Annabelle: Creation

Eigentlich hab ich es ja mit den ganzen Mainstreamhorrorfilmen nicht so. Und wenn man im Vorfeld dann schon so 360°-Videos auf YouTube ohne entsprechende Brille angeboten kriegt, kommt auch nicht wirklich Flair auf.

Die üblichen Verdächtigen halt, eigensinnige Dinge, unwirkliche Momente, die man so schon unzählige Male gesehen hat. Gähnende Langeweile und daher auch keinerlei Antrieb, unbedingt vor Kinostart reinzurennen um hier rechtzeitig posten zu können.

Großer Fehler.

Ja, The Boy war der letzte Film, der mich diesbezüglich richtig psychisch gestreift hat und trotz seiner absurden FSK-12-Freigabe fand ich den als einer der besten Breitband-Horrorfilme der letzten Jahre. Und das Thema wird auch von Annabelle: Creation wieder aufgegriffen.

Und dafür, dass das jetzt ein zweiter Teil ist und ich wieder mal meiner „Kuck von hinten nach vorne, damit die Teile immer besser werden“-Strategie gefolgt bin, muss ich sagen: Ich bin extrem überrascht von der Perfektion, mit der man hier als stiller Beobachter in den Strudel der Gänsehautperforation hineingesogen wird. Oder auf deutsch: Ich hab mich endlich wieder mal im Kino gruseln können.

Und ich glaube kaum, dass das an der 23-Uhr-Vorstellung gelegen hat oder daran, dass ich mit nur zwei weiteren allein im Saal war und der Rest des Kinos durch glorreiche Leere glänzte.

Die Vorhersehbarkeit nagt zwar auch hier an allen Ecken und Enden und wenn man in punkto Einfallsreichtum und neuartiger Brillanz frische Ideen sucht, stößt man weitestgehend auf Bekanntes, dennoch wurden die abgewetzten Filmbausteine endlich mal wieder gekonnt zusammengesetzt und dem Zuschauer eine Bild geboten, das durchaus zulässt, dass man sich wirklich gruselt.

Und darauf warte ich ja eigentlich schon seit Jahren. Ich für meinen Teil werde mir jetzt definitiv den ersten Teil auf der blauen Scheibe zulegen und mir zu Hause dann das Vergnügen gönnen, den Anfang der Geschichte zu besehen.

 

.kinoticket-Empfehlung: Endlich mal wieder Freude an Horror und Szenen, die einem wirklich das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Zwar ist etwas beängstigend, dass die Darsteller dafür immer jünger werden müssen, um den Erwachsenen doch noch Angst einzujagen, aber in diesem Fall ging die Rechnung voll auf und der Sehspaß ist auch für alteingesessene Horrorfilmliebhaber endlich wieder einmal von der brauchbaren Sorte.

Daher von mir eine klare Sichtungsempfehlung: Nutzt den großen Screen, solange ihr könnt.

 

Nachspann
Yes – bis zum Schluss sitzen bleiben, es hört nicht nach dem Abspann und der Nachszene auf, sondern geht bis ganz zum Schluss durch.

Kinostart: 24. August 2017

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Ouija 2: Ursprung des Bösen

Ohne jetzt böse klingen zu wollen: Wo Blumhouse seine Finger im Spiel hat, existiert irgendwo ein Horrorfilmsetzbaukasten, aus dem immer wieder Teile entnommen werden, um daraus dann eine Geschichte zu basteln, die sich irgendwo vermarkten lässt.

Das könnte man meinen, wenn man den Titel in seiner Gänze im Kino sieht und sich dann überlegt, was die Macher dazu getrieben hat, diesen Firlefanz hier ans Volk zu verhökern.

Die Idee aus dem Trailer ist nämlich übergenial und hinterlässt Hoffnungen beim Zuschauer, endlich mal wieder in die Welt des Absurdums geführt zu werden und mit Dingen konfrontiert zu sein, die gleichermaßen unwirklich als auch unterhaltsam sind. Dieses ausgespielte As wird gleich zu Beginn auf ein Niveau heruntergezogen, das nur allzudeutlich die Ernüchterung kommen lässt, denn nicht der ausweglose Kampf aus etwas, dessen man nicht mehr Herr wird, ziert hier die Unterhaltungslinie, sondern eine rühmliche Langsamkeit, die eine Story um etwas spinnt, dass es vor Jahren schonmal gegeben hat.

Der Clou: Den Bogen spannt man erst dann, wenn das Publikum zum Großteil schon längst wieder aus dem Saal gerannt ist, womit die eigentliche Pointe geradezu den Bach runterschwimmt.

Der genial vertrackte Coup, hier Betrügerei und Echtheit miteinander zu verschmelzen, gelingt den Machern in meinen Augen nur halbherzig, das Herzblut eines echten Horrormoments fehlt gänzlich. Stattdessen spult man eine 0815-Story runter, die teils vorhersehbar, teils unwillig, teils lächerlich wirkt und keinerlei Stimmung erzeugt, die einen unbedingt mitfiebern lässt oder auch nur ansatzweise das gemeinsame Gruseln im Kinosaal ermöglicht.

Stattdessen hätte man sich hier lieber auf eine Direkt-to-DVD-Produktion beschränken sollen, denn im nischenhaften Dachboden mit eingeschworenen Freunden und ein paar Flaschen Bier kann auch dieses Unterfangen durchaus unterhaltsam sein.

Wer jedoch mit Ernsthaftigkeit und gutem Willen den Kinosaal betritt um hier mal wieder mächtig eins auf die Zwölf zu kriegen, der wird nicht nur enttäuscht, sondern auch irgendwo gelangweilt und geistig unterfordert.

Zwei Eigenschaften, die kein gutes Bild auf jemand werfen, der mittlerweile durchaus die Mittel haben dürfte, weitaus größere Erfolge zu erzielen.

Schade eigentlich, denn ich hatte mich auf diesen Titel wirklich gefreut.

 

.kinoticket-Empfehlung: Seichte Kost, die eine Idee verramscht, aus der so viel hätte werden können.

Das Potenzial ist definitiv gegeben und die Welt ist unerschöpflich, in der man diese ausleben und erblühen lassen hätte können, jedoch hat man sich hier für die langsame, vorhersehbare und willenlose Version entschieden, die mit wenig Mitteln möglichst viel Geld in die Kassen spülen soll.

Das mag im heimischen Kino mit ein paar Freunden, Bier und illegalen Substanzen wohlweislich funktionieren, endet im Kino aber eher in einer kollektiven Enttäuschung, bei der man auch niemandem übel nehmen kann, das eigentliche Ende zu verpassen, weil man schon frühzeitig den Saal verlassen hat.

 

Nachspann
Sitzenbleiben. Ohne die allerletzten Szenen nach dem Abspann macht der ganze Film überhaupt keinen Sinn.