La La Land

Es ist wieder kurz vor Februar. Die Zeit, in der sich Hollywood selbst huldigt, wird eingeleitet – wir alle stehen kurz vor den 89. Academy Awards und schon im Vorfeld dessen hat La La Land Rekorde gebrochen: 14 Nominierungen, u.a. in den besten Kategorien.

Das haben bisher nur zwei Filme überhaupt geschafft. Einer davon war Titanic. Auch bei den Golden Globes hat dieser Film schon rühmlich abgegriffen und wenn man die einschlägigen Magazine und Presseberichte aufschlägt, wüstet einem ausschließlich Positives entgegen: Man überschlägt sich mit Lob, huldigt diesem Streifen in allerbesten Tönen und lässt die Zuschauerschaft glauben, dass man da unbedingt rein rennen muss.

Rein gehen auch welche. Vorwiegend diejenigen mit grauen Haaren.

Und soll ich euch was sagen, Leute?

Wenn schon im Vorfeld eines Films so viel Hype geschoben wird, dann bin ich erst recht skeptisch. Mir haben sogar direkt Presseleute zugetragen, dass sie aufgrund des Trailers nicht reingegangen wären, und nachdem sie den Film in der Pressevorführung gesehen haben, unbedingt nochmal rein wollen.

Das schreit geradezu nach Skepsis. Dementsprechend arglistig waren meine Erwartungen, als ich in den Saal rein bin und die Vorstellung vor mir hatte.

Tja.

La La Land … huldigt den Kinoanfängen und erweckt den Broadway zum Leben. Hier wird nicht nur viel besser als bei Disney zum Träumen aufgerufen, sondern eine Show geliefert, bei der die Tränen ehrlich gesagt nur so fließen.

Ich saß noch nie in einem Titel und hab tatsächlich so derb mit den Flüssigkeiten in der Fresse kämpfen müssen, nicht mal bei Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Und das soll was heißen.

Die pure Liebe, die man hier in Dramaturgie, Filmkunst, Musik, Bewegung, Farben, Design, Zeitalter und alles andere gelegt hat, reißt einen nicht nur vom Stuhl, sondern schleudert einen permanent seelisch durchs Kino und lässt einen immer wieder positiv auflaufen.

Nicht nur der Plot, sondern die ganze Musik, die Show, das Entertainment in seiner höchsten Ehre würdigt hier die Anfänge und eine Zeit, in der Kino noch etwas besonderes war. Dagegen stinkt sogar Hail, Caesar! erbärmlich ab. Und diesen Film hab ich für genau diese Tatsache absolut gemocht!

Ich hab kaum noch was gesehen, als es gegen Ende des Films zuging und der Abspann lief. Mein erster Gedanke war: Oh Gott, nein, warum jetzt schon? Warum ist das schon vorbei?

Wenn die Academy Awards auch so auffahren, na dann haltet euch mächtig fest. Denn der Film passt nicht nur wieder mal extrem in diese Zeit, sondern schlägt als waschechte Arthaus-Publikation auch tatsächlich mal wieder Messlatten in die Öffentlichkeit, die zukünftige Filme nun im nächsten Jahr vergeblich zu erklimmen versuchen werden. Das Niveau – der Stil – die Eleganz – der Anmut – die Liebe – die pure Kunst … das ist alles nicht wirklich zu toppen.

Und wisst ihr was? Den Oscar® für den besten Film aller Zeiten hat sich La La Land in meinen Augen schon jetzt verdient!

 

.kinoticket-Empfehlung: Es ist ein Arthaus.

Und jetzt geht gefälligst da rein, aber zackig! 14 Nominierungen bei den Oscars®, davon in der Kategorie „Bester Film“ und das zu recht! Muss ich mehr sagen?

Rein!! Bevor ihr euch während der Verleihung spoilern lassen müsst.

Und auch ohne dass ihr sie schaut – der Film ist die absolute Pflicht!

 

Nachspann
Als jemand, der den Film würdigt, bleibt man sowieso beim Abspann sitzen. Bei mir ist mal niemand aufgestanden und frühzeitig raus, auch wenn keine Bilder mehr kommen.

P.S.
* Bester Film
* Beste Regie
* Bester Hauptdarsteller
* Beste Hauptdarstellerin
* Bestes Originaldrehbuch
* Bester Song (2x)
* Beste Filmmusik
* Beste Kamera
* Bestes Szenenbild
* Bestes Kostümdesign
* Bester Ton
* Bester Schnitt
* Bester Tonschnitt

Dazu hat er in der Filmpreissaison 2016/17 bereits über 120 Preise abgegriffen und ist für weitere 180 nominiert. Bei den Golden Globes hat er erstmalig in der Geschichte überhaupt in allen 7 Kategorien Preise abgegriffen und somit einen Weltrekord aufgestellt.
(Quelle: Wikipedia)

Noch Fragen?

Daddy’s Home – Ein Vater zu viel

Will Ferrell ist bekannt dafür, Rollen zu spielen, die vom Versagen und Gewinnen erzählen. Der Trailer von Daddy’s Home – Ein Vater zu viel zeugte bereits davon, sich den Gepflogenheiten der Schüchternheit und des Trimpfes zu widmen und einen Film zu erzählen, der sich in familiärer Atmosphäre seinen Charme zu verdienen versucht.

Ein Kumpel gab mir vorab den Tipp, hier nicht mit zu viel Erwartungen reinzugehen und das wohl passendste Publikum ever (die kringelten sich noch 10 Minuten nachdem der Trailer von Zoomania gelaufen war) sorgte zusätzlich für jede Menge positive Stimmung im Saal.

Vielleicht funktioniert die Komödie deshalb doch einigermaßen, weil hier zwar arg mit destruktivem Humor gearbeitet wird, der eher ins Macho-Proll-Klischee Amerikas passt als auf die gute Kunstbühne internationaler Filmgeschichte. Die eigenwillige und selbstironische Art von Wahlberg und Ferrell sorgt irgendwo für Unterhaltung, auch wenn man sich dieser Art von Witzigkeit erst ein klein wenig anpassen muss.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass so mancher hier seine lieben Schwierigkeiten hat und sich das Werk für jene stark in die Länge zieht. Genau wie bei Alle Jahre wieder – Weihnachten mit den Coopers ist auch dieser Film auf einer Säule, die nicht so recht ins Geschehen der Mitte der Gesellschaft passt, sondern sich seinen eigenen Zweig aussucht und da drin punktet. Das Problem dabei: Wer sich geistig nicht in der Nähe dieser Säule befindet, der findet das alles schlichtweg nicht witzig. Und dabei hilft auch kein Toleranzgefühl oder irgendeine Form von Zufriedenheit.

Hat man sich einmal mit dem Humor abgefunden, schmiert sich der Film doch recht ansehlich durch die Gefilde der Zeit und hinterlässt auch hier und da komische Spuren.

Das Ende kommt mehr oder weniger wirklich verdient, zeugt hier aber wieder stark davon, dass der amerikanische Prollgehabe-Gedanke vielleicht doch nicht der verkehrteste war.

Auffallend: Wer bisher nicht wusste, was product placement ist, hat spätestens nach diesem Film einen eindeutigen Eindruck davon.

 

.kinoticket-Empfehlung: Hier sollte man nur reingehen, wenn man den Trailer argwöhnisch begutachtet und für sehenswert empfunden hat.

Wer auf der Suche nach einer lustigen Story ist, die gut ins Allgemeinbild des durchschnittlichen Films passt, der sollte sich eher vorsichtig an diese Geschichte wagen, denn das hier ist zeitweise kein Zuckerschlecken, sondern zähfließender Kruscht, durch den man sich durcharbeiten muss.

Schlussendlich überzeugte der Film meines Erachtens sehr stark durch das lachbehaftete Publikum, das in diesem Fall aber auch nicht als Standard hergenommen werden dürfte, sondern eher zu giggelig den Saal mit überdurchschnittlich starker Lache anfüllte.

 

Nachspann
kommt keiner mehr, man darf sich also getrost nach dem Abblenden verdrücken.

Amy

Ein komisches Gefühl, im Kino wieder für Eintritt zahlen zu müssen. Dies findet bloß bei Sondervorstellungen statt, zu denen man Amy zählen darf.

Die lang herbeigesehnte Dokumentation über das Leben der inzwischen verstorbenen Musikerin sollte man sich schleunigst im Kino anschauen, denn es läuft nur noch heute (17/07/15) und am kommenden Sonntag eine einzige Vorstellung.

Das teilweise zerrüttete Leben von Amy Winehouse haben viele bestimmt spottend über die Medien verfolgt. Ihr großer Erfolg mit Songs, die vielleicht keiner so wirklich verstanden hat und ihr brachialer Absturz in Drogen und Alkoholkonsum, der in einem unrühmlichen Tod endete.

Amy tut auf eine erfrischende und zutiefst berührende Art das, was die Medien damals hätten tun sollen: Die Wahrheit ans Licht bringen. Die Trailer betitelten diese Dokumentation u.a. mit den Worten „So nah ist man ihr bisher noch nie gekommen“ und daran steckt viel Wahres.

Hier handelt es sich nicht um eine Neuverfilmung oder Nachstellung, sondern es werden authentisch Bild- und Videobeiträge gezeigt, die bereits existierten, gemischt mit Off-Sprechern aus ihrem Leben, die die Geschichte quasi erzählen.

An Amy merkt man jederzeit, wie authentisch sie sein wollte. Angefangen von ihren Musikaufnahmen über ihre Art und den nie verblassenden Wunsch, niemals berühmt zu werden. Ihre Musik in den Anfangsjahren war großartig. Man spürt ihr an, dass sie das geschrieben und gesungen hat, was ihr tatsächlich selbst widerfahren ist.

Diese Dokumentation ist eine Offenlegung dessen, was die geldgierige Menschheit aus Künstlern wie Amy macht, indem sie als Person egal wird und es nur noch darum geht, mehr Kohle zu machen. Welche Intrigen gefeiert, wie sie ausgebeutet, gegen ihren Willen entschieden wird und sie letztendlich ausgenommen, ausgeschlachtet und kaputt wieder weggeworfen wird.

Diesmal wurde aus ihrer Sicht erzählt, ihre Gefühle mit eingebunden, ihre Sehnsüchte gezeigt und auch aus ihren falschen Entscheidungen (Drogen) kein Hehl gemacht.

Es ist zu sehen, wie sie der Öffentlichkeit vorgeführt wird und diesen ganzen Rummel nicht erträgt. Sie war eine brillante Musikerin, die niemals den großen Ruhm wollte, sondern lieber in kleinen Räumlichkeiten Jazz singen. Und sie hatte Recht mit dem Gedanken, dass man seine Lieder nur dann singen kann, wenn man gleiches auch fühlt.

Zu sehen, wie die totgespielten Songs von ihr überhaupt nicht mehr zu dem aktuellen Leben passten und ihre Abscheu dagegen zu erleben zeugt für mich davon, dass sie wahrlich verstand, was sie tat.

Es war einfach nur ergreifend, in einem Kinosaal zu sitzen, der sich Zeit für das Leben und die Musik von ihr nimmt, und sie nicht eingepfercht zwischen zwei Werbeblöcken zum Lückenfüller verkommen lässt. Es tat mir tief im Herzen weh, zu sehen, wie Musikgesellschaften, Vermarkter und Industrielle ihre Werke verwursteten, verunstalteten und schlussendlich durch Druck und Überbelastung eine Spähre erzeugten, wo die Kunst in den Hintergrund tritt und es nur noch darum geht, Tourneen zu machen und Kohle dabei zu scheffeln.

Jeder, der ein offenes Auge gehabt hätte, hätte erkannt, dass sie dringend Hilfe benötigte und die dafür passenden Schritte eingeleitet. Von Verantwortung und Menschlichkeit zu ihren „Ruhmzeiten“ keine Spur mehr. Klar obliegt es ihr allein, zu entscheiden, ob sie einen Entzug macht oder nicht, dennoch hätten fremde Kräfte auf sie einwirken müssen, weil man unter bestimmten Voraussetzungen eben nicht mehr klug entscheiden kann.

Für mich auf jeden Fall ein ganz großartiges Werk, dass das viel zu kurze Leben eines Künstlers beleuchtet und durch die tiefen, intimen Einblicke in die Gefühlswelt dieser Frau mal die andere Seite des Ruhms aufzeigt, der die Menschen im Grunde genommen nur kaputt macht. Und den Fall eines Menschen zu zeigen, ohne ihn dafür zu kritisieren oder vorzuführen, ist für mich ganz ganz großes Kino.

 

.kinoticket-Empfehlung: Nutzt die Chance und schaut es euch im erlesenen Kreis von Musikliebhabern im Kino an. Nirgends wirkt ihre Musik so, wie an einem Ort, wo man sich die Zeit und Muße nimmt, sie so zu zeigen, wie sie wirklich war.

Eine Dokumentation, die nicht entschuldigt, nicht beschönigt, nicht verbiegt, sondern eine Künstlerin so zeigt, wie sie war – mit allen Höhen und Tiefen – und mit dazu beiträgt, dass man das „Hinter den Kulissen“ ihres Lebens um ein vielfaches besser versteht.

Großartiges Gefühlskino mit intensiver Hingabe zu Musik, Eleganz und dem steilen Weg in die psychische Zerstörung herbeigeführt durch Geldgier, Raffsucht, Alkohol und Drogen.

 

Nachspann
Anfangs noch mit Videomaterial, später nur noch Tonmaterial, das den ganzen Film über sowieso herausragend ist.

Nur eine Stunde Ruhe!

Wer wünscht die sich nicht manchmal? Vielleicht nicht jeder aus so edlen Gründen wie Michel in dieser neuen französischen Komödie, die sanft beginnt und furios endet.

Abseits von schlechten 3D-Filmen, billigen Themen, Rahmenhandlungen aus der 1 €-Ecke und hochgekauften Blockbustererfolgen befinden sich Filme wie Nur eine Stunde Ruhe!, die meiner Meinung nach viel zu wenig Kinobesucher haben. Zu schnell rutschen die Vorstellungen in die kleinsten Säle der Kinos, zu schnell verschwinden sie komplett von der Bildfläche. Das ist auch der Grund, wieso ich diesen Film chronologisch anderen vorziehe, um vielleicht die ein oder andere Enttäuschung zu vermeiden, denn hier seht ihr wirklich etwas, wo sich der Gang ins Kino lohnt.

Was ganz harmlos beginnt, mündet im Laufe der Zeit in ein Effektfeuerwerk der Verbalität und entwickelt sich bis zum Schluss des viel zu kurzen Films sowohl auf als auch vor der Leinwand zu permanenten Lachkrämpfen.

Der ganz große Coup ist Frankreich diesmal nicht richtig gelungen, mit Werken wie Ziemlich beste Freunde kann dieser Streifen storybedingt nicht mithalten, jedoch sollte man so etwas nicht unbedingt an derartigen Steilvorlagen messen müssen.

Was hier geboten wird, ist so völlig abseits dessen, was derzeit sonst im Kino läuft und nicht nur deshalb im Schädel eine krasse Erfrischung. Ungehemmt und anspruchsvoll lachen dürfen, sei es ob der Dialoge, der gekonnten Gesichtsmimik, den Situationen oder einfach der Ereignisse, die sich im Laufe der Geschichte fast von selbst ergeben.

Sympathie mit dem Hauptdarsteller ist von Anfang an gegeben, die typischen Merkmale französischen Kinos sind natürlich auch hier wieder in voller Breitseite ausgekippt und wenn unsere Nachbarn filmmäßig so weitermachen, bekommt Hollywood in Sachen Unterhaltung mit Lachmuskeltraining bald ernstzunehmende Konkurrenz.

Ich habe mir den Film bereits zwei Mal angeschaut und war beim zweiten Mal genauso wenig enttäuscht wie beim ersten. Wer also bisher meinte, im Kino läuft nur grottiger Schrott aus Amerika, der sollte schleunigst ins Lichtspielhaus seiner Wahl und sich dort ein .kinoticket für Nur eine Stunde Ruhe! lösen.

 

.kinoticket-Empfehlung: Hier bietet man einem nicht nur exzellente Momente, Charme und Witz, der nicht unterhalb der Gürtellinie stattfindet, sondern auch Eleganz, gute Musik, brillante Ideen und 80 Minuten beste Unterhaltung.

Der Film harmonisiert mit dem altstädtisch-nachbarschaftlichen Leben der Franzosen und liefert hier wieder ein Stück Kunst, von der man in den nächsten Jahren hoffentlich noch viel mehr zu sehen kriegt.

Also Fernseher aus, Freund und Freundin schnappen und dann ab ins Kino! Es lohnt sich!

 

Nachspann
darf man bis zum Schluss anschauen, so lang ist der Film sowieso nicht und die Musik ist es wert.