Gimme Danger

Ich denke, das Plakat verrät genug über die Art des Films und weiche daher mal von meiner üblichen Vorgehensweise ab, absolut nichts zu verraten, denn hier wird gezielt ein Publikum angesprochen, dass sich in den frühen Zeiten des Punk zu Hause fühlt.

Hat man mit dem überaus erfolgreichen Biopic Straight Outta Compton bereits musikalische Meilensteine gesetzt, derer sich dann Filme wie Amy anschlossen, bewegt man sich jetzt wieder absolut im Arthaus-Areal und versucht nicht, andere Menschen für ein Thema zu begeistern, dass sie nicht interessiert.

Aus diesem Grund ist es sinnvoll, die Spreu bereits vor dem Einlass vom Weizen zu trennen und hier tatsächlich nur Leute reinzuschicken, die sich entweder grundsätzlich für diese Musikstile interessieren, oder sich genau darüber im Klaren sind, was es bedeutet, einen Arthaus gesehen zu haben: Nämlich, dass man hinterher kulturell um so vieles gebildeter ist und sich mit Themen auskennt, die man so im Vorbeiziehen wohl nie aus dem Wühltisch ziehen würde.

Iggy Pop ist für unsere Zeiten wohl auch kein Besuchermagnet mehr und viele Jugendliche werden mit diesem Namen auch wenig anzufangen wissen. Aus diesem Grund spendierte Regisseur Jim Jarmusch ihm zu seinem 70. Geburtstag einen Film über die Anfänge und Entwicklungen dieser damals desaströsen Bands, in denen er mitwirkte.

Diese Art von musikalischen Memoiren haben ja schon mehrfach im Kino eingeschlagen und gezeigt, dass sich Menschen nicht nur für die Klänge, sondern auch die Geschichten und Gefühle dahinter interessieren. Hier ging es mir nicht anders: Man hat eine musikalische Zeit an einen Unwissenden herangetragen und mich dabei nicht nur exzellent informiert, sondern auch durch die Machart begeistert.

Die spröde Erzählweise von irgendwelchen faltigen Alten weichte an dieser Stelle einer interessant gemachten Dokumentation mit Einspielern, Comics, humoristischen Einlagen und jeder Menge Originalmaterial, dass einen als Zuschauer zurück in diese Epoche versetzt und eben nicht nur schwelgend vergangenen Zeiten nachtrauert, sondern derart viel Input liefert, der sich im Laufe der Spielzeit aber auch im Schädel festsetzt.

Und dazu die Musik. Wow. Nicht einfach spielen lassen, sondern immer wieder mit Bonusinformationen über die Hintergründe aufzuklären und dann den ganzen Film mit musikalischen Einlagen vollzupressen, die selbst dem Mainstream zusagen dürften – Meisterklasse!

Am Schluss war ich im wahrsten Sinne des Wortes begeistert von ihm und habe mich ein Stück weit mehr zu Hause gefühlt. Dieses wohlig-geborgene Gefühl von Ankommen, sich ausruhen und ganz nah mit den Menschen verbunden zu sein – da sind wir wieder bei Arthaus-Filmen.

Der Regisseur selbst sagt dazu:

„Ich möchte Gimme Danger eher als „Essay“ denn als Dokumentation verstanden wissen. Der Film ist eine Liebeserklärung an die womöglich größte Rock-n-Roll-Band aller Zeiten. Wir präsentieren ihren Werdegang, ihre Einflüsse und ihre Wirkung. Dabei kommen nie zuvor gezeigte Filmaufnahmen und Fotos zum Einsatz. Wie die Stooges und ihre Musik ist auch Gimme Danger ein bisschen wild, chaotisch, emotional, witzig, brachial und auf denkbar ungehobelte Weise niveauvoll. Lang leben die Stooges!“

© Presseheft by Studiocanal

 

.kinoticket-Empfehlung: Nach dieser Vorstellung werden sich die Playlists der deutschen Smartphones wohl wieder sehr viel mit StoogesIggy Pop und jeder Menge Singles aus dieser Zeit füllen.

Mein Musikbereich sieht seitdem auf jeden Fall anders aus – und die Großartigkeit des Einflusses dieses Menschen wird im Film zum Schluss ja auch durch mega viele Beispiele bewiesen.

Definitiv ein sehenswertes Stück Musikzeitgeschichte – perfekt fürs Kino aufbereitet.

 

Nachspann
abwarten, denn währenddessen kommen noch ganz viele Konzertmitschnitte und Einspieler, die den Text daneben fast in Vergessenheit geraten lassen.

Kinostart: 27. April 2017

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Ein Gedanke zu “Gimme Danger

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