Star Wars – Die letzten Jedi (3D)

14. Dezember 2018 – der Tag, auf den viele Filmfans dieses Jahr hingefiebert haben: Heute ist es endlich soweit – das heiß ersehnte SciFi-Spektakel startet auch hierzulande in den Kinos.

Und dabei reden wir nicht einfach nur von einem Film. Ich meine, seien wir ehrlich: Man kann hinstellen, wen immer man will: Cameron, Nolan, Tarantino oder alle zusammen – kommt Star Wars um die Ecke, spürt jeder Cineast auch auf einmal die Macht, die nicht nur den Filmen innezuwohnen scheint, sondern auch unseren Planeten mächtig im Griff hat. Star Wars hat sich inzwischen zu einer dominierenden Marke etabliert, die nicht nur innerhalb des Kinos das Sagen hat und bestimmt, was um einen herum geschieht.

Wer, was, wieso, weshalb, wo jetzt dazwischen und wie überhaupt?

Fangen wir also mal mit ein klein wenig Erleuchtung für die Nicht-Kenner der Saga (gibt’s die eigentlich?) an und klären ein paar geschichtliche Reihenfolgen:

Alles begann im Jahre 1977 mit Episode IV, die dieses Jahr immerhin ihren 40. Geburtstag feiert und somit selbst schon ein halbes Leben auf dem Buckel hat – gefolgt von Episode V und VI.

Danach (komisch, ich weiß) folgen Episode I, II und III – die innerhalb der Star Wars-Welten allerdings tatsächlich vor Episode IV spielen, gefolgt von dem 2015 erschienenen Star Wars: Das Erwachen der Macht.

Jetzt war irgendwie klar, dass man die Nachfolge-Trilogie auch noch abschließen möchte und dafür braucht man bekanntlich Zeit – ergo schob man noch einen Zwischenfilm (Rogue One) ein, der sich geschichtlich zwischen III und IV bewegt, um jetzt mit Episode VIII zurückzukehren.

Ihr merkt schon: Verwirrung vorprogrammiert. Am einfachsten ist es wohl, sich die Filme in Star Wars-Abfolge anzusehen, dann kann man sich einfach episodenweise vorarbeiten:

Episode I – Die dunkle Bedrohung
Episode II – Angriff der Klonkrieger
Episode III – Die Rache der Sith

Rogue One – A Star Wars Story

Episode IV – Eine neue Hoffnung
Episode V – Das Imperium schlägt zurück
Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter

Episode VII – Das Erwachen der Macht
Episode VIII – Die letzten Jedi
Episode IX
 (folgt noch)

Außerdem hat Disney-Chef Bob Iger bereits verlauten lassen, dass man nach Abschluss eben jeder dritten Trilogie erneut eine Trilogie in den Ring werfen wird, die das ganze Universum dann völlig neu aufarbeitet und quasi mit neuen Charakteren in neuer Umgebung neue Geschichten erfinden wird: Möge der Kapitalismus beginnen!

Aber keine Angst, das hier wird nicht schon wieder ein Disney-Bashing-Artikel, soll aber eine Sache trotzdem ein klein wenig beleuchten: George Lucas gilt allgemeinhin als Erfinder von Star Wars und wurde für sein Vermächtnis an die Filmwelt ja bereits seit Jahren durch Hyper-Fandom und unsäglichen Erfolg geehrt, den u.a. die für damalige Verhältnisse bahnbrechenden Effekte herbeigeführt haben, die heute eher nur unter nostalgischen Gesichtspunkten im Kino noch funktionieren würden (man erinnere sich an die Einmalvorstellungen von Terminator 2 – Tag der Abrechnung, die dieses 1984er Jahre-Gefühl sehr wohl wieder hervorrufen konnten).

Gleichzeitig besitzen die alten Star Wars-Filme von Lucas (also Episode I bis VI) aber auch einen nicht erklärbaren, mystifizierten Geschichtsteil, der durch unsere Hingespinste genährt am Leben erhalten wird und sich bis heute eine große Fangemeinde erkämpft hat. Dieses Fehlen von SciFi-Stumpfsinn, der eben nicht alles in banalen Gut-gegen-Böse-Schlachten enden lässt, hatte etwas Nichtgreifbares, in das wir alle hineingesogen wurden und wo sich jeder Sympathisant irgendwo wohl drin fühlt.

Und damit führt man das Kino seiner Bestimmung zu: Dem Zuschauer etwas zu bieten, dass ihn aus seinem Alltag entreißt und in eine andere Welt wirft, die ihn von seinen aktuellen Sorgen erlöst oder ihm einfach unfassbar gute Unterhaltung bietet.

Und genau das konnte einem Episode VII nicht mehr in der Fassung liefern. Die Seele bekam Kratzer – das Unantastbare von Star Wars wurde heruntermoderiert und auf einmal salonfähig gemacht, kapitalverschlungen, seltsam. Und dieser Fakt machte mir unglaublich Angst.

Jetzt saß auf einmal nicht mehr Gründer, Erfinder und Genie am Drehbuchross, sondern die ganze Sache wurde an Disney über- und somit irgendwie dem Abschuss freigegeben. Die Tatsache, dass selbst der „Geduldet euch noch ein Weilchen, bis wir endlich mit dem Hauptfilm fertig sind“-Zwischenfilm Rogue One besser als der eigentliche Hauptfilm war, spricht eigentlich für ein erbärmliches Armutszeugnis, dass da veranstaltet wurde. Und tatsächlich erzählen mir so ziemlich alle Befragten in meinen unzähligen Kurzinterviews immer das gleiche: Der siebte Teil war definitiv der schlechteste.

Damit wäre Disney zu wünschen gewesen, sie hätten sich mit dem aktuellen Teil voll auf die Schnauze gelegt und den Verkauf von Lucas rückabgewickelt, um diese Legende in Ehren zu erhalten und nicht weiter dem cineastischen Tod zuzuführen – oder auf deutsch: Meine Erwartungen waren unterirdisch!

Überhaupt sind solche Reboots ein heikles Eisen, das in den meisten Fällen dafür sorgt, dass man sich als Veranstalter gehörig die Finger verbrennt. Selten geht so etwas tatsächlich gut, ohne alte Fans zu verärgern oder etwas Niedagewesenes zu egalisieren. Und obwohl die etablierte Presse die Nähe zu Teil 4 und 1 eher lobend erwähnt, ist eben jene Gleichstellung beim Volk negativ aufgestoßen, die hierin nur eine billige Kopie der einstigen Originale sahen und daher eher gelangweilt waren. Warum auch sollte man sich keinen Film ansehen, der heute (2017) immer noch genauso funktioniert wie 1977? Genau daran bemisst sich die Größe, die dem Urwerk angediehen ist und die es auch niemals verlieren wird.

Aber kommen wir zu den erfreulicheren Tatsachen: Die Tagespresse schreibt Scheiße über den neuen Film, was gleichermaßen bedeutet, dass der neue Teil absolut gelungen ist. Ehrlich gesagt ist er in meinen Augen so hervorragend gelungen, dass man auch als Nicht-Fan und bekennender Von-Star-Wars-Gelangweilter auf einmal mega Bock auf die Filme bekommt und sich schielend in Richtung Blu-ray-Regal bewegt, um doch einmal einen Blick darauf zu werfen: Er unterhält nämlich in einer unvergleichbar lockeren Art und Weise, die zwar hämisch und ironisch sein mag, diese Humorspitzen aber super ausgewogen mit der eigentlich niederdrückenden Atmosphäre vom Star Wars-Universum mischt und dem Zuschauer ein mehr als erträgliches Megaspektakel vor die Füße wirft, dass sich – im Vergleich zum Vorgänger – dann auf einmal doch wieder ernst nimmt und sehr viel Augenmerk auf die inhaltlichen Aspekte wirft.

Fraglich ist allerdings, ob diese Filme dann tatsächlich noch an Kids gerichtet sind oder man sich eher darauf besonnen hat, die Einstigen, die damit aufgewachsen sind, wieder abzuholen und ihnen etwas zu bieten, dass sie an ihre Zeiten erinnert und somit Versöhnung mit den Kindern der 80er schließt.

Hier steckt unfassbares Potenzial drin, dass man sehr austariert und optisch beeindruckend auf die Leinwand bringt und damit wieder zum Tummeln in den Foyers der Kinos einlädt, um seine Filme nicht nur lapidar auf Streaming-Portalen zu schauen, sondern tatsächlich im Kreise von anderen Fans zu feiern. Und diese Kultur ist es doch, die Cineasten das Herz aufblühen lässt und beweist, dass auch 2017 Kino noch zu den benötigten Orten gehört, die kulturelle und gesellschaftliche Relevanz haben – trotz all des Onlinewahns, der sich in den letzten Jahrzehnten unter den Menschen so ausgebreitet hat.

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Ich persönlich kenne kaum eine Filmreihe, die derlei Reaktionen beim Publikum auslöst, zumindest in regulären Kinos nicht. Das Feeling ist einfach gleich ein ganz anderes, wenn man umgeben von Filmfans ist, die nicht nur zum Schauen, sondern zum Zelebrieren ins Kino kommen und einem dann hinterher auch mitteilen, dass dies nicht die einzige Vorstellung gewesen sein wird, die sie besuchen werden.

In den hastig abgefragten Querschnittsmeinungen heute Nacht ergab sich ein deutliches Bild davon, dass der Film bei diesem Publikum (erste öffentliche Vorführung) sehr deutlich an Sympathien dazugewonnen hat und auch die immense Laufzeit von geschlagenen 152 Minuten wurde von keinem als zu lang empfunden. Im Gegenteil: Man will ja Star Wars und kriegt es auch – und dafür braucht es bekanntlich sehr viel Zeit.

Beim Humoranteil scheiden sich ein klein wenig die Geister: Einige sind der Meinung, man setzt damit zu früh ein, andere meinen, es ist zu viel und typisch Disney, würden sich den Film aber trotzdem nochmal anschauen und das höchstwahrscheinlich sogar gleich dieses Wochenende.

Man spürt deutlich, dass Disney damit das Unfassbare gelungen ist und das Publikum durchaus positiv auf den Streifen reagiert. Man weiß zu überraschen, hat unvorhersehbare Spannungsmomente und führt die Erzählung in Richtungen, die vielversprechend sind und damit Lust auf Kommendes säen. Das Mysterium ist wieder da und ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Saat aufgehen wird und man den Bann erneut erweckt, der die Fans ins Kino zieht und damit über den Erfolg dieses Teils entscheiden lässt. Das kommende Wochenende wird genau das zeigen.

Und bevor ich’s vergesse: Laserschwert-Schlachten nicht in 3D anzuschauen ist ein Frevel!

 

.kinoticket-Empfehlung: Als Nicht-Fan empfiehlt es sich spätestens jetzt, in den Film zu gehen, denn der hat enormes Bekehrungspotenzial und kann einen mit der Saga wirklich anstecken: Meine unterirdischen Erwartungen wurden rigoros übertroffen und exorbitant getoppt.

Die nostalgische Note zur historischen Vergangenheit ist genauso gegeben wie der Schritt in neue Zeitalter, die früher oder später angetreten werden müssen. Man ist endlich wieder locker, offenbart sich in erzählerischen Stärken und liefert so endlich das, was Teil VII bisher nicht bieten konnte.

Star Wars: Die letzten Jedi macht Spaß und schürt unstillbare Gier nach weiteren Teilen. Weiter so!

 

Nachspann
bleibt After-Credits-Scene-frei, als Fan gehört es sich aber nicht, bei der Ausklangsmusik schon aus dem Saal zu rennen.

Kinostart: 14. Dezember 2017

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9 Gedanken zu “Star Wars – Die letzten Jedi (3D)

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