Bo und der Weihnachtsstern

Gerade in der Adventszeit wird wieder sehr viel für Familien mit Kindern in den Kinos gezeigt, um sich die Wartezeit bis zum großen Fest noch ein wenig zu versüßen. In diesem Jahr spürt man deutlich, dass der in den letzten Jahren aufgebaute Hype rund um Weihnachten mit all seinen Umstrebungen deutlich abgenommen hat und man sich allseits wieder zurückbesinnen möchte zu den Ursprüngen.

Hat man früher in Fernsehshows noch darüber gelacht, wenn einer sich so dämlich angestellt hat und nicht wusste, was dieses Fest für eine Bedeutung hat, gehört dies heute dank kultureller und religiöser Vielfalt fast schon zum Alltag, das teilweise solche absurden Züge angenommen hat, die dann in Wortschöpfungen wie „Wintermarkt“ enden.

Im Zuge dieser politischen Entgleisungen, die sich überall breit machen, finde ich es sehr angenehm, dass es tatsächlich noch Produktionen gibt, die ihre Herkunft nicht vergessen. Es ist doch affig, wenn man – im Namen der Integration einer ganzen Welt – lokale Festivitäten nun auch dem Gleichstellungsmassaker in den Schlund wirft und einfach seine eigene Herkunft verleugnet, statt sie – ganz klassisch – gleichberechtigt neben andere kulturelle Events zu stellen und gleichermaßen zu feiern.

Dieses Vorgehen der eigenen Selbstleugnung ist meines Erachtens genauso falsch wie die Intoleranz gegenüber anderen – beides sollte im Leben keinen Platz finden, sondern einer friedlichen Zusammenkunft vieler Völker Platz schaffen, bei dem die einen Gast der anderen sind und sich zurückhaltend in Akzeptanz und Frieden üben, den ja irgendwie alle Weltreligionen als Wunsch vorangestellt haben (okay, mit Ausnahmen – keine Diskussionen an dieser Stelle).

Bo und der Weihnachtsstern erfüllt diesen Wunsch im Rahmen der westlichen Kultur und erzählt die klassische Weihnachtsgeschichte – aus völlig anderer Sicht. Bemerkenswert ist dabei das Humorlevel, dass man den einzelnen Charakteren angedeihen ließ: Es macht echt Spaß und löst auch bei den Kiddies jede Menge vergnügliche Schreie aus.

Man baut auf Running Gags, Situationskomik und andere erfreuliche Vorlieben und schlängelt sich dabei völlig ohne religiöses Gehabe durch eine Geschichte, die von ihrer Faszination noch lange nichts verloren hat und hier auch keinen fad-altbackenen Kirchengeschmack mitbringt, sondern auch in atheistisch-fröhlicher Runde genossen werden darf: Dieses Feingefühl bekommt von mir ein großartiges Lob.

Überhaupt ist diese fanatisch-religiöse Zornesgestalt, die man den Religionen immer andichten möchte, in diesem Film so unfassbar zurückhaltend und defensiv, dass es fast schon wieder Faszination auslöst, die einen eher wieder in die Kirchen zieht als die Menschen durch Abscheu zu vertreiben. Und das so auf die Reihe zu kriegen – innerhalb einer tief christlichen Story: Respekt!

 

.kinoticket-Empfehlung: Man könnte sagen: Bo und der Weihnachtsstern hat genau das, was der Welt da draußen zur Zeit fehlt.

Sei es der Friede, sei es die liebevolle Umarmung in Form der Zeichnung und des Verhaltens, sei es die unbekümmerte Teilnahme an etwas, das man nicht mehr so selbst sein eigen nennt: Dieses Werk macht sehr vieles richtig und sollte daher auch von vielen gesehen werden.

 

Nachspann
kommt keiner mehr, man darf also raus.

Kinostart: 7. Dezember 2017

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Ein Gedanke zu “Bo und der Weihnachtsstern

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