Operation: Overlord


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Neuerdings hat man die Macke, in diverse .trailer bereits von Beginn an den Filmnamen als Wasserzeichen einzublenden. Der Zuschauer hockt im Kino, sieht irgendwas komisches, was er nicht kennt und denkt sich dann einfach seinen Teil:

Wieso blenden die sofort den Filmtitel ein? Damit entfleucht die ganze Spannung, welcher geile Titel uns da gerade vorgestellt wird. Haben die etwa Angst, dass man ihre Bilder klaut und anderweitig verwendet? Aus einem fucking .trailer? Ist der Film so schlecht, dass man jetzt explizit jeden einzelnen Bildframe beisammen halten will, so dass findige Nutzer nicht etwa Screenshots aus dem .trailer exkludieren und anderweitig verwenden, so dass auf wirklich jedem einzelnen Bild der Name des Films mit drauf ist? Unverwechselbar dank Wasserzeichen quasi? Für Kinokenner ehrlich gesagt eher ein Armutszeugnis als eine Bereicherung.

Was zur Hölle soll das?

Eben diese Geschichte hat mir die Vorfreude auf diesen Film ziemlich vermiest. Und dementsprechend niedrig waren meine Erwartungen, die bei „Horror im Kino“ ja sowieso schon unterirdisch sind. Bei all dem, was die ganzen letzten Jahre abgeliefert wurde, was soll da schon kommen?

Projekt: Overlord!

Und meine Augen sehen ungefähr so aus: O_O

Wie krass ist das bitte? J.J. Abrams ist dank Star Trek und … Wars jetzt auch nicht zwingend als der beste Horror-Produzent bekannt, sondern eher in der Super 8-Kids-Frightening-Schiene zu verankern, also waren auch da keine großartigen Erwartungen da … und vielleicht ist das das beste, was ihr tun könnt? Einfach ohne Erwartungen da rein gehen?

Was man kriegt, ist nämlich so alles andere als übel, dass ich diesen Film jetzt schon als Emporkömmling der Horror-Szene feiere und ihm Bestnoten attestiere. Horror ist ja eh immer so ein belächeltes Nischenprodukt, dass die Masse frenetisch ignoriert und auch die Szene-Freunde nur im Home-Entertainment-Kino ansprach, wenn überhaupt. Was man hier bekommt ist aber kein Horror. Nicht, was man ursprünglich erwartet.

Es ist besser.

Viel besser!

Sucht euch Atmos®-Säle! Sucht euch große Leinwände. Ordert beim Kinopersonal, den Beat hochzuschrauben. Hockt euch in die Mitte. Schnallt euch an. Haltet euch an den Lehnen. Sperrt eure Augen auf. Putzt eure Ohren. Und dann lasst den Film starten!

Solch ein Momentum in einem „billigen Nazi-Abklatsch“ zu erleben, die Stimmung, die man dort erzeugt, die Bilder, mit denen man um sich wirft, sind alles andere als B-Movie!!!

Eingefleischte Gamer-Fans können erraten, worauf die Sache hinaus läuft, denn dieses Thema bringt auch in Overlord nichts überraschendes auf den Plot-Plan, die Umsetzung, der Sound (Jed Kurzel – ich liebe diesen Mann seit Assassin’s Creed!) ist grenzgenial und man hat am Ende nicht das Gefühl, hier nicht in einem Blockbuster gehockt zu haben. Irgendwie passt alles. Dieser Streifen kriecht aus seinem dunklen Szene-Loch hervor und macht Horror endlich mainstreamtauglich, ohne dabei zu enttäuschen.

Lange habe ich gewartet, dass in dieser Subebene endlich solche anspruchsvollen Bilder geliefert werden, und die bringt man – von Anfang bis Ende!

Es ist zu geil, dass man all den verschimmelten Bockmist, den man uns hier seit Jahren präsentiert hat, nun so aufgeledert präsentiert und ich feiere es, dass der Titel nun endlich regulär auf den Leinwänden ist und ich erneut die Vorstellungen stürmen kann.

Und genau das solltet ihr auch tun!

 

.kinoticket-Empfehlung: Revolutionär in seinem Genre: Operation: Overlord räumt mit dem Nischendasein des B-Movie-Horrorfilms auf und torpediert sich mit unfassbaren visuellen Momenten an die Spitze des Mainstream-Kinos.

Hier steckt Kohle, Können und starke Produktion dahinter, das merkt man dem Film zu jedem Zeitpunkt an. Wer sich vom .trailer abschrecken hat lassen, sollte sich vom Film wieder zurückerobern lassen, denn der trägt düstre Früchte in sich, die sich in meinem Kreislauf seither genüsslich ausbreiten. Endlich lohnt sich Horror im Kino mal wieder!

 

Nachspann
❌ trumpft nicht mit weiteren Szenen auf, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 8. November 2018

Original Title: Overlord
Length: 110 Min.
Rate: FSK 16

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It Comes at Night

Heute möchte ich euch eine Perle des aktuellen Kinos vorstellen: It Comes at Night.

Leute: Ich bin sprachlos! Der .trailer lässt Hoffnung auf einen mittelmäßigen Horrorstreifen aufkommen und in meiner Sehnsucht nach gutem Material zieht es mich natürlich in die Lichtspielhäuser.

Ticket gekauft, Popcorn im Schoß und los die Show!

Und was da kommt, ist so viel besser als das, was man erwartet – ich habe lange nicht mehr so einen grandiosen, unbeschreiblich guten und bewundernswerten Streifen gesehen wie diesen hier!

Mein bester Freund steht überhaupt nicht auf Schockmomente und hasst es, wenn man Suspense-Stimmung aufbaut und ihn werde ich definitiv vor den Bildschirm fesseln und  dieses Teil zeigen! Natürlich hat man auch hier stimmungsmäßig ordentlich die Sau rausgelassen, aber eben nicht so, wie man vermutet! Mit so viel Liebe, Detailangst, Misstrauen und menschlicher Analyse hat man sich einer Situation zugewandt, die von Anfang bis Ende absolut spannend bleibt und einen mit einem übermäßigen und fast unerträglichen Brainfucked-Gefühl wieder aus dem Saal stößt. Mein Gedanke war eher, dass das extrem durchdachtes, extrem intelligentes Kammerspiel ist, in dem bedrohliche Elemente die Hauptrolle übernehmen, die keinerlei Anstalten machen, auch nur anflugweise an der Intelligenz des Zuschauers zu zweifeln.

Es hat lange gedauert, aber ich war tatsächlich wieder einmal sprachlos nach einem Film!

 

.kinoticket-Empfehlung: Von daher: Es wird zur Masteraufgabe, das Kino zu finden, in dem dieser Titel überhaupt (noch) gezeigt wird, aber der Kampf um diesen Platz ist mehr als lohnenswert, denn man darf endlich wieder mal in einen Plot abtauchen, in den sich der Regisseur selbst verliebt hat!

Großartig – beklemmend – fesselnd und absolut sehenswert!

 

Nachspann
folgt keiner mehr, der Saal kann freigegeben werden.

Kinostart: 18. Januar 2018

Jigsaw

Der nicht enden wollende Horror geht nun in die mittlerweile achte Runde und zieht einmal mehr Fans des Jigsaw-Killers in die Kinos, um mit ihnen gemeinsam die neusten Machenschaften dieser Filmära auszuschlachten.

Als ich den ersten Teil von SAW damals in die Finger kriegte, war ich absolut begeistert und habe mich selbst als den größten Fan dieses Films bezeichnet. Die Genialität, das tiefgründige Rachenehmen an Ungerechtigkeiten und der soziopathische Blick auf eine kaputte Gesellschaft, in der nicht einmal mehr die Kirche dazu in der Lage ist, Sünde wirklich zu verdammen und Gott irgendwie geistesabwesend zu sein scheint – und dann kommt jemand, der einfach mal aufräumt. Mit Verstand und Genialität behaftet – nichts habe ich so gefeiert, wie das Boshaftigkeitsfeuerende des ersten Teils.

Und dann?

Kapitalismusbombe!!!

Meine Sympathie zur Filmreihe schoss in den Keller in den ersten 3 Minuten des zweiten Teils. Aber ihr wisst: Ich gebe allem eine zweite Chance. Und eine Dritte. Lasse mich wieder und wieder enttäuschen, in der Hoffnung, dass man es schafft. Teil 4, 5, 6 … 3D-Gore … was wollte man uns dabei denn eigentlich geniales sagen? Außer: Wir haben einfach nur kranke Fantasien und lassen euch daran teilhaben?

Irgendwo spiegelt diese Filmreihe auch ein wenig das echte Leben wieder – insofern man den ganzen Fanhype a la Facebook-Social-Blabla so bezeichnen möchte: Jeder macht irgendwas, titelt das Logo seines Lieblingsmovies drauf und ist damit schon „genial“. Oder wie Katrin Bauerfeind einst wortgemäß in ihrer Trendkolumne sagte: „Die Jugend wird heute einfach nur fürs Dasein abgefeiert.“

Und genau dieses Gefühl bereitete in der Vergangenheit enorme Bauchschmerzen: Dass da einfach was mit SAW war, nur eben keine Intelligenz. Die Bauchschmerzen kamen eben nicht wegen raushängendem Gekröse, sondern wegen mangelnder Grandiosität, mit der uns der Urvater dieses unbetitelten neuen Genres seinerzeit beglückte.

Und nun lässt man uns wissen: Das Grauen hat noch kein Ende …

Es läuft JIGSAW in den Kinos … Und als Frage stellt man sich dabei eher: Was ist denn mit Grauen gemeint? Dass der Film so schlecht ist? Oder man jetzt endlich zu neuen Höhen gefunden hat und wieder mit Brillanz auftrumpft?

Die Wahrheit liegt nicht irgendwo da draußen, sondern eher irgendwo mittendrin. JIGSAW ist in der Tat besser als seine Vorgänger, vielleicht auch, weil man ein wenig zurück zu seinen Wurzeln und Anfängen gefunden hat und endlich nicht mehr billige Kinder an die Macht lässt, sondern wieder Vernunft und Ehre Einlass gewährt, obwohl es hier nur um Abschlachten und Tötungen geht.

Dennoch gibt es viel zu viele „Hä?“-Momente, die einem das Leben im Kino nicht unbedingt erleichtern, weil zeitgleich schon vorhersehbar ist, was gleich passieren wird – nur eben nicht, warum.

Und das hat laut Ausrufen einiger Zuschauer nicht nur mich heftig gestört.

Damit zündet man also nicht einfach „im neuen Zeitalter“ eine alte, einst funktionierende Bombe neu, sondern muss sich damit abfinden, einen Blindgänger-Silvester-Böller auf die Leinwand geworfen zu haben, der zwar brennt, aber bislang noch nicht wirklich explodiert ist. Dafür fehlt einfach noch viel zu viel vom Ursprung.

Positiver Sideeffect: Der „Halloween Blood Drive“ wurde dieses Jahr in den USA und Kanada wiederbelebt: Überall in den Staaten und seinem Nachbarland wurden mobile Blutspendemobile aufgestellt, in denen Menschen gegen ein .kinoticket des neuesten SAW-Films Blut spenden konnten. Damit wurden seit Beginn des Franchise bereits 57.000 Liter Blut gespendet, was umgerechnet 360.000 Leben retten konnte.

(Quelle: www.jigsawblooddrive.com) – dafür wieder meine Hochachtung!

 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich als Fan vorheriger Teile bezeichnet, wird hier eine erfrischende Belebung der alten Teile finden, die tatsächlich zu neuen Höhepunkten führt und ein wenig von der ursprünglichen Eleganz mitbringt.

Der Beigeschmack fehlender Grandiosität im Vergleich zum ersten Teil ist allerdings so heftig, dass es das Gesamtwerk dennoch merklich abstuft und somit kein vollwertiges Horrorvergnügen mehr darstellt. Schade eigentlich – denn dieses Franchise hätte durchaus wieder ein paar großartige Momente nötig, um weiter bestehen zu bleiben.

 

Nachspann
Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts mehr.

Kinostart: 26. Oktober 2017

Annabelle: Creation

Eigentlich hab ich es ja mit den ganzen Mainstreamhorrorfilmen nicht so. Und wenn man im Vorfeld dann schon so 360°-Videos auf YouTube ohne entsprechende Brille angeboten kriegt, kommt auch nicht wirklich Flair auf.

Die üblichen Verdächtigen halt, eigensinnige Dinge, unwirkliche Momente, die man so schon unzählige Male gesehen hat. Gähnende Langeweile und daher auch keinerlei Antrieb, unbedingt vor Kinostart reinzurennen um hier rechtzeitig posten zu können.

Großer Fehler.

Ja, The Boy war der letzte Film, der mich diesbezüglich richtig psychisch gestreift hat und trotz seiner absurden FSK-12-Freigabe fand ich den als einer der besten Breitband-Horrorfilme der letzten Jahre. Und das Thema wird auch von Annabelle: Creation wieder aufgegriffen.

Und dafür, dass das jetzt ein zweiter Teil ist und ich wieder mal meiner „Kuck von hinten nach vorne, damit die Teile immer besser werden“-Strategie gefolgt bin, muss ich sagen: Ich bin extrem überrascht von der Perfektion, mit der man hier als stiller Beobachter in den Strudel der Gänsehautperforation hineingesogen wird. Oder auf deutsch: Ich hab mich endlich wieder mal im Kino gruseln können.

Und ich glaube kaum, dass das an der 23-Uhr-Vorstellung gelegen hat oder daran, dass ich mit nur zwei weiteren allein im Saal war und der Rest des Kinos durch glorreiche Leere glänzte.

Die Vorhersehbarkeit nagt zwar auch hier an allen Ecken und Enden und wenn man in punkto Einfallsreichtum und neuartiger Brillanz frische Ideen sucht, stößt man weitestgehend auf Bekanntes, dennoch wurden die abgewetzten Filmbausteine endlich mal wieder gekonnt zusammengesetzt und dem Zuschauer eine Bild geboten, das durchaus zulässt, dass man sich wirklich gruselt.

Und darauf warte ich ja eigentlich schon seit Jahren. Ich für meinen Teil werde mir jetzt definitiv den ersten Teil auf der blauen Scheibe zulegen und mir zu Hause dann das Vergnügen gönnen, den Anfang der Geschichte zu besehen.

 

.kinoticket-Empfehlung: Endlich mal wieder Freude an Horror und Szenen, die einem wirklich das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Zwar ist etwas beängstigend, dass die Darsteller dafür immer jünger werden müssen, um den Erwachsenen doch noch Angst einzujagen, aber in diesem Fall ging die Rechnung voll auf und der Sehspaß ist auch für alteingesessene Horrorfilmliebhaber endlich wieder einmal von der brauchbaren Sorte.

Daher von mir eine klare Sichtungsempfehlung: Nutzt den großen Screen, solange ihr könnt.

 

Nachspann
Yes – bis zum Schluss sitzen bleiben, es hört nicht nach dem Abspann und der Nachszene auf, sondern geht bis ganz zum Schluss durch.

Kinostart: 24. August 2017

The Limehouse Golem

Hört man den Titel, denkt man als erstes wohl eher an einen Kinderfilm im Stile von Lemony Snicket. Sieht man das Plakat dazu, erinnert einen das schon viel eher an die legendäre Underworld-Saga (Bill Nighy, Farbgebung, Düsternis) und sitzt man schließlich endlich im Kino, bekommt man etwas völlig anderes, das zumindest mich richtig umgehauen hat.

Vom Kinderuniversum absolut keine Spur mehr, dafür umso tiefer in der Materie des bösen Erwachsenen. Die Art und Aufmachung des Films erinnert einen sehr stark an klassische Horror-Kunst, das Geschehen gleicht einer dunklen Synopsis aus der Hölle.

Und von einfältiger Ahnungslosigkeit des Zuschauers keine Spur: Die Macher gehen ran und fordern hier vom Publikum einiges an Aufmerksamkeit, Erkenntnisvermögen und Geisteskraft ab, um mit dem Schauspiel zurecht zu kommen. Und ja, der Gedanke ist nicht immer erster Güte, sondern verweilt zumeist in düsteren Gefilden, umtrieben von Vorahnungen, die so nicht stimmen oder Wendungen, die man selbst wohl erraten hätte, jedoch niemals in dieser Weise.

Dass es hier nicht – wie das Plakat verspricht – um mörderische Absichten oder Aufklärung geht, sondern vielmehr um Persönlichkeit, Tiefschichtigkeit, Verständnis und eine völlig andere Form von Rebellion, eröffnet sich vielleicht so manchem kaum. Jedoch sind unweigerliche Wesenszüge dieses theatralischen Anbändelns überall im Film erkennbar.

Und ich glaube, nicht viel vorweg zu nehmen, wenn ich offenbare, dass der Film mit einem Arschtritt entlässt und somit für mich zu den begehrenswerten Stücken einer Sammlung zählt, da hier die Pointen wieder mal in rätselhaftem Weiterdenken in den Köpfen der Kundschaft zu finden wären und nicht für Armselige auf der Leinwand vorgebetet.

 

.kinoticket-Empfehlung: Grandioses Meisterstück in bitter-düsterem Gewand, dass völlig andere Absichten erzielt und an die Gelehrtheit des Zuschauer appelliert.

Man ist zu keiner Minute unterfordert, wird mit Überraschungen und wahrhaft schöner Bildästhetik belohnt und bekommt einen Schluss, den ich mir öfters aus Hollywood wünsche.

Definitiv ein Meisterwerk, dass nur für Erwachsene und nicht – wie der Titel vermuten lässt – an Kinder gerichtet ist.

 

Nachspann
Entweder man geht und ist verärgert – oder man bleibt und grübelt weiter, in beiden Fällen kommt hier von der Leinwand keine weitere Inspiration mehr.

Kinostart: 31. August 2017

Get Out

Mich würde ernsthaft mal interessieren, was die Regisseure solcher Filme für Zielpublikum wünschen und wie sie selbst ihre Filme einordnen, denn ich weiß immer nicht so recht, welches Genrelabel ich derartigen Publikationen verpassen soll. Horror? Suspense? Gruselschocker? Die Vorankündigung einer seelischen Zerstörung, die niemals folgen wird?

Die Idee, aus dem hausgemachten „Schrecken der Nation“ jetzt tatsächlich einen Film zu machen, der eben jenes Thema als Element in die Welt des Grauens einspeist und daraus verwertbaren Kinostoff produziert, verlangt mir schon einige huldigende Verneigungen ab, denn diese Idee ist einfach genial. Chapeu an Blumhouse, denen ich sonst gegenüber aufgrund ihrer Weichgespültheit im Horror-Genre ja nicht so positiv aufgeschlossen bin. Warum?

Normalerweise bauen die ihre Filme nach dem Gruselbaukastensystem: Der anfangs gequält eingeführte Charakter, teils lieblos dargestellt und mit Krawall auf Sympathisch gebügelt, damit der Zuschauer sich damit identifizieren kann, der klassische Twist – meist durch irgendeine Autofahrt irgendwo hin, wo sich am Ende alles als böse rausstellt – der „Merkwürdige Charakter“ am Ende dieser Reise, der sich im Verlauf entweder als gut oder böse darstellt, die „Alte Frau“ – ist es euch schonmal aufgefallen? In fast allen Horrorfilmen spielt immer eine merkwürdige alte Frau mit… – und ein Reigen an Merkwürdigkeiten, der den Film dann auf hohes oder niedriges Niveau boxt und ihm damit seine Sprosse auf der Leiter der Beliebtheit zuspricht.

Dieses System spiegelt sich in den allermeisten als „wahnsinnig gruselig“ ausgeschriebenen Horrorstreifen wieder und entlockt mir nur ein sanftes Gähnen und fördert schon mal überhaupt keine Gänsehaut, sondern allenfalls ein entzückendes Jucken.

Der Trailer von Get Out lockt mit genau den Versprechen, wieder einer der Horrorfilme zu sein, die sich an obigem Schema bedienen und liefert schlussendlich etwas völlig anderes. Ein paar Gäste, die ich aus der Sneak spazierend dazu befragte, waren auch eher der Meinung, dass hier viel mehr von einem Thriller die Rede sein müsste, der wahnsinnig guten Spannungsaufbau betreibe und den Zuschauer durchweg positiv unterhält.

Die Idee konsequent umzusetzen und irgendwie in die Maschinerie einzuflechten ist den Machern auch soweit gelungen, mit dem Ergebnis, dass es eben doch wieder diese Maschinerie ist und kein wirklich verblüffender neuer Overall, den man diesem Genre gerne mal anziehen dürfte – sofern man meint, hier jetzt wirklich in einem Horrorstreifen zu sitzen.

Bewertet man dies unter dem Aspekt, dass der Trailer falsch lag und man den Film eher mit Jussi Adler-Olsen inklusive einer guten Portion Witz vergleichen sollte, nähert man sich schon viel mehr dem Aspekt des guten Films und erhält tatsächlich unglaublich gut gemachte Unterhaltung. Selbst die deutsche Synchronisation ist mal einigermaßen gelungen und stört nicht so, wie ich es bei Sieben Minuten nach Mitternacht erwarte.

Meine beiden Interview-Männer waren sich einig darüber, dass man Get Out am besten im Heimkino als Auftakt für einen tollen Horrorabend hernimmt, nach dem die Show dann erst richtig los geht – sozusagen der „Vorglühfilm“ – denn im Kino hätten sie ihn sich nicht freiwillig angeschaut, seien jetzt aber auch nicht enttäuscht gewesen.

 

.kinoticket-Empfehlung: Insofern man die Muße und Zeit hat, sich das Werk zwei mal zu besehen, erklärt sich nach gefundener Auflösung sogar sehr schlüssig und relativ fehlerfrei das abstruse Verhalten der Darsteller im vorderen Teil des Films.

Diese Erkenntnis hat sich mir nach der 2. Vorstellung deutlich im Hirn eingebrannt und den Film schlussendlich in viel positiveres Licht gerückt, als einst, wo ich eigentlich nur enttäuscht davon war, dass man nicht die Horrorversprechen eingelöst hat, die man im Trailer großzügig verteilte.

 

Nachspann
bleibt folgenlos, der überhastete Ausbruch in das Reich des Sonnenscheins ist also gewährt.

The Girl with all the Gifts

Ich hab Angst. Der Film ist gerade erst ins Kino gekommen und dümpelt bereits von Anfang an in den 23 Uhr Vorstellungen rum, die erfahrungsgemäß sowieso keiner großartig besucht.

Ich verstehe, weshalb man als Kinobetreiber darum ersucht, solche Filme in eben jene Zeitschienen zu schieben, weil sie aufgrund ihrer Inhalte schlichtweg früher fehlplatziert wären.

Ich erkenne das Dilemma, hier auf Jugendschutz zu achten und gleichzeitig das Kunststück fertig zu bringen, etwas derartiges überhaupt zu screenen.

The Girl with all the Gifts verschlägt mir gerade derartig die Sprache, dass ich nicht weiß, was ich überhaupt dazu sagen sollte, außer sprachlos mit dem Maul zu klappern und in richtung Kino zu brüllen.

Leute – das ist mit Abstand der BESTE Horrorfilm, den ich in diesem ganzen Kinojahr (beginnend mit dem April letzten Jahres) überhaupt je gesehen habe.

Wie sehr bin ich ständig auf der Suche nach all den Elementen, die man hier nicht nur feierlich miteinander vereint, sondern auf so extrem brachiale Weise gebracht hat, dass es mir nach der Vorstellung immer noch in Mark und Bein übergeht.

Wo soll ich anfangen? Und wie?

Der Film reißt. Er reißt dich so gewaltig in einen Strom von (An)Spannung, die die ganze Spielzeit über kaum abreißt. Meine Arme schmerzen immer noch.

Informationen gibt’s keine. Es passiert einfach und du sitzt die ganze Zeit davor und denkst dir: „What the Fuck?“ während mit unerbärmlicher Grausamkeit und orkanartiger Stärke vernichtende Bilderstürme über dich hereinbrechen, die nicht nur mit absolutem Unverständnis, sondern einer derartigen Endgültigkeit über die gnädigen Wünsche urteilen und dich vor absolut vollendete Tatsachen stellen, die du nicht nur nicht wahrhaben willst, sondern deren Realität du wohl kaum begreifen wirst – auch nicht, wenn es denn irgendwann mal klar wird.

Warum?

Warum?

Mir fehlen einfach die Worte. Kein Gefasel. Keine Befriedigung. Keine Abfertigung irgendwelcher Massen. Kein Kommerz. Kein Gebashe. Keine Vergleiche. Kein Genörgel. Absolut keine Kompromisse.

Der Plot stellt sich jeglichen Anforderungen einfach mit seiner totalen Wahrhaftigkeit in den Weg und rumpelt alles platt, was es schon mal gegeben hat.

Die Show zieht. Und zwar sowas von. Atempausen gibt es keine. Höchstens ein paar Inseln, die sehr schnell offenbaren, dass Ausruhen als Tätigkeit nicht akzeptiert wird.

Dazu der Soundtrack. Dazu die Optik … mir kommen vor Freude und Ergriffenheit fast schon die Tränen! Es ist mit Abstand – mit Abstand der beste Horrorfilm dieser Art, der hier so klare Grenzen gegenüber allem anderen zieht und mit Dingen beeindruckt, die sonst keiner vorweisen kann. Allein schon, dass wirklich an alles gedacht wurde und die Intelligenz des Zuschauers in keiner einzigen Sekunde beleidigt wird … Meine tiefste Ehrfurcht und Verneigung vor den Machern dieser Story!

Wer jemals wissen wollte, wie ein Film aussieht, der zu absolut 100% meinen Geschmack trifft: Hier ist er. The Girl with all the Gifts.

Und wisst ihr, was der größte Scheiß daran ist?

Das Teil sprießt so dermaßen aus einer Nische heraus, dass man tausende von Kilometern zurücklegen muss, um überhaupt ein Kino zu finden, das ihn zu einer nicht existenten Tageszeit auf den Screen wirft. Und was glaubt ihr, wie lange wird sich diese Konstellation in unserer geldgierigen Weltwirtschaft wohl auf den Bildschirmen halten können?

Und genau davor habe ich Angst. Bittere Angst. Denn anschauen will ich mir das Teil nicht nur noch 10 oder 20 mal …

 

.kinoticket-Empfehlung: Ihr wollt einen Referenzfilm, der meinen Geschmack zu 100% trifft und völlig kompromissfrei meinen zutiefst sehnlichen Filmgeschmack repräsentiert?

Hier ist er.

Anschauen! Wenn ihr alt genug seid und genügend davon ertragt.

Und das bittere ist: Ich wünsche mir nicht nur die Filmwelt unter diesen Umständen, sondern hätte auch nichts dagegen, wenn es auf unserer Welt so zugehen würde, denn das würde bedeuten: Es gibt doch Gerechtigkeit und all unsere Sünden wären damit vergeben.

Mir hat’s die Sprache verschlagen – und ich wette, jedem von euch wird das auch so gehen, sofern ihr auf dieses Genre steht.

Ein grandioser Meilenstein perfekten Kinos. Rein!

 

Nachspann
Ruhig noch sitzen bleiben, es kommt zwar nichts mehr, aber der Sound dreht hier nochmal richtig auf.

Underworld: Blood Wars (3D)

Schwelgen wir doch mal ein wenig in alten Zeiten. Damals. Als Vampire und Werwölfe sich noch zeitgemäß stritten und viel Blut floss. Als Glitzer noch nicht das Hauptaugenmerk eines Eposhelden ausmachte und es tatsächlich cool war, wenn sich die flinken Viecher blitzschnell immer tiefer ins dunkle Erdreich verkrochen, um ihre Anmut und Unentdecktheit klammheimlich auf den heimischen Fernsehern zu feiern.

Keiner in der Schule wusste um die geilen Vampirstreifen, denn irgendwie kam keiner ran. Alle sprachen nur von ihren Ballerspielen und man selbst entfleuchte in eine Welt, die der realen um einen herum so fremd wie nur irgend möglich war.

Als Kind erfasst man die Dynamik eines Films noch viel mehr und weiß um die Merkwürdigkeit, wenn sich alles in einem hölzernen Gebälk irgendwo tief im Wald abspielte und so ganz und gar auf die Nische anspielte. Irgendwo fehlte der Epos. Es fehlte eine vorzeigbare Persönlichkeit, mit der man als Vampir-Fan in der Öffentlichkeit angeben konnte. Etwas, das brutal genug, durchgestylt genug, brachial genug war, um damit vor seinen Schulfreunden angeben zu können. „Ich hab es als erster entdeckt, diese Welt gehört mir und ihr alle seid erst viel später dazu gestoßen.“

Und mitten rein in diesen Wunsch platzte Underworld. Auf einmal war alles da. Der perfekte Style. Düsterness, die sogar den Alten die Schuhe auszog. Die perfekte Storyline, der vollkommene Kampf, ein Highlight jagt das nächste. Neue Ideen, eine Heldin zum Niederknien mit einer Mission, der sich so ziemlich jeder Jugendliche freiwillig anschließen würde und das erbitterte Böse auf der Gegenseite, dem man mit Vorliebe den Garaus macht. Ich war der absolute Fan!

Und bin es bis heute.

Von Teil 1.

Seit dem zweiten tauchte man nämlich ebenfalls wieder in diese hölzerne Gebälkwelt ab, die sich so sehr am Mittelalter und dem dahinsiechenden Leben von Bedeutungslosigkeit bemisst, mit der man in punkto Durchgestyltheit nichts mehr erreichen kann. Wie auch? Die Story war bekannt, die Fähigkeiten offenbart, der Plot ausgekostet. Also suchte man sich – wie bei Resident Evil übrigens auch – einfach einen derart überzogenen neuen Bösewicht, den man dann völlig überspitzt und overleaked dem Alten gegenüberstellte und durch die „Erweiterung“ den Film selbst vorantreiben wollte.

Die Einspielzahlen haben’s mitgemacht, der Fan wurde vernichtend geschlagen. Die Story wurde lächerlich, man begann sich zusehends mit fortschreitenden Wiederholungen der alten Geschichte mehr und mehr dafür zu schämen, früher mal Botschafter dieser Ideen gewesen zu sein und nahm immer mehr Abstand.

Mit Teil 4 (bei Resident Evil übrigens auch O_O) wagte man dann den Schritt hin zum 3D, was bei solchen Massenblockbusterwunschvorstellungsfilmen ja oft das Vernichtungsurteil schlechthin ist. Nun flogen die Wurfsterne also nicht mehr nur verbal angereichert mit dem unbändigen Hass, dem man als Jugendlicher eh schon kaum Ausdruck verleihen konnte, ohne gleich Amok zu laufen, sondern die Teile schlitterten auch noch ins Wohnzimmer rein und machten ihrem nicht endenden Unmut Luft.

Nur, dass selbige schon längst raus war. Und da „brachial böse“ eines der stärksten Argumente des Ursprungsfilms war, musste in den Fortsetzungen natürlich penibelst darauf geachtet werden, dass die Darsteller auch möglichst immer böse Miene zum Spiel machen und laut schreien.

Genau dieser Fakt beerdigt nun mit Underworld: Blood Wars das Erbe dieser einst so fortschrittlichen Idee, aus dieser Welt noch viel mehr rauszuholen. Irgendwo wirkt alles so derart aufgesetzt, gekünstelt und lieblos, dass man schreiend aus dem Saal rennen möchte.

Was ist das Problem?

Ich denke, es liegt teils an den austauschbaren Schauspielern, mit denen man die einzelnen Charaktere besetzt. Mangels Alternativen? Oder weil in Hollywood einfach fast alles austauschbar geworden ist?

Die wuchtigen Hunde, die knallenden Schreie der Pistolen, die einzigartige Selene aus dem ersten Teil gemeinsam mit dieser hervorragend inszenierten Welt ist zwar scheinbar bis zum Schluss geblieben, aber spätestens nach den ersten misslungenen Verwandlungsversuchen der Lykaner und den derart an den Haaren herbeigezogenen, unglaubwürdigen Ehrgefühlsbekundungen eines Vampirclans zweifelt man auch als Zuschauer daran, dass das alles hier ernst gemeint sein könnte.

Und in diese Blöße tauchen jetzt noch Leute, die irgendwo beliebig austauschbar sind und somit keine eigene Stilblüte mehr mitbringen, sondern eben einfach nur noch als Füllmuster fungieren, um dem Film „Bewegung“ einzuhauchen und ihn damit künstlich zum Leben zu erwecken.

Und dieser Schuss ging gewaltig vor den Bug. Die mächtige Gegenseite hat in Blood Wars absolut keinen Charme mehr, was man von Corvinus im ersten Teil nicht behaupten konnte. Das Gezeter nervt eher, als dass es unterhaltsam wirkt und nicht nur ich bin der Meinung, dass man zum Schluss froh war, endlich den Saal wieder verlassen zu dürfen.

Noch nicht mal beim Soundtrack hat man sich die Mühe gemacht, ein Theme zu finden, dass wieder ehrwürdig die Boxen zum Beben bringt und zumindest für die Ohren Grund zum Schauern liefert, sondern hier spielt man – ich möchte fast sagen – schon mit synthetischem Gedudel auf, das selbst mir beim Nachspann (wo man sich außer der Musik auf nichts anderes weiter konzentrieren kann) eher die Nerven platzen ließ als auch nur fünkchenweise Spaß zu machen.

Was ist aus euch geworden?

Allein eine streitlüsterne Selene in den Raum zu stellen und ihr zahlreiche Oberflächlichkeiten angedeihen zu lassen reicht nicht, um ein Werk so voranzutreiben, dass es die Kritiker lieben. Und den Zuschauern geht es ähnlich.

Der einzige Unterschied: Resident Evil kündigt sich schon im Trailer an, mit dem kommenden Teil Schluss zu machen, während Underworld hier gänzlich andere Töne anschlägt.

Ganz ehrlich?

 

.kinoticket-Empfehlung: Ich hab Angst.

Angst, dass das so weiter geht und der Abwärtstrend, den man bereits im zweiten Teil deutlich zu spüren bekam, im sechsten dann seinen Höhepunkt erfährt und man diese Art Film gar nicht mehr anzusehen braucht.

Irgendwie sind alle Regler dieses Films so derart verzerrt, dass nichts davon mehr in irgendeiner Harmonie schwingt. Die Effekte sind zu brachial, die Persönlichkeiten ohne jegliches Profil. Der Plot abgehackt und lieblos und die Musik zum Schreien.

Alles andere ist besser als diese bitterste Enttäuschung des ganzen Jahres. Und das schreibt ein ehemaliger Fan!

 

Nachspann
wie schon erwähnt folgt hier nichts weiter außer grausige Musik. Also Abflug, sofern ihr euch doch in diese Vorstellung verirrt habt. Der Trailer funktioniert ja, denn die Massen scheinen rein zu rennen, aber gefallen hat es (in meinem Kinosaal) keinem so wirklich.

Ouija 2: Ursprung des Bösen

Ohne jetzt böse klingen zu wollen: Wo Blumhouse seine Finger im Spiel hat, existiert irgendwo ein Horrorfilmsetzbaukasten, aus dem immer wieder Teile entnommen werden, um daraus dann eine Geschichte zu basteln, die sich irgendwo vermarkten lässt.

Das könnte man meinen, wenn man den Titel in seiner Gänze im Kino sieht und sich dann überlegt, was die Macher dazu getrieben hat, diesen Firlefanz hier ans Volk zu verhökern.

Die Idee aus dem Trailer ist nämlich übergenial und hinterlässt Hoffnungen beim Zuschauer, endlich mal wieder in die Welt des Absurdums geführt zu werden und mit Dingen konfrontiert zu sein, die gleichermaßen unwirklich als auch unterhaltsam sind. Dieses ausgespielte As wird gleich zu Beginn auf ein Niveau heruntergezogen, das nur allzudeutlich die Ernüchterung kommen lässt, denn nicht der ausweglose Kampf aus etwas, dessen man nicht mehr Herr wird, ziert hier die Unterhaltungslinie, sondern eine rühmliche Langsamkeit, die eine Story um etwas spinnt, dass es vor Jahren schonmal gegeben hat.

Der Clou: Den Bogen spannt man erst dann, wenn das Publikum zum Großteil schon längst wieder aus dem Saal gerannt ist, womit die eigentliche Pointe geradezu den Bach runterschwimmt.

Der genial vertrackte Coup, hier Betrügerei und Echtheit miteinander zu verschmelzen, gelingt den Machern in meinen Augen nur halbherzig, das Herzblut eines echten Horrormoments fehlt gänzlich. Stattdessen spult man eine 0815-Story runter, die teils vorhersehbar, teils unwillig, teils lächerlich wirkt und keinerlei Stimmung erzeugt, die einen unbedingt mitfiebern lässt oder auch nur ansatzweise das gemeinsame Gruseln im Kinosaal ermöglicht.

Stattdessen hätte man sich hier lieber auf eine Direkt-to-DVD-Produktion beschränken sollen, denn im nischenhaften Dachboden mit eingeschworenen Freunden und ein paar Flaschen Bier kann auch dieses Unterfangen durchaus unterhaltsam sein.

Wer jedoch mit Ernsthaftigkeit und gutem Willen den Kinosaal betritt um hier mal wieder mächtig eins auf die Zwölf zu kriegen, der wird nicht nur enttäuscht, sondern auch irgendwo gelangweilt und geistig unterfordert.

Zwei Eigenschaften, die kein gutes Bild auf jemand werfen, der mittlerweile durchaus die Mittel haben dürfte, weitaus größere Erfolge zu erzielen.

Schade eigentlich, denn ich hatte mich auf diesen Titel wirklich gefreut.

 

.kinoticket-Empfehlung: Seichte Kost, die eine Idee verramscht, aus der so viel hätte werden können.

Das Potenzial ist definitiv gegeben und die Welt ist unerschöpflich, in der man diese ausleben und erblühen lassen hätte können, jedoch hat man sich hier für die langsame, vorhersehbare und willenlose Version entschieden, die mit wenig Mitteln möglichst viel Geld in die Kassen spülen soll.

Das mag im heimischen Kino mit ein paar Freunden, Bier und illegalen Substanzen wohlweislich funktionieren, endet im Kino aber eher in einer kollektiven Enttäuschung, bei der man auch niemandem übel nehmen kann, das eigentliche Ende zu verpassen, weil man schon frühzeitig den Saal verlassen hat.

 

Nachspann
Sitzenbleiben. Ohne die allerletzten Szenen nach dem Abspann macht der ganze Film überhaupt keinen Sinn.

Blair Witch

Das Original aus dem Jahre 1999 mag kaum jemand verpasst haben, die PR-Strategie damals und das ganze Drumherum war genial inszeniert. Zudem hat man ganz nebenbei mal einen massentauglichen Meilenstein in punkto „Found Footage“-Movies gemacht und damit eine ganz neue Generation Film ins Leben gerufen, die alsbald ihre Nachahmer gefunden hat.

Der erste Teil verursacht auch heute noch nach spätestens 9 ½ Minuten Kopfschmerzen bei mir dank der irren Kameraführung, die zwar authentisch, dafür aber um so grausamer ist, je länger man hinsieht – überzeugend hin oder her.

Genau diesen „Fehler“ wollte man dann beim zweiten Teil ausbügeln und hat einen hoch professionell angelegten Profifilm draus gemacht, der den ganzen Charme von Blair Witch Project kaputtgemacht und auch heute noch vom Großteil der Leute als schlecht bezeichnet wird.

Mit Blair Witch – quasi der Fortsetzung des ersten Teils – hat man nun endlich das galante Mittelmaß gefunden und ist wieder zum Found Footage-Style zurückgekehrt, hat den aber nicht nur mit der Intelligenz und den mystischen Abgründen des ersten Teils, sondern auch mit modernen Technikmitteln ausgestattet, so dass ein Horrorfilm dabei rausgekommen ist, der der heutigen Generation durchaus gerecht wird und nicht nur vereinzelt auf den Kinositzen für gruseliges Vergnügen sorgen dürfte.

Die Atmosphäre im Film ist gigantisch. Man ist sofort dabei, man kriegt zwischendurch zwar auch wieder Zeit, um zur Ruhe zu kommen und Überlegungen anzustellen, jedoch wird einem niemals groß langweilig, sondern man ist umgeben von kraftvoller Atmosphäre, die wieder ganz klassisch an die Urängste der Menschheit anknüpft und hier Szenen erschafft, die das pure Grauen beim Zuschauen hervorrufen.

Dabei ist nicht so sehr entscheidend, ob jetzt tief in die Plot-Trickkiste gegriffen wird, sondern eher das sich aufbauende Angstpotenzial, das mit fortschreitenden Entscheidungen der Protagonisten immer tiefer in Dinge verstrickt, über die man bestenfalls in sicherer Umgebung philosophieren könnte. Und genau die wird dem Geist des Zuschauers nicht geboten, sondern der wird panisch immer tiefer in den Wald gezerrt, um dort drin seine wahre Offenbarung zu erleben.

Für mich haben die Macher damit in nur 32 Drehtagen eine Meisterleistung geschaffen, die die grandiose Messlattenhöhe des ersten Teils nochmals um Welten steigert. Der Clou, hier mit den altbekannten Horrorelementen aus den späten Neunzigern zu arbeiten und dennoch die vielbeklagte Kopfschmerztechnik wegzulassen, hat mich tierisch begeistert. Auch wenn das der Sinnhaftigkeit teilweise etwas zu plump daherkommt, weil der Erzählflow durch die neue Methodik etwas zu glatt wirkt, so empfand ich generell das Erlebnis aber als völlig ausgeglichen und in sich rund, denn diese Symptomatik fällt einem erst später auf und nicht schon während dem Schauen.

Fun Fact: Auf digitale Schockeffekte wurde im Film komplett verzichtet. Die Macher arbeiteten derart detailverliebt an der Kulisse des Films, dass sogar die Macher des Originals schwer beeindruckt davon waren.

Und diese Authentizität kommt dem Film absolut zugute. Blair Witch macht einen Riesenspaß, wenn man Gruselfilme zu schätzen weiß, denn der ganze billige Horrorfilmmist hat hier nichts verloren. Dass dem Regisseur dabei die echt empfundene Angst wichtig war, spürt man mehr als deutlich, denn was die Schauspieler hier abliefern, ist nicht gespielt, sondern portiert die Angst förmlich in den Kinosaal rein.

Und die bleibt bis zum Schluss erhalten und gipfelt in einem grandiosen Finale, nachdem endlich der erlösende Abspann folgt, der wiederum einen Beat zum Niederknien beinhaltet.

 

.kinoticket-Empfehlung: Blair Witch bastelt hier nicht nur weiter an den Erfolg des allerersten Teils an, sondern setzt erneut Horror-Maßstäbe, an denen sich eine Vielzahl anderer Filme orientieren muss und sollte: So wird es gemacht, wenn man im Kino sitzen und Gänsehaut erleben will.

Schauspieler, Macher und alle Beteiligten haben derart viel Wert auf Echtheit gelegt, was sich im Filmerlebnis absolut positiv niederschlägt und zu einem Ergebnis führt, dass in Fanreihen für Begeisterungsstürme sorgen dürfte. Ich freue mich schon auf die deutsche Variante und die darauf folgenden Philosophien der Filmfreunde, was uns denn da nun tatsächlich geboten wurde.

Also geht rein, aber nur, wenn ihr auch Horror aushaltet, denn ohne harten Magen geht ihr hinterher garantiert nirgends mehr vorbei, wo irgend etwas raschelt.

 

Nachspann
wie oben schon erwähnt mit brutal-bombastischen Beat (wer erfindet sowas?), aber ohne weitere After-Credit-Scenes. Rausgehen ist also durchaus erlaubt. Vielleicht ja in einen Wald? ;-)