ja schon so schön: „All you need is one killer track.“

Ich habe den Film das zweite Mal in der Sneak Preview auf Deutsch gesehen und die Mannschaft war begeistert! Mein Empfinden war eher, dass man mit der Synchro wieder mal einiges ziemlich in den Sand gesetzt hat, weil viel Ausdrucks-Schwere durch die „quietischigen“ deutschen Stimmen verloren geht und wie üblich einiges an Wortwitz das Zeitliche segnet.

Und wenn die Sneaker schon begeistert davon waren, wie viel mehr ist man es dann, wenn man das Glück ergattert und in eine der wenigen OV-Vorstellungen darf?

Burner!

Ich meine: Der Cast liest sich allein schon runter wie Butter und ich LIEBE Ansel Elgort und seine butterweiche, zärtliche, romantische Milchbubikid-Art, die ihn zu dem macht, was er ist: Die perfekte Besetzung für Baby Driver, denn diese Rolle ist ihm perfekt auf den Leib geschneidert.

Kein Ausprobieren. Kein Cool-Wirken. Kein „mal sehen, die Kinobesucherzahlen werden’s schon richten“. Nope. Einfach nur ein verdammt schnittiger, flotter, stylischer, verbalintegrer und in sich stimmiger Film mit verdammt viel Esprit.

Achja, bevor ich’s vergesse: Kevin Spacey! Irgendjemand schon mal einen Film mit ihm gesehen?

Und wenn man dazu jetzt eine unglaublich austarierte Ballzuspiel-Dynamik mit Ansel Elgort dazu nimmt, kommt das raus, was von der Leinwand runter prescht, wenn man sich für eine der kargen Vorstellungen entscheidet.

Und Leute: Ihr werdet es nicht bereuen. Diese Eigendynamik, das Herzblut, wenn man die Schüsse perfekt an die Song-Takte angleicht und in so vielen Kleinigkeiten Sinn fürs Detail beweist, zeigt einfach, dass hier nicht irgendwelche spröden Zwänge die Oberhand hatten, sondern man tatsächlich liebte, was man tat: Ein Wunderwerk erschaffen, dass in punkto Soundtrack, Optik, Schnelligkeit, Einzigartigkeit und Harmonie nur so vor sich hin glänzt und darauf wartet, von den Kinobesuchern angebetet zu werden.

 

.kinoticket-Empfehlung: Was bleibt mir also mehr zu tun, als zu behaupten: All you need is a .kinoticket?

Damit wäre alles von meiner Seite aus erledigt. Der Rest obliegt nun euren fähigen Händen, denn wer einen fantastischen Kinoabend erleben möchte, ist mit Baby Driver garantiert gut bedient.

Achja: One last word: Gute Boxen ob des überirdisch guten Soundtracks sollten natürlich auch hier völlig selbstverständlich sein.

 

Nachspann
Zuhören! Wirklich jetzt. Und wer nicht mag, darf gerne rausgehen, nochmal nimmt man den Deckel nicht vom Objektiv.

Kinostart: 27. Juli 2017

All Eyez On Me

An alle, die jetzt denken: „Oh mein Gott, jetzt gräbt der noch so einen Musik-Kram aus“ – falsch. Die Geschichte von Tupac Shakur in einem Film verpackt, der sich nicht an den Musik-Dokus orientiert, die seit ein paar Jahren blühend aus dem Boden sprießen, nenne ich nicht Musik-Kram.

Hier geht es um viel mehr. 2Pac war schon zu Lebzeiten eine Persönlichkeit, die nicht nur in Sachen Rassenhass einiges in der Gesellschaft auslöste, sondern der auch von seinen eigenen Leuten nicht immer mit Wohlwollen aufgenommen wurde und darum weitreichende Diskrepanzen verursacht hatte. Sei es durch seinen Lebensstil, durch seine Musik, durch seine Aussagen, mit denen er in der Gesellschaft definitiv für Diskussionsstoff sorgte und den Menschen einen Spiegel vorhielt.

Ein Bild der Gesellschaft, dass er zum einen kritisiert, zum anderen selbst lebte, spiegelt sich in seiner Musik wider. Beim Schauen hatte ich das Gefühl: Immer dann, wenn er mal nicht anders weiter kam, gab es einen Song, in dem er seine Gefühle und das, was er zu sagen hatte, ausdrücken wollte.

Sein Erfolg in den 25 Jahren, die er auf der Erde verweilte, sollte ihm Recht geben.

All Eyez On Me veröffentlicht nun tiefe Einblicke in sein Leben, sein Wirken, seine Absichten und die Hintergründe seines Lebens, wobei es hier nicht in erster Linie um die Musik, sondern vielmehr um das Drumrum geht.

Ich persönlich konnte zu damaligen Zeiten seiner Musik wenig abgewinnen. Kann es heute auch nur bedingt. Finde die Aussage des Films aber immens wichtig für ein friedvolles Zusammenleben in einer Gemeinschaft, die sich durch Globalisierung zu einer unglaublich großen Community entwickelt hat, in der auch ganz andere Probleme entstehen, wie zu damaligen Zeiten, wo es rein ums Ghetto oder den Bezirk ging.

Der einzige Kritikpunkt meinerseits wäre die immens lange Laufzeit von 140 Minuten. Klar, die Szenen sind wertvoll, es gibt keine langatmigen Sequenzen oder andere Gähn-Momente. Aber inwieweit schafft man es damit, in einer „Scroll-und-weg“-Zeit der Unaufmerksamkeit, eine Generation mit etwas zu begeistern, für die ein Zeitungsartikel allein aus der Überschrift besteht?

Gerade die Generation Facebook sollte sich hierfür Zeit nehmen. Und die werden wohl die ersten sein, die sich gelangweilt umdrehen und den Saal verlassen. Die Fans seiner Person haben sich sowieso längst mit den Themen auseinandergesetzt und damals Stellung bezogen, was die Macher des Films hier weitestgehend offen lassen.

Und genau da besteht so großes Potenzial, denn die Problematik ist auch 2017 immer noch aktueller denn je und sollte öffentlich diskutiert werden. All Eyez On Me liefert hierfür den passenden Start-Thread.

 

.kinoticket-Empfehlung: Als Fan seiner Person ist dieser Film sowieso Pflicht, alle anderen finden hier wichtige Erkenntnisse und aufschlussreiche Momente über eine Person, die die Gemüter spaltet.

Die Laufzeit ist extrem lang gehalten und stellt einen vor wahre Herausforderungen, die Aussage lohnt sich aber, auch wenn es einiges an Durchhaltevermögen kostet.

 

Nachspann
ist gespickt mit Konzertausschnitten (endlich) und einigen Auftritten des originalen 2Pac. Also: Sitzenbleiben.

Kinostart: 15. Juni 2017

Ballerina (3D)

Filme dieser Art gibt es mittlerweilen wie Sand am Meer. Auch habe ich längst darüber berichtet, dass sich die Inhalte insofern fast immer gleichen. Allerdings hat man die Form der Umsetzung bisher nicht in dieser Variante gebracht: nämlich animiert.

Dass hier ganz neue Möglichkeiten auftauchen, mit denen man punkten kann, versteht sich von selbst. Denn immerhin öffnet die animierte Welt Tür und Tor für alles, wo der menschliche Körper an Naturgesetzen oder mangelnder Kohle für schlechte CGI-Animation scheitert.

Mit Ballerina schickt man jetzt einen bekannten Plot ins Rennen, der sich zwar aus der trist-dramatischen Variante seines Genres erhebt, mit den neuen Optionen fast schon gänzlich andere Bereiche beschreitet und damit zum Filmerlebnis für Kinder wird, die sich nach Abenteuer, Ferne und einer anderen Welt sehnen.

Damit verlässt man das klassische, namensgebende Ballerina-Genre und eröffnet hier Wege zu völlig neuartiger Unterhaltung, die nicht in pompösen Finalen mündet oder anderweitige Klischees bedient.

Was mir daran gut gefallen hat, war, dass man sich trotz des scheinbar vorhandenen Budgets hier dennoch nicht auf die Erfüllung abstruser Erwartungen eingelassen hat, sondern etwas völlig eigenes macht und Kinder damit unterhalten möchte – losgelöst von sämtlichen wirtschaftlichen und sonstigen Ansprüchen. Man bedient die Kinder im eigenen Garten und kümmert sich einmal nicht um den Rest der Welt.

In einem Zeitalter wie diesem, wo Blockbuster, Massenmillionen und aberwitzige Einspielergebnisse dominierend sind, ist das schon fast wieder ein Statement, dass den Besuch im Kino durchaus rechtfertigt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Zielpublikum: Die Kids.

Für die wird hier eine gemütlich-freche Geschichte mit aufgeweckten Charakteren und moralisch achtenswerten Ansätzen erzählt, die auch bedenkenlos mit den ganz Jüngsten geschaut werden kann.

Als Erwachsener muss man entweder eine Vorliebe für Animationsfilme oder absolut Ballerina-Versessen sein, um dabei wirkliche Freude empfinden zu können. Die Wahl zwischen 2D und 3D entscheidet eindeutig letzteres, denn da kommen noch ein paar Einstellungen und Momente sehr viel mehr zum Tragen als in der vergleichsweise langweiligen 2D-Fassung.

 

Nachspann
Einfach mal den Anfang abwarten, dann weiß man, wie der restliche Nachspann ist und kann bei Nichtgefallen immer noch nach draußen verschwinden.

Split

M. Night Shyamalan ist und bleibt Streitpunkt, was die Hingezogenheit zu seinen Darbietungen regisseurhafter Art angeht. Wir alle haben irgendwo sein Debüt geliebt und er wurde von Hollywood danach auch hoch gehandelt, feierte jedoch einen Absturz nach dem anderen und erfreute sich großartiger Verrisse über seine Filmkünste.

Wikipedia lässt mich glauben, er habe sein Comeback mit dem letztjährig erschienenen The Visit gemacht, den ich persönlich aber alles andere als gut fand und der mich eher wissen ließ, dass ich Mr. Shyamalan trotz meiner anfänglichen Liebe nun vollends abschreiben kann und mit Split führt er diesen Weg konsequent fort. Nur, dass diesmal ein Schauspieler mit von der Party ist, den die meisten aus der X-Men-Saga kennen und der sich dort auch schon reger Beliebtheit erfreute.

James McAvoy, seines Zeichens Hauptdarsteller in Wanted, ist mir seit diesem Film auch ans Herz gewachsen, was die Bewertung dieser Sneak nicht unbedingt einfacher machte.

Der Film ist schlecht. Grottenschlecht. Der Plot besteht quasi aus einer Aneinanderreihung von Logiklücken, Filmfehlern, irrationalen Dummheiten, schlechten Schauspielern und: James McAvoy. Letzterer driftet hier mit Hochgeschwindigkeit auf seine Paraderolle zu und beweist einmal mehr die Wandlungsfähigkeit, derer er in seinem Beruf tatsächlich Herr geworden zu sein scheint und liefert ein beispielloses Vergnügen auf der Leinwand, dass scheinbar auch die Massen begeistert.

Jeden, den ich frage, nennt ihn als Grund dafür, dass der Film positiv bewertet wird, was ich anhand der ansonsten für Aufschrei sorgenden Spinnereien, die bei jedem anderen Film als Grund für den totalen Verriss hergenommen werden würden, absolut nicht verstehe.

Was mich daran am meisten gestört hat, war, dass der Film sich quasi von Anfang an permanent selbst spoilert. Die Auflösung kommt viel zu früh, man erfährt durch Andeutungen und direkte Besprechungen, was in der nächsten halben Stunde passieren wird und zeigt das dann einfach der Reihe nach ohne Abweichungen oder sonstige überraschende Wendungen. Der Umgang mit den Charakteren ist auch nicht wohldurchdacht, sondern eher stümperhaft umgesetzt, da die große Pointe sich auch bereits in der zweiten Minute des Films erschließt und somit der Spannung direkt zu Beginn der Kampf angesagt wird.

Aber die Zuschauer werten positiv. Würde ich das Beispiel mal auf Titanic anwenden, käme am Anfang eine Texttafel, auf der stünde:

Die Titanic ist ein großes Kreuzfahrtschiff, dass bei ihrer Jungfernfahrt einen Eisberg rammt, in zwei Hälften bricht und anschließend vollends untergeht. Ein junger Mann aus der unteren Klasse lernt auf ihr ein Mädchen der Upper-Class kennen, verliebt sich in sie und stirbt am Schluss bei dem Versuch, sie zu retten.

Dies ist ihre Geschichte.

Hand aufs Herz: Wieviel Spaß würde der Film dann noch machen? Wenn dann alle 10 Minuten irgend ein Schiffsmitarbeiter sagt: „Hey, ich habe gehört, der Kapitän ordnet gleich an, dass die Titanic auf volle Kraft gefahren wird“ – und man anschließend den Kapitän sieht, der anordnet, dass auf volle Kraft gegangen wird.

Genau so praktiziert man es bei Split und gibt dazwischen noch genügend Hinweise auf die Auflösung und das Ende, damit es quasi auch der letzte Depp garantiert kapiert.

Und so etwas finde ich nicht gut. Auch nicht sehr gut, sondern erbärmlich schlecht. Damit möchte ich James McAvoy’s darstellerische Leistungen auch nicht schlecht reden oder klein machen, ihm sei der Erfolg durch diesen Film auch mega vergönnt. Besser wird der Streifen in meinen Augen damit aber trotzdem nicht.

 

.kinoticket-Empfehlung: Die auf dem Plakat angespoilerten 23 Persönlichkeiten werden von James McAvoy hervorragend umgesetzt und meisterhaft dargestellt.

Der Rest des Films ist ein einziges Desaster, wenn man von so kleinen Gimmicks wie im Nachspann mal absieht. Da ich hier nicht spoilern möchte, kann ich schlecht über die kompletten Dummheiten offen reden (vielleicht in den Kommentaren), jedoch war ich von der Gesamtleistung des Films einfach nur enttäuscht.

 

Nachspann
enthält keine weiteren Szenen oder Überraschungen. Rausgehen erlaubt.

Bir Baba Hindu

Über diesen Film etwas zu erzählen, das hier im Blog verwertbar ist, fällt sogar mir schwer. Der gediegene Leser weiß mittlerweile, dass ich mir jeden Mist anschaue, ganz egal, wie kindisch, doof oder perplex das ganze Unterfangen schlussendlich ist.

Bir Baba Hindu schlägt in diesen Konsens merkwürdiger Absurditäten voll rein und entpuppt sich als absolut wahnwitziger Showmoment, in dem das sowieso schon absolut merkwürdig-tarierte türkische Kino eine Ehe mit den ebenfalls nicht ganz normalen Bollywood-Filmen eingeht und einen Mix erschafft, der – gelinde gesagt – extrem merkwürdig ist.

Mit Humor, Unterhaltung oder einfach nur erträglichen Szenen hat das in meinen Augen lange nichts mehr zu tun. Im Gegenteil: Die Vorstellung war schwierig und die schnell wechselnden und teils auch sehr lieblos und falsch geschriebenen Untertitel haben mit dazu beigetragen, dass ich mehr wie verstehen konnte, weshalb außer mir sonst niemand im Saal saß.

Und dank meiner kleinen, unrühmlichen Ansprache hoffe ich, dass dies – im Geiste des guten Geschmacks – auch in Zukunft so bleibt und dieser Titel möglichst schnell wieder von den Leinwänden verschwindet.

Ganz im Ernst? So etwas braucht die Welt auf keinen Fall!

 

.kinoticket-Empfehlung: Ähm … wenn etwas merkwürdig ist, dann dieser Titel.

Der Mix aus Bollywood und türkischem Kino mündet allenfalls in gemeinschaftlicher Absurdität und bringt für mich keinen erkennbaren Mehrwert auf die Leinwand.

Da gibt es ganz andere Filme, die den Besuch viel eher wert sind.

 

Nachspann
braucht man nicht extra hocken bleiben, hier kommt nichts weiter.