Before I Wake

Mike Flanagan kennen viele eher von Filmen wie Oculus oder Ouija 2: Ursprung des Bösen, der bekanntlich in meinen Augen nicht so der Brüller war.

Selbiger Regisseur fährt hier zur Höchstform auf und klatscht einfach mal so eben einen Streifen auf die Scheibe, die mich in allen Maßen einfach nur begeistert hat.

Zum einen: Die Schärfe. Gibt’s schon 8K oder wird das erst in ein paar Wochen angekündigt und dann großspurig verbreitet, dass Before I Wake bereits diese Schärfe besitzt? Gestern im Kino ging’s mir zumindest so, denn die kristallklare, messerscharfe Feinheit, die hier überall ins Spiel kommt, ist einfach nur beeindruckend.

Zum anderen: Der Plot. Ja, man sieht sich anfangs mit den typischen Bausteinen konfrontiert, aus denen man sich einen Horrorfilm basteln kann, angefangen mit den Charakteren, die in eine solche Geschichte gehören und passend dazu gecastet wurden.

Doch bevor es anfängt, langweilig zu werden, bewirft man den angestachelten Zuschauer mit kreativen Ideen, die sich ins Grundthema des Films eingliedern und hier einer Basis Platz machen, die ich so sehr liebe: Ruhe.

Der ganze Film tänzelt um den Frieden und bereichert die Welt mit einer völlig anderen, irrsinnig einfallsreichen Form dessen, was jeder kennt und keiner bislang so ausgemalt hat, wie Flanagan das in diesem Titel macht.

Die Wendungen, der Überraschungsmoment kommt zwar nicht mit einem derartigen Knall, dass man an dieser Stelle mit euphorischer Begeisterung von einer umwälzenden Erfahrung sprechen könnte, die Story als Ganzes funktioniert aber und liefert hier einen Kinoabend, den man am besten zu zweit in einer kalten Winternacht genießt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Kreativität, Einfallsreichtum, spannende Wendungen und ein trickreicher Plot, gekonnte Inszenierung und dazu eine fantastisch umgängliche Ruhe – machen aus diesem Streifen eine Erfahrung, die man nicht neben sich herschieben sollte.

Mich hat der Film immens beeindruckt, so sehr, dass ich einen Tag später direkt wieder im Kino saß und mir die Vorstellung nochmal anschauen musste.

Man verändert ein bestehendes Konzept so ab, dass aus der Show wieder etwas Inspiratives geworden ist, dass die Ausgewogenheit zwischen Schönheit und Grusel galant umschwärmt.

Fans von Gruselkino dürfen hier gerne zuschlagen.

 

Nachspann
Nix, sobald es schwarz wird, kommt entweder eine spannende Wendung oder der Nachspann – spätestens dann darf man wieder ins Licht flüchten ^^.

 

Werbeanzeigen

Ouija 2: Ursprung des Bösen

Ohne jetzt böse klingen zu wollen: Wo Blumhouse seine Finger im Spiel hat, existiert irgendwo ein Horrorfilmsetzbaukasten, aus dem immer wieder Teile entnommen werden, um daraus dann eine Geschichte zu basteln, die sich irgendwo vermarkten lässt.

Das könnte man meinen, wenn man den Titel in seiner Gänze im Kino sieht und sich dann überlegt, was die Macher dazu getrieben hat, diesen Firlefanz hier ans Volk zu verhökern.

Die Idee aus dem Trailer ist nämlich übergenial und hinterlässt Hoffnungen beim Zuschauer, endlich mal wieder in die Welt des Absurdums geführt zu werden und mit Dingen konfrontiert zu sein, die gleichermaßen unwirklich als auch unterhaltsam sind. Dieses ausgespielte As wird gleich zu Beginn auf ein Niveau heruntergezogen, das nur allzudeutlich die Ernüchterung kommen lässt, denn nicht der ausweglose Kampf aus etwas, dessen man nicht mehr Herr wird, ziert hier die Unterhaltungslinie, sondern eine rühmliche Langsamkeit, die eine Story um etwas spinnt, dass es vor Jahren schonmal gegeben hat.

Der Clou: Den Bogen spannt man erst dann, wenn das Publikum zum Großteil schon längst wieder aus dem Saal gerannt ist, womit die eigentliche Pointe geradezu den Bach runterschwimmt.

Der genial vertrackte Coup, hier Betrügerei und Echtheit miteinander zu verschmelzen, gelingt den Machern in meinen Augen nur halbherzig, das Herzblut eines echten Horrormoments fehlt gänzlich. Stattdessen spult man eine 0815-Story runter, die teils vorhersehbar, teils unwillig, teils lächerlich wirkt und keinerlei Stimmung erzeugt, die einen unbedingt mitfiebern lässt oder auch nur ansatzweise das gemeinsame Gruseln im Kinosaal ermöglicht.

Stattdessen hätte man sich hier lieber auf eine Direkt-to-DVD-Produktion beschränken sollen, denn im nischenhaften Dachboden mit eingeschworenen Freunden und ein paar Flaschen Bier kann auch dieses Unterfangen durchaus unterhaltsam sein.

Wer jedoch mit Ernsthaftigkeit und gutem Willen den Kinosaal betritt um hier mal wieder mächtig eins auf die Zwölf zu kriegen, der wird nicht nur enttäuscht, sondern auch irgendwo gelangweilt und geistig unterfordert.

Zwei Eigenschaften, die kein gutes Bild auf jemand werfen, der mittlerweile durchaus die Mittel haben dürfte, weitaus größere Erfolge zu erzielen.

Schade eigentlich, denn ich hatte mich auf diesen Titel wirklich gefreut.

 

.kinoticket-Empfehlung: Seichte Kost, die eine Idee verramscht, aus der so viel hätte werden können.

Das Potenzial ist definitiv gegeben und die Welt ist unerschöpflich, in der man diese ausleben und erblühen lassen hätte können, jedoch hat man sich hier für die langsame, vorhersehbare und willenlose Version entschieden, die mit wenig Mitteln möglichst viel Geld in die Kassen spülen soll.

Das mag im heimischen Kino mit ein paar Freunden, Bier und illegalen Substanzen wohlweislich funktionieren, endet im Kino aber eher in einer kollektiven Enttäuschung, bei der man auch niemandem übel nehmen kann, das eigentliche Ende zu verpassen, weil man schon frühzeitig den Saal verlassen hat.

 

Nachspann
Sitzenbleiben. Ohne die allerletzten Szenen nach dem Abspann macht der ganze Film überhaupt keinen Sinn.