Get Out

Mich würde ernsthaft mal interessieren, was die Regisseure solcher Filme für Zielpublikum wünschen und wie sie selbst ihre Filme einordnen, denn ich weiß immer nicht so recht, welches Genrelabel ich derartigen Publikationen verpassen soll. Horror? Suspense? Gruselschocker? Die Vorankündigung einer seelischen Zerstörung, die niemals folgen wird?

Die Idee, aus dem hausgemachten „Schrecken der Nation“ jetzt tatsächlich einen Film zu machen, der eben jenes Thema als Element in die Welt des Grauens einspeist und daraus verwertbaren Kinostoff produziert, verlangt mir schon einige huldigende Verneigungen ab, denn diese Idee ist einfach genial. Chapeu an Blumhouse, denen ich sonst gegenüber aufgrund ihrer Weichgespültheit im Horror-Genre ja nicht so positiv aufgeschlossen bin. Warum?

Normalerweise bauen die ihre Filme nach dem Gruselbaukastensystem: Der anfangs gequält eingeführte Charakter, teils lieblos dargestellt und mit Krawall auf Sympathisch gebügelt, damit der Zuschauer sich damit identifizieren kann, der klassische Twist – meist durch irgendeine Autofahrt irgendwo hin, wo sich am Ende alles als böse rausstellt – der „Merkwürdige Charakter“ am Ende dieser Reise, der sich im Verlauf entweder als gut oder böse darstellt, die „Alte Frau“ – ist es euch schonmal aufgefallen? In fast allen Horrorfilmen spielt immer eine merkwürdige alte Frau mit… – und ein Reigen an Merkwürdigkeiten, der den Film dann auf hohes oder niedriges Niveau boxt und ihm damit seine Sprosse auf der Leiter der Beliebtheit zuspricht.

Dieses System spiegelt sich in den allermeisten als „wahnsinnig gruselig“ ausgeschriebenen Horrorstreifen wieder und entlockt mir nur ein sanftes Gähnen und fördert schon mal überhaupt keine Gänsehaut, sondern allenfalls ein entzückendes Jucken.

Der Trailer von Get Out lockt mit genau den Versprechen, wieder einer der Horrorfilme zu sein, die sich an obigem Schema bedienen und liefert schlussendlich etwas völlig anderes. Ein paar Gäste, die ich aus der Sneak spazierend dazu befragte, waren auch eher der Meinung, dass hier viel mehr von einem Thriller die Rede sein müsste, der wahnsinnig guten Spannungsaufbau betreibe und den Zuschauer durchweg positiv unterhält.

Die Idee konsequent umzusetzen und irgendwie in die Maschinerie einzuflechten ist den Machern auch soweit gelungen, mit dem Ergebnis, dass es eben doch wieder diese Maschinerie ist und kein wirklich verblüffender neuer Overall, den man diesem Genre gerne mal anziehen dürfte – sofern man meint, hier jetzt wirklich in einem Horrorstreifen zu sitzen.

Bewertet man dies unter dem Aspekt, dass der Trailer falsch lag und man den Film eher mit Jussi Adler-Olsen inklusive einer guten Portion Witz vergleichen sollte, nähert man sich schon viel mehr dem Aspekt des guten Films und erhält tatsächlich unglaublich gut gemachte Unterhaltung. Selbst die deutsche Synchronisation ist mal einigermaßen gelungen und stört nicht so, wie ich es bei Sieben Minuten nach Mitternacht erwarte.

Meine beiden Interview-Männer waren sich einig darüber, dass man Get Out am besten im Heimkino als Auftakt für einen tollen Horrorabend hernimmt, nach dem die Show dann erst richtig los geht – sozusagen der „Vorglühfilm“ – denn im Kino hätten sie ihn sich nicht freiwillig angeschaut, seien jetzt aber auch nicht enttäuscht gewesen.

 

.kinoticket-Empfehlung: Insofern man die Muße und Zeit hat, sich das Werk zwei mal zu besehen, erklärt sich nach gefundener Auflösung sogar sehr schlüssig und relativ fehlerfrei das abstruse Verhalten der Darsteller im vorderen Teil des Films.

Diese Erkenntnis hat sich mir nach der 2. Vorstellung deutlich im Hirn eingebrannt und den Film schlussendlich in viel positiveres Licht gerückt, als einst, wo ich eigentlich nur enttäuscht davon war, dass man nicht die Horrorversprechen eingelöst hat, die man im Trailer großzügig verteilte.

 

Nachspann
bleibt folgenlos, der überhastete Ausbruch in das Reich des Sonnenscheins ist also gewährt.

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4 Gedanken zu “Get Out

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