Halloween

Halloween
© 2018 Universal Pictures International

 

Die Liste an Filmen über das Fest der Kürbisse und Toten ist lang und startete 1978 mit dem legendären Halloween – Die Nacht des Grauens von Horror-Ikone John Carpenter.

Dem folgten:

Halloween II – Das Grauen kehrt zurück
Halloween III
Halloween IV – Michael Myers kehrt zurück
Halloween V – Die Rache des Michael Myers
Halloween VI – Der Fluch des Michael Myers
Halloween H20
Halloween: Resurrection
Halloween aus dem Jahre 2007, geschaffen von Rob Zombie
Halloween II von 2009, ebenfalls von Rob Zombie

Und nun lässt man die Saga mit Halloween aus dem Jahr 2018 ausklingen. Zumindest redete man mal davon. Das Interessante daran: All die Regisseure dazwischen, all die Ideen, Fortsetzungen, Ausschlachtungen im wahrsten Sinne des Wortes haben machen können, was sie wollten: Nun stehen Jason Blum, Malek Akkad und der Schöpfer dieser Filmserie John Carpenter als Produzenten im Hintergrund und diese Einflüsse spürt man im aktuellen Horror-Streich recht deutlich.

Und das ist sowohl positiv als auch negativ. Jason, ich mag dich in bestimmten Punkten, nur hier ist jetzt folgendes Problem:

Der Einfluss des Originals, an das dieser Film ja auch angelehnt sein soll, ist in jederlei Hinsicht von Blumhouse durchgeweicht worden. Einer der geilsten Twists – dass Jamie Lee Curtis mit von der Partie sein wird – ist bereits auf dem Plakat verraten und somit das Überraschungsmoment bereits großspurig verdorben worden (Batman v Superman-Wonderwoman-Trailer-Komplex) und der ganze Film leidet förmlich darunter, dass die einst gekannte Schärfe von Carpenter nicht mehr zum Tragen kommt, sondern nur hier und da aus den Holzritzen hervor scheint.

Und dieses „Zwischen zwei Stühlen rumgeiern“ macht aus dem Film, aus dem man so viel mehr hätte rausholen können, nur ein mittelmäßiges Sequel, dass zwar die Fangemeinde tierisch interessieren dürfte, aber keine empfehlenswerten Momente entstehen lässt, die einen auch als Nicht-Kenner oder Neuanfänger in die Kinos locken würden.

Und das ist eigentlich traurig, bedenkt man, mit welcher Horror-Historie man hier um sich schmeißt. Immerhin ist der Halloween-Festlichkeiten-Kinomarkt von mittlerweile einigen Filmreihen hart umkämpft und man hätte hier soliden Ursprungsboden zurückerobern können und quasi wieder mit dem Original auftrumpfen.

Alle weiteren Ausführungen würden nun zu viel verraten und diesmal wurde sogar die Presse gebeten, spoilerfrei zu berichten (Willkommen, Leute!), darum halte ich von nun an meinen Rand über den Film und wünsche euch viel Spaß im Kino – schraubt eure Erwartungen einfach nicht allzuhoch und nehmt reichlich Süßkram mit in den Saal.

 

.kinoticket-Empfehlung: Man verschenkt Potenzial und reizt das ursprüngliche Carpenter-Gen nicht vollkommen aus, sondern dribbelt mit Blumhouse hin und her und erhält so nichts halbes, nichts ganzes.

Der Film kann sich also nicht wirklich entscheiden, ob er hart oder weich sein möchte, orientiert sich aber wieder sehr am Original und lässt damit alte Horrorfilmzeiten erneut aufleben, auch wenn man wesentlich mehr rauskitzeln hätte können.

Für einmal im Kino ansehen reicht es, dann aber bitte mit viel Publikum, damit die Vorstellung noch andere Elemente bekommt, die den Abend versüßen.

 

Nachspann
❌ lohnt sich nicht abzuwarten, es folgen keine weiteren Szenen oder Überraschungen mehr.

Kinostart: 25. Oktober 2018

Original Title: Halloween
Length: 109 Min.
Rate: FSK 16

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The First Purge

Wenn „Purge“ im Titel vorkommt, darf bei den Producern so viel Blumhouse Productions stehen, wie will: Dann hab ich mit diesem Label meinen absoluten Frieden. The First Purge ist nach The Purge – Die Säuberung, The Purge: Anarchy und The Purge: Election Year bereits das vierte Filmchen dieser grandiosen Spielfilmreihe und begeistert ein weiteres Mal mit unerwartetem Tiefgang und grandiosen Horrorfilmeinlagen.

Inzwischen hat Blumhouse Productions als Probier-Label von sich reden gemacht, die Dinge testen, die sich sonst keiner der großen Studios mehr traut. Die Produktionskosten sind in fast allen Fällen überschaubar gering und somit ist ein möglicher Flop durchaus verschmerzbar, zumal sich kommerziell gesehen in letzter Zeit öfters ausgezahlt hat, dass man sich solch neuer Filmversuche angenommen hat.

The First Purge ist kein Filmversuch mehr, sondern bereits die dritte Fortsetzung einer großartigen Filmidee, die eben nicht auf stupides Blutgeplänkel und billige Gore-Effekte setzt, sondern sich psychologisch als auch politisch mit möglichen Szenarien einer absurden Welt auseinandersetzt und diese einfach mal durchexerziert. Entertainment at it’s best: Man nutzt gekonnt die Leinwand für psychologische Spielchen, die in der realen Welt undenkbar wären und sorgt so für großartige Unterhaltung in ihrer vollen Blüte! Es macht einfach nur Spaß.

Nun könnte man meinen, dass man im vierten Teil nun endlich allen Saft aus dem Wollmilchkuhschwein herausgepresst hätte und nicht mehr viel Neues hinzukommen kann: Es wurde alles gesagt, es wurde alles gezeigt und nun geht’s in immer wiederkehrende Wiederholungen rasant in Richtung Langeweile? Nein! Genau diese Erwartungen mag man vielleicht als unvoreingenommener Kinobesucher anfangs haben, aber genau da erlebt man, weshalb ich diese Filmreihe so sehr schätze: Man trumpft mit Inhalten und gibt sich nicht mit billigen Wiederholungen zufrieden.

Es sind eben nicht die sonst bekannten Splatter-Erfahrungen, die abseits jedweder Vernunft und Größe den Geist dieser Horrorlandschaft ausfüllen, es sind wohl durchdachte, provokante und tiefgründige Gedankenexperimente, denen man Leben einhaucht und ihnen Bilder und Töne angedeihen lässt, damit sich der Zuschauer gänzlich darauf einlassen und die Folgen dessen genießen kann. Selten hab ich so viel Menschlichkeit in einem Film gesehen, dessen Aufgabe es ist, das Leben in jeder Form zu verachten und den niederträchtigsten Gelüsten Freiraum zu verschaffen!

So mag vielleicht der ein oder andere enttäuscht sein, weil die Werbung, .trailer und Poster andere Töne angezeigt haben, der Film selbst überrascht aber mit einer großartigen Portion Seligkeit und türmt dabei die professionellen Erwartungen an diese Filmreihe weiter nach oben auf: The First Purge zeigt Größe und beweist einmal mehr, dass Horror nicht gleich Stumpfsinn sein muss: So wird’s eben richtig gemacht!

 

.kinoticket-Empfehlung: Anders, als so manch einer vielleicht erwarten würde, aber dafür umso reichhaltiger und bewundernswerter: The First Purge opfert seine Liebe dieser ausgefallenen Idee und steht als Prequel ganz oben auf dem Treppchen der gelungenen Fortsetzungen.

Soundtrack, Kulisse, Dramaturgie und Tiefgang als auch Kostüme und Masken: Hier hat man richtig investiert und sorgt einmal mehr für offenes Staunen und Verwunderung, wenn auch aus völlig anderen Beweggründen als anfangs angenommen. Diesen Film darf man sich als wahrer Purge-Fan sowieso nicht entgehen lassen!

 

Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, es sei denn, man steht auf den Soundtrack ;-)

Kinostart: 5. Juli 2018

Insidious – The Last Key

Blumhouse, Blumhouse, was soll ich bloß mit euch machen …

Zum einen serviert ihr uns Titel wie die The Purge-Trilogy, die hoffentlich noch lange weitergehen wird, Filmperlen wie Happy Deathday, zeigt euch verantwortlich für Sinister und Nachfolger und kommt jetzt mit einem so vorhersehbaren Mist wie Insidious – The Last Key daher… Warum denn?

Freunde von mir bezeichnen den Titel als „den schlechtesten Horror, den ich je gesehen habe“ und ich kann ihnen nicht widersprechen, denn gegruselt hat mich in eurem neuesten Werk schlichtweg … gar nichts.

Was also war die Aufgabe? Gebt Lin Shaye wieder eine Bühne, auf der dieses einprägsame Gesicht eine neue, müde Story austüftelt, gespickt mit den immergleichen, abflauenden Horrorbausteinen, die einem nicht mal mehr ein simples Gähnen entlocken?

Ich lasse mich gerne schocken. Ich drehe mich im Kino ob der Surround-Effekte gerne mal um und schaue, ob nicht irgendwer aus dem Kino hinter mich getreten ist und mich erschrecken will. Meine Güte, ich bin extra in die 23:00 Uhr-Vorstellung, die gähnend leer war, um einen weiteren Sicherheitsbaustein fallen zu lassen und den „Du bist allein und niemand kann dir helfen, wenn die Geister plötzlich echt werden“-Spuk-Katalysator anzuwerfen … und bin dabei sanft, aber konsequent ins seichte Land der Träume abgedriftet – und zwar zu euren „Höhepunkten“. Und nicht, weil ich müde war.

Gezuckt, geschockt, Gänsehaut … nichts.

Und das von einem Titel, der ein so vielversprechendes Plakat aufweist und uns auf diese Weise so sehr schmackhaft gemacht wurde: Traurig!

Warum tut ihr so etwas? Euch fehlen doch längst nicht mehr die Mittel, um ein Genre, das angestaubter nicht sein könnte, mit neuen Innovationen zu renovieren und vom Ballast der Alltäglichkeit zu befreien. Ihr habt doch längst alle Connections, fähige Leute, Schauspieler und Technik in der Hinterhand, um dem Kino wieder etwas zu liefern, bei dem sich der Zuschauer bis aufs Mark und Bein fürchtet und am Ende froh ist, den Saal wieder verlassen zu dürfen und noch zu leben.

Wieso langweilt ihr uns dann mit derartigem? Langeweile? Trist? Freudlosigkeit und Erwartbarem?

Die Offensive, den „Schauereffekt“ einfach ein paar Sekunden mehr in die Länge zu ziehen, ist kein Allheilmittel, um immer besseren Horror zu kredenzen. Und spätestens 2018 hat jeder längst kapiert, dass einsetzende Violinen in schrägen Tönen Unheilvolles ankündigen – und wisst ihr was? Es funktioniert nicht mehr. Nicht bei mir.

Dazu die üblichen Holzblöcke aus altbekannten Horrorfilmen im Zeitalter der Aufgeklärtheit, die sich der Lächerlichkeit preisgeben statt den Zuschauer das Fürchten zu lehren ist für ein Label wie eures doch keine Trophäe, auf die ihr ernsthaft stolz seid, oder irre ich mich?

 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich war die Enttäuschung auf keiner Ebene zu überbieten – viel zu ruhig, zu vorhersehbar, zu gewöhnlich und langweilig, um noch auf irgendeine Weise zu begeistern.

Schade, denn hier steckt so viel Schaffenskraft dahinter, die augenscheinlich völlig verpufft ist, bevor man sich diesem Titel zugewandt hat. Warum?

 

Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, der Soundtrack wird hier auch nicht besser.

Kinostart: 4. Januar 2018

Get Out

Mich würde ernsthaft mal interessieren, was die Regisseure solcher Filme für Zielpublikum wünschen und wie sie selbst ihre Filme einordnen, denn ich weiß immer nicht so recht, welches Genrelabel ich derartigen Publikationen verpassen soll. Horror? Suspense? Gruselschocker? Die Vorankündigung einer seelischen Zerstörung, die niemals folgen wird?

Die Idee, aus dem hausgemachten „Schrecken der Nation“ jetzt tatsächlich einen Film zu machen, der eben jenes Thema als Element in die Welt des Grauens einspeist und daraus verwertbaren Kinostoff produziert, verlangt mir schon einige huldigende Verneigungen ab, denn diese Idee ist einfach genial. Chapeu an Blumhouse, denen ich sonst gegenüber aufgrund ihrer Weichgespültheit im Horror-Genre ja nicht so positiv aufgeschlossen bin. Warum?

Normalerweise bauen die ihre Filme nach dem Gruselbaukastensystem: Der anfangs gequält eingeführte Charakter, teils lieblos dargestellt und mit Krawall auf Sympathisch gebügelt, damit der Zuschauer sich damit identifizieren kann, der klassische Twist – meist durch irgendeine Autofahrt irgendwo hin, wo sich am Ende alles als böse rausstellt – der „Merkwürdige Charakter“ am Ende dieser Reise, der sich im Verlauf entweder als gut oder böse darstellt, die „Alte Frau“ – ist es euch schonmal aufgefallen? In fast allen Horrorfilmen spielt immer eine merkwürdige alte Frau mit… – und ein Reigen an Merkwürdigkeiten, der den Film dann auf hohes oder niedriges Niveau boxt und ihm damit seine Sprosse auf der Leiter der Beliebtheit zuspricht.

Dieses System spiegelt sich in den allermeisten als „wahnsinnig gruselig“ ausgeschriebenen Horrorstreifen wieder und entlockt mir nur ein sanftes Gähnen und fördert schon mal überhaupt keine Gänsehaut, sondern allenfalls ein entzückendes Jucken.

Der Trailer von Get Out lockt mit genau den Versprechen, wieder einer der Horrorfilme zu sein, die sich an obigem Schema bedienen und liefert schlussendlich etwas völlig anderes. Ein paar Gäste, die ich aus der Sneak spazierend dazu befragte, waren auch eher der Meinung, dass hier viel mehr von einem Thriller die Rede sein müsste, der wahnsinnig guten Spannungsaufbau betreibe und den Zuschauer durchweg positiv unterhält.

Die Idee konsequent umzusetzen und irgendwie in die Maschinerie einzuflechten ist den Machern auch soweit gelungen, mit dem Ergebnis, dass es eben doch wieder diese Maschinerie ist und kein wirklich verblüffender neuer Overall, den man diesem Genre gerne mal anziehen dürfte – sofern man meint, hier jetzt wirklich in einem Horrorstreifen zu sitzen.

Bewertet man dies unter dem Aspekt, dass der Trailer falsch lag und man den Film eher mit Jussi Adler-Olsen inklusive einer guten Portion Witz vergleichen sollte, nähert man sich schon viel mehr dem Aspekt des guten Films und erhält tatsächlich unglaublich gut gemachte Unterhaltung. Selbst die deutsche Synchronisation ist mal einigermaßen gelungen und stört nicht so, wie ich es bei Sieben Minuten nach Mitternacht erwarte.

Meine beiden Interview-Männer waren sich einig darüber, dass man Get Out am besten im Heimkino als Auftakt für einen tollen Horrorabend hernimmt, nach dem die Show dann erst richtig los geht – sozusagen der „Vorglühfilm“ – denn im Kino hätten sie ihn sich nicht freiwillig angeschaut, seien jetzt aber auch nicht enttäuscht gewesen.

 

.kinoticket-Empfehlung: Insofern man die Muße und Zeit hat, sich das Werk zwei mal zu besehen, erklärt sich nach gefundener Auflösung sogar sehr schlüssig und relativ fehlerfrei das abstruse Verhalten der Darsteller im vorderen Teil des Films.

Diese Erkenntnis hat sich mir nach der 2. Vorstellung deutlich im Hirn eingebrannt und den Film schlussendlich in viel positiveres Licht gerückt, als einst, wo ich eigentlich nur enttäuscht davon war, dass man nicht die Horrorversprechen eingelöst hat, die man im Trailer großzügig verteilte.

 

Nachspann
bleibt folgenlos, der überhastete Ausbruch in das Reich des Sonnenscheins ist also gewährt.

Split

M. Night Shyamalan ist und bleibt Streitpunkt, was die Hingezogenheit zu seinen Darbietungen regisseurhafter Art angeht. Wir alle haben irgendwo sein Debüt geliebt und er wurde von Hollywood danach auch hoch gehandelt, feierte jedoch einen Absturz nach dem anderen und erfreute sich großartiger Verrisse über seine Filmkünste.

Wikipedia lässt mich glauben, er habe sein Comeback mit dem letztjährig erschienenen The Visit gemacht, den ich persönlich aber alles andere als gut fand und der mich eher wissen ließ, dass ich Mr. Shyamalan trotz meiner anfänglichen Liebe nun vollends abschreiben kann und mit Split führt er diesen Weg konsequent fort. Nur, dass diesmal ein Schauspieler mit von der Party ist, den die meisten aus der X-Men-Saga kennen und der sich dort auch schon reger Beliebtheit erfreute.

James McAvoy, seines Zeichens Hauptdarsteller in Wanted, ist mir seit diesem Film auch ans Herz gewachsen, was die Bewertung dieser Sneak nicht unbedingt einfacher machte.

Der Film ist schlecht. Grottenschlecht. Der Plot besteht quasi aus einer Aneinanderreihung von Logiklücken, Filmfehlern, irrationalen Dummheiten, schlechten Schauspielern und: James McAvoy. Letzterer driftet hier mit Hochgeschwindigkeit auf seine Paraderolle zu und beweist einmal mehr die Wandlungsfähigkeit, derer er in seinem Beruf tatsächlich Herr geworden zu sein scheint und liefert ein beispielloses Vergnügen auf der Leinwand, dass scheinbar auch die Massen begeistert.

Jeden, den ich frage, nennt ihn als Grund dafür, dass der Film positiv bewertet wird, was ich anhand der ansonsten für Aufschrei sorgenden Spinnereien, die bei jedem anderen Film als Grund für den totalen Verriss hergenommen werden würden, absolut nicht verstehe.

Was mich daran am meisten gestört hat, war, dass der Film sich quasi von Anfang an permanent selbst spoilert. Die Auflösung kommt viel zu früh, man erfährt durch Andeutungen und direkte Besprechungen, was in der nächsten halben Stunde passieren wird und zeigt das dann einfach der Reihe nach ohne Abweichungen oder sonstige überraschende Wendungen. Der Umgang mit den Charakteren ist auch nicht wohldurchdacht, sondern eher stümperhaft umgesetzt, da die große Pointe sich auch bereits in der zweiten Minute des Films erschließt und somit der Spannung direkt zu Beginn der Kampf angesagt wird.

Aber die Zuschauer werten positiv. Würde ich das Beispiel mal auf Titanic anwenden, käme am Anfang eine Texttafel, auf der stünde:

Die Titanic ist ein großes Kreuzfahrtschiff, dass bei ihrer Jungfernfahrt einen Eisberg rammt, in zwei Hälften bricht und anschließend vollends untergeht. Ein junger Mann aus der unteren Klasse lernt auf ihr ein Mädchen der Upper-Class kennen, verliebt sich in sie und stirbt am Schluss bei dem Versuch, sie zu retten.

Dies ist ihre Geschichte.

Hand aufs Herz: Wieviel Spaß würde der Film dann noch machen? Wenn dann alle 10 Minuten irgend ein Schiffsmitarbeiter sagt: „Hey, ich habe gehört, der Kapitän ordnet gleich an, dass die Titanic auf volle Kraft gefahren wird“ – und man anschließend den Kapitän sieht, der anordnet, dass auf volle Kraft gegangen wird.

Genau so praktiziert man es bei Split und gibt dazwischen noch genügend Hinweise auf die Auflösung und das Ende, damit es quasi auch der letzte Depp garantiert kapiert.

Und so etwas finde ich nicht gut. Auch nicht sehr gut, sondern erbärmlich schlecht. Damit möchte ich James McAvoy’s darstellerische Leistungen auch nicht schlecht reden oder klein machen, ihm sei der Erfolg durch diesen Film auch mega vergönnt. Besser wird der Streifen in meinen Augen damit aber trotzdem nicht.

 

.kinoticket-Empfehlung: Die auf dem Plakat angespoilerten 23 Persönlichkeiten werden von James McAvoy hervorragend umgesetzt und meisterhaft dargestellt.

Der Rest des Films ist ein einziges Desaster, wenn man von so kleinen Gimmicks wie im Nachspann mal absieht. Da ich hier nicht spoilern möchte, kann ich schlecht über die kompletten Dummheiten offen reden (vielleicht in den Kommentaren), jedoch war ich von der Gesamtleistung des Films einfach nur enttäuscht.

 

Nachspann
enthält keine weiteren Szenen oder Überraschungen. Rausgehen erlaubt.

The Purge: Election Year

Nach The Purge – Die Säuberung und The Purge: Anarchy schickt Regisseur James DeMonaco uns in die dritte Runde des Tötungsspektakels und lässt bei Kinokennern so manches Grausen aufsteigen: Dritte Teile sind in der Regel nämlich niemals gut, sondern bezeugen eher den Tiefpunkt einer womöglich längeren Filmserie.

Und in diesem Fall hoffe ich, dass sie niemals aufhört.

Schon die ersten beiden Teile waren endlich mal nicht in die Masse des Mainstreams gefallen und darin erstickt, sondern erfrischten mit einer neuen Idee und glanzvoll inszenierten Form perverser Unterhaltung, die nicht nur „krass“ ist, sondern gleichzeitig auch wertvolle Fragen im Umgang miteinander aufwarf, denen man sich – sofern gewünscht – hinterher unterwerfen durfte.

Genau das macht diese Filmreihe für mich so wertvoll: Der geneigte Fan kommt visuell definitiv auf seine Kosten und gleichzeitig braucht man das Hirn nicht am Einlass abgeben, sondern darf genüsslich darüber philosophieren, welche gesellschaftlichen Auswirkungen eine solche Machtherrschaft hätte, mit der man in dieser Trilogie rumspielt.

Schon beim Lesen merkt man, dass hier extrem viel Potenzial dafür da ist, diesen Film so richtig zu verkacken, weil nämlich irgendwann alles ausgelutscht und erzählt ist und man einfach nur noch wiederholt, wiederholt, wiederholt um nochmal Kasse zu machen. Und dieses Gefühl kommt bei The Purge: Election Year mal so überhaupt nicht auf – im Gegenteil: Es wimmelt nur so vor genialen Einfällen und Umsetzungen, die immer wieder derart Atmosphäre in den Äther schmeißen, dass einem schon per Definition die Gänsehaut über den Rücken schwappt.

Ja, der Film hat hin und wieder ein paar Längen, in denen nicht wirklich etwas passiert und man halt einfach mal so da ist, aber für einen Jason Blum eine herausragende Leistung und dass Größen wie Michael Bay noch ihre Finger mit im Spiel haben, zeugt von noch mehr talentiertem Können, wenn es darum geht, hier mal etwas außer der Reihe zu wagen.

Und grade dann, wenn die Stimmung evtl. abzukippen droht, reißt der Soundtrack (holt euch diesen Soundtrack Leute!) die Zuschauer wieder von den Stühlen und die gezeigten Bilder tun ihr übriges, um tierisch zu verblüffen und in erschrockenes Staunen zu versetzen.

Doch nicht nur die gezeigte Brutalität und perverse Freude an etwas völlig Irrsinnigem, sondern auch die konsequente Weiterentwicklung innerhalb dieses Experiments haben bei mir tiefste Bewunderung ausgelöst. So elegant und vorzeigbar war wirklich kein einziger dritter Teil, den ich jemals gesehen habe.

Und ich verfluche mich schon jetzt, dass die Zeit nicht dafür ausreichen wird, um sich diesen Film wieder und wieder anzuschauen … zumindest nicht im Kino. Denn ins heimische Kino kommt der mal auf jeden Fall – soviel steht fest.

 

.kinoticket-Empfehlung: Lasst euch vom Trailer nicht abschrecken, der teilweise mongoloide Züge aufweist und vermuten lässt, dass es sich hier um einen riesigen Haufen Mist handelt, sondern vertraut einem erfahrenen Kinogänger und geht rein.

Ihr werdet nicht enttäuscht werden, denn hinter all den wirren Bildern aus dem Trailer steckt ganz viel Sinn, Durchdachtheit und überraschend viele positive Eindrücke, mit denen man wieder aus der Vorstellung wankt.

Sofern es mir vergönnt ist, werde ich mir diesen Titel definitiv nochmal anschauen.

 

Nachspann
braucht man nicht abwarten, da kommt nichts mehr.

Paranormal Activity: Ghost Dimension (3D)

Es war mir – nicht zuletzt wegen der Aggressivität der Werbung – schon von vornherein klar, dass hier keine bahnbrechenden neuen Innovationen auf der Leinwand serviert werden, wenn man den finalen Todesstoß einer bislang 5teiligen Horror-Serie etablieren will.

Schon die Tatsache, dass die Trailer bereits in Kindervorstellungen (!) um 14:00 Uhr gezeigt wurden, sagte eigentlich alles über zu erwartende Momente aus, die einem im 6. und letzten Teil dieser Reihe begegnen würden.

Tja, was soll ich sagen: Es ist, wie befürchtet – eher noch ein kleines bisschen schlechter. Ging dir im ersten Teil noch richtig die Wumme, als hier und da mal ein zwei Ideen präsentiert wurden, zieht sich der letzte Teil eher lahmarschig vorwärts und bietet außer ein paar knalligen Soundeffekts nichts wirklich bewegendes.

Weihnachten, Geister, irgendwelche Dimensionen (wie der Titel unlängst vermuten ließ) und eine Story, die … nicht startet.

Ja, die Idee ist sensationell und hätte so richtig schön verarbeitet zu einem Horrorerfolg werden können. Was Blumhouse hier aber liefert, ist wohl eher nur Neugierbefriedigung, weil jeder wissen will, wie es endet – und das sang und klanglos ohne jedwede Begeisterung.

Ist das die neue Form von Kino? Man wirft einen Erfolg auf den Tisch, produziert daraus Filmreihen, die sich jeder nur noch anschaut, um zu wissen, dass es tatsächlich so schlecht ist, wie die Kritiker sagen? Ich hoffe nicht.

Spannend: Im Kino wird extra darauf hingewiesen, dass die 3D-Effekte stilistisch gebraucht wurden und daher erst nach 15 Minuten einsetzen. Armutszeugnis?

 

.kinoticket-Empfehlung: Fakt ist: Paranormal Activity: Ghost Dimension kann man sich getrost schenken, insofern man gänsehautproduzierende Horrorfilme mag.

Schade eigentlich, denn die Trailer-Idee ist wirklich reizend und hätte so genial zu großartiger Unterhaltung mit Gänsehautfaktor umgewandelt werden können.

So bleibt ein Streifen, nach dessen Ende man sich kopfleer anschaut und fragt, was das jetzt eben war .. und wieso. Antworten darauf bleiben die Macher uns wohl auf ewig schuldig.

 

Nachspann
… gibt es keinen, rennt euch aber nicht über den Haufen, wenn ihr aus dem Kino stürmt.

Sinister 2

Was kommt dabei raus, wenn man das Genre „Horror“ mit „FSK 16“ und „mainstreamtaugliches Kino“ mischt? Richtig: Meistens nichts gutes.

Warum mir der Film trotzdem gefallen hat?

Die Charaktere nehmen sich selbst ernst.
Wie oft begegnet man der manifestierten Dummheit, wenn man die Charakterausbildung in diversen Horrorfilmen ein wenig näher betrachtet. Hier macht man da ein klein wenig den Unterschied und setzt weniger auf ironisch-komische Einlagen, sondern vielmehr auf Ernsthaftigkeit und damit auch ein Stück weit Glaubwürdigkeit. Zwar beißt sich dies mit der Insgesamt-Aussage des Films zeitweise ein bisschen, jedoch gehen die Schauspieler in ihren Rollen authentisch auf und überzeugen so mit ihrem Tun.

Der Gruselfaktor stimmt.
Nichts ist schlimmer, als ein Horrorfilm, bei dem man ausschließlich lachen muss oder sich gar langweilt. Wenn die Tiefe der menschlichen Ängste nicht mal ansatzweise angekratzt wird, sondern nur oberflächlich peinlich versucht wird, durch altbekannte Tricks ein klein bisschen Panik zu schüren. Hier wurden jedoch Szenen eingebaut, die bei mir tatsächlich Gänsehaut auf dem Rücken spazieren schickten. Nicht viele, aber immerhin genug, um als Horrorfilm respektiert zu werden. Das Ungreifbare ist stets präsent, wenn klar ist, dass wieder ein wenig mehr ins Dunkel des Unwissens hervorgedrungen werden soll – und Psychoschocks sind sowieso wesentlich wirksamer als jedes noch so liebevoll angerichtete Blutbad im Bilderwald.

Die übliche Schlächterzählung fehlt.
Das systematische Abschlachten der anfangs lieblos eingeführten, oberflächlichen Darsteller fehlt hier gänzlich. Im Gegenteil: Es ist faszinierend, mit welcher Hingabe man sich hier an die Familie annähert und mit ihnen gemeinsam etwas erlebt, von dem anfangs gar nichts klar ist. Auch wenn der Clou der Geschichte eher fragwürdig und teils verstörend bis hin zu lächerlich ist, so hat der Weg in den finalen Abgrund durchaus seine Reize. Man springt zwar auf den Zug der bekannten Horrorfilm-Mache auf, reist aber nicht im Inneren des Waggons mit, sondern ist allenfalls S-Bahn-Surfer des Ganzen.

Der Soundtrack ist eigenwürdig genug, um hervorzustechen.
Es ist selten, dass man einen musikalisch so tief in die Verzerrtheit führen kann, dass selbst Disharmonien in sich vollkommen klingen und auf ihre perfide Art schon wieder eine völlig neue Harmonie ausmachen. Musikalisch betrachtet durchaus ein sehenswertes Stück, das irgendwie funktioniert und auch hier ein klein wenig aus der Masse ausbricht.

 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht wirklich was für hartgesottene Fans von gruselnder Unterhaltung mit Sinn und Verstand, durch die Bodenständigkeit und andeutungsweise Andersartigkeit aber dennoch ein sehenswertes Stück, das in verschiedenen Punkten durchaus zu überzeugen weiß.

Die große Überraschung bleibt genauso aus, wie die totale Enttäuschung. Antipathien zu dem Film wurden bei mir keine geweckt und davor warnen würde ich auch zu keinem Zeitpunkt. Wer mal etwas anderes sehen will, darf hier getrost zuschlagen.

 

Nachspann
spart euch das Warten, hier kommt nichts weiter.

The Visit

M. Night Shyamalan ist für die meisten ein zu heißes Eisen, wenn es um gute Unterhaltung im Kino geht. Schon beim Aufblitzen seines Namens auf der Leinwand flüchteten einige der Zuschauer aus dem ansonsten proppenvollen Sneak-Saal hastig nach draußen.

Zu recht, wenn man sich den Film wirklich in voller Länge anschauen und artig bis zum Ende durchhalten will. Denn das entpuppt sich zumindest in den ersten zwei Dritteln des Streifens durchaus zur Zerreißprobe. An charmanter, umgarnender Charakterstärke mangelt es hier, wo immer man hin blickt. Weder die Hauptprotagonisten, noch die Neben- und Fun-Darsteller weckten in mir auch nur den geringsten Anflug von Sympathie und somit ist es verdammt schwierig, eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen, die dann auch noch als „Horror“ verkauft werden soll.

Für mich war es eher eine versucht komödiantische Witzvorstellung, die voll von schlechten Witzen ist, die aber irgendwie doch funktionieren.

Zumindest im letzten Drittel kommen dann schon ein paar ganz gute Konter aus den Schnäbeln der Langweiler, die uns mit ihrer sonst öden Story irgendwo unterhalten wollen.

Ein einziger großer Moment ist in dem Film, an dem wirklich die Gänsehaut den Rücken runterläuft, der Rest ist zu langatmig, zu vorhersehbar, zu altbacken. Blumhouse Productions ist bekannt für diese Art von Horror, der die Massen anspricht und damit kommerziell definitiv funktioniert. Für den einstigen Filmliebhaber und Unterhaltungssüchtigen, der sich gern auch mal in die Nischen zurückzieht, jedoch nicht unbedingt die empfehlenswerteste Kost.

Meine Empfehlung: Mit dem unnormal wirkenden, ausartenden Schluss anfangen und darauf basierend dann ein Gagfeuerwerk starten, das mit weiteren Horrorelementen und ein bisschen von der Durchgeknalltheit des Kleinen aus Der Babadook gesegnet wird, dann kann man diesen Film auch uneingeschränkt weiterempfehlen.

 

.kinoticket-Empfehlung: Ja, Shyamalan kehrt zurück zu seinem einstigen The Sixth Sense-Trip, erreicht jedoch nicht die Hochblüte der Kultur, sondern drippelt leise vor sich hin.

Die lustigen Einlagen funktionieren erst zum Ende des Films, wenn wirklich alles langsam abdreht, die ersten zwei Drittel sind mühsam und qualvoll in die Länge gezogen. Den einzigen, wirklich schockierenden Moment gibt es demnächst sicher irgendwo als Raubkopie zu sehen, den Rest kann man sich im Kino zumindest schenken. Das erste Mal, dass ich eine Sneak tatsächlich mit „schlecht“ bewertet habe.

 

Nachspann
Hier flackern nochmal ein paar Bilder auf, die wunderschön und mystisch sind, weitere Szenen oder ein „Nachbrenner“ fehlen aber.