Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe

Es ist soweit: Der Film, auf den die Massen gewartet haben, steht vor der Tür und feierte vorgestern seine Deutschlandpremiere in Hamburg.

Ich selbst war heute im Rahmen der Ladies Night in Augsburg und habe zusammen mit ca. 1400 Frauen die Vorpremiere von Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe geschaut.

Es ist ein Kulturphänomen, das seinesgleichen sucht. Als Fanfiction zu den Twilight-Filmen gestartet und ursprünglich als reine SM-Kopie von Edward und Bella geschrieben entwickelten sich die im Nachhinein als Christian und Anastacia betitelten Figuren zu einem weltweiten Erfolgsprodukt, dass seit jeher als Publikumsmagnet gilt.

Doch statt jetzt hier meinen Senf zum Film abzugeben, möchte ich euch an den Meinungen einiger Damen teilhaben lassen, die mir freundlicherweise hinterher zum Interview zur Verfügung standen (und namentlich nicht genannt werden möchten ^^).

 

Wie hat dir der Film gefallen?

„Ich fand ihn schon gut. Also ich fand ihn teilweise ein bisschen lächerlich.“

Ist das förderlich für den Unterhaltungseffekt?

„Ja, ich glaube schon.“

Das ist ja jetzt der zweite Teil. Habt ihr den ersten auch gesehen und wie fandet ihr den Nachfolger im Vergleich?

„Ja, viel besser als den ersten.“

Von der Technik her oder vom Schauspiel oder komplett besser?

„Mei, es war halt mehr Sex…“ (lacht)

Und was hat dir besser gefallen?

„Die Handlung war irgendwie näher am Buch.“

„Ich fand ihn von allem her eigentlich besser. Man hat mehr gesehen. Beim 1. Teil hat man sich viel mehr erwartet, von den sexuellen Handlungen her, dass es da mehr in die Tiefe rein ging.“

Hast du auch alle drei Bücher gelesen?

„Ja.“

„Ich habe die Bücher nicht gelesen, aber mir hat er gut gefallen. Alles war dabei.“

Was findest du besser? Die Bücher oder was sie mit dem Film daraus gemacht haben?

„Ich muss sagen, der erste Teil: Da fand ich das Buch besser, und jetzt den Film. Ich hab die Bücher ab der Mitte des zweiten Teils auch nicht mehr weiter gelesen.“

„Ich hab nur das erste Buch gelesen, ich kann es gar nicht sagen, weil ich dachte, dass ist eh das gleiche. Aber jetzt hätte ich es vielleicht lesen sollen, wo ich das jetzt gesehen habe.“ (lacht)

Wie fandet ihr den Humor des Films?

„Ja, naja (lacht) – eher stumpf.“

„Vom Witz her? Ich fand’s witzig. Erotischer wie im ersten Teil.“

„Der Humor war absolut richtig. Wir haben uns davon sehr unterhalten gefühlt.“

Hat man gemerkt, dass es ein Abklatsch von Twilight ist?

„Nein, gar nicht.“ – „Überhaupt nicht.“

Auf meine Erklärungen und Vergleiche hin, die ich aus Spoilergründen hier mal nicht anbringen möchte, meinten die Damen dann:

„Ja, stimmt. Ich mochte Twilight auch, die hab ich auch angeschaut.“

„Ja, dann ist es aber echt so, dass die, die Twilight mögen, auch den hier mögen. Ich war nämlich auch kein Twilight-Fan und bin auch hiervon kein Fan.“

„Ich bin Twilight-Fan, ich habe auch alle Filme zu Hause, aber ich hätte das jetzt nicht so gesehen. Aber jetzt, wo du es so sagst…“

Was war jetzt der Grund, warum ihr ins Kino gegangen seid und euch genau diesen Film angeschaut habt?

„Musste man einfach jetzt wieder sehen. Ich hab die Karten schon im Dezember gekauft und hab die hier alle überredet. Wir haben halt den ersten gesehen und wollten die Fortsetzung sehen. Ist jetzt ja schon zwei Jahre her.“

„Ich bin nur mitgegangen, ich hätte ihn mir jetzt nicht alleine angeschaut.“

„Ich bin vielleicht jetzt auch nicht repräsentativ, ich kann das auch gar nicht so richtig begründen. Das hätte man sich vor Jahren auch gar nicht vorstellen können, dass das wirklich so groß übertragen wird und ich finde, dass man an manchen Stellen wegschauen muss und peinlich berührt ist. Und deswegen hab ich auch ein bisschen Abneigung.“

Würdest du sagen, durch Fifty Shades of Grey werden Sex und Tabuthemen öffentlicher präsentiert und dadurch mehr salonfähig gemacht? Dass man öffentlich besser und leichter drüber reden kann?

„Ja, das schon, dadurch, dass das jetzt öffentlich ausgestrahlt wird auch in den ganzen Kinos wird bei manchen Leuten, wo noch ein Tabu ist, dieses vielleicht schon gebrochen. Aber viele – glaube ich – haben da auch keine Berührungsängste.

„Jein, also im ersten Teil wird’s schon sehr verharmlost. Wenn Tenies das anschauen, die denken, das ist normal, wenn man die Freundin übers Knie legt. Es kommt halt drauf an, wer es schaut und wie man es aufnimmt.“

Was sagt ihr jetzt als Frauen dazu: Im Film wird ja immer ein wenig die Stellung der Frau im Gegensatz zu der Emanzipation und Gleichberechtigung, die ja heute eigentlich auf dem Plan steht, wieder komplett ins Gegenteil verkehrt. Ist das gut oder schlecht oder warum meint ihr, reagieren da so viele Leute drauf?

„Also ich finde sogar, dadurch, dass sie die einzige ist, die es schafft, ihn zu ändern und nicht zu allem Ja und Amen sagt, spiegelt sie die Emanzipation wieder. Weil sie eben dagegen ankommt. Im ersten Teil nicht, aber jetzt im zweiten vielleicht schon ein bisschen.“

„Ich finde nicht, dass es Schwierigkeiten mit der Darstellung der Frau gibt, die im Film ja oft als „Objekt“ dargestellt werden soll. Es kommt halt darauf an, wer was mit sich machen lässt. Geschmäcker sind da verschieden.“

Würdest du sagen, dass dieser Film ein Erfolg wird? Würdest du ihn dir nochmal anschauen?

„Ja, würde ich schon machen.“

„Ich kauf mir auch die DVD“ (lacht)

„Ja.“ (mehrfach wie aus der Pistole geschossen ^^)

„Definitiv ja.“

„Kann es mir schon vorstellen, weil eben dieses ‚Verbotene‘
oder nicht Alltägliche mal übertragen wird.“

Und da liegt jetzt die Faszination drin, dass gerade beim weiblichen Publikum – wie man ja sehen kann – der Film so gut ankommt?

„Ja, könnt ich mir schon vorstellen.“

Freut ihr euch auf den dritten Teil?

„Ja, auf jeden Fall.“

Würdet ihr diesen Teil hier weiter empfehlen?

„Ja, auf alle Fälle.“

Was hat euch am Film am meisten gefallen?

 

Und an dieser Stelle möchte ich vor spoilernden, aber interessanten Antworten mal aus den Interviews aussteigen und mich nochmal für alle bereitwilligen Antworten der Gäste bedanken, die sich die Zeit genommen haben und mir Rede und Antwort standen.

Was mir persönlich am meisten gefallen hat?

Man ist endlich ein wenig tiefer in die Materie eingestiegen, auch wenn man von Fifty Shades of Grey noch lange nicht behaupten kann, wirklich im Genre angekommen zu sein, sondern das alles durchaus noch sehr oberflächlich und – um es mit den Worten einer Dessouladenbesitzerin zu sagen – „langweilig“ ist.

Das Interesse an Erotik und dem Verbotenen ist wohl vielerorts schon immer da gewesen, aber es wurde in unserem Jahrzehnt nicht derart offen ausgelebt, wie es Fifty Shades of Grey jetzt tut.

Ich erinnere nur an die rühmlichen 68er, da wäre ein Film dieser Größenordnung wohl eher langweilig gewesen und hätte den Zuschauern nur müdes Lächeln abgerungen. Dass wir danach wieder in einer amerikanischen Prüderie angelangt sind, aus der man sich jetzt schrittweise wieder hervorkämpft, ist nun mal Tatsache und beweist, dass die Gesellschaft nicht nur permanent im Wandel ist, sondern sich gewisse Dinge in Abschnitten auch immer wiederholen.

Der Design-Effekt, der mir beim ersten Teil noch am besten gefallen hat, fällt in dieser Fortsetzung nun komplett weg, diese Liebe zur Unerreichbarkeit ist weg und man befindet sich mehr auf dem Boden der Tatsachen.

Über den Plot brauchen wir nicht reden, auch die Dialoge sind wieder zeitweilig so beschissen, dass sich in vielen Situationen allein aus der dämlichen Ausdrucksweise eine Art Selbstironie entwickelt, die als solches dann schon wieder lustig ist und durchaus seinen Unterhaltungseffekt hat.

In punkto Forschheit und anzüglicher Anmache hat man sich hier tatsächlich gesteigert und langsam ein Gespür dafür entwickelt, wie man in die Tiefen der Dunkelheit vordringen kann, die sich in der Allgemeinheit noch zu befinden scheint, jedoch agiert man auch hier relativ zaghaft und plotbedingt teilweise lächerlich.

Ich persönlich habe immer noch meine Probleme mit der Darstellung der Frau, die immer wieder als Sexobjekt und „Gegenstand“ bzw. „Eigentum“ angesehen werden soll. Diesbezüglich gibt es – wie beim Interview oben schon benannt – zwar nun endlich halbwegs vernünftige Gegenwehr, das Thema als Solches finde ich aber im Film zu unreflektiert und damit für die heutige Generation als zu unverantwortlich behandelt. Die Unterwerfung der Frau dem Mann gegenüber ist immer noch Thema in der Gesellschaft, was man schon anhand der Problematiken sieht, die aus dem Arabischen in die westliche Welt überschwappen und immer wieder für Unmut in unserem Land sorgen.

Interessant war auch, den Einlass zu beobachten, wie sich die Scharen der weiblichen Welt ins Kino zwängten und immer ein bedrückt dreinblickender Typ dazwischen … Macht euch den Spaß und vergleicht einfach mal mit Twilight und ihr werdet im Film so extrem viele Parallelen finden, dass man fast behaupten könnte, die Schreiberin der Fifty Shades of Grey-Romane hat absolut keine Fantasie, sondern tatsächlich Wort für Wort in den SM-Slang übernommen. Selbst Nebencharaktere bilden so eindeutig und erkennbar das Gegenstück zu den jeweiligen Doublen aus Twilight, dass einem fast schon die Lust daran vergeht.

Fakt ist, dass hiermit ein Nerv der Zeit getroffen wird, der gestern in Augsburg fast 1500 Menschen zeitgleich ins Kino gelockt hat und sicher wie beim ersten Teil auch in den nächsten Wochen und Monaten für volle Kinosäle sorgen wird.

Müsste ich mich zwischen beiden Filmen entscheiden, würde ich sofort zum neuesten greifen, da der tatsächlich sehr viel mehr Unterhaltungseffekt bietet und nicht mehr so zimperlich mit den Dingen umgeht, auch wenn man die Thematik durchaus besser hätte beleuchten und ausarbeiten können. Stichwort: SM-Variante von Underworld…? ;-)

Die Damen bekommen in den nächsten Wochen auf jedenfalls einiges zu sehen – und das nicht nur im Kinosaal, sondern auch davor…

© Dessous und Modelle ausgestellt von Fee, Steingasse 10, 86150 Augsburg, http://www.my-fee.de

 

.kinoticket-Empfehlung: Das Gespür, in die Materie einzusteigen, erwächst langsam, Teil zwei ist um Welten besser als der erste, erreicht aber noch lange keine Krone der Filmschöpfungen, sondern etabliert sich in der Frauenwelt durch Diskussionen über Tabuthemen garantiert immer noch zu einem Publikumsliebling und punktet durch teils sehr selbstironische Züge.

Ernst nehmen sollte man den Film auf keinen Fall, sondern einfach die Show genießen und sich über teils abartig dämliche Aktionen lustig machen und mit richtig viel Publikum, das stellenweise sogar zu den Entscheidungen der Darsteller applaudiert, wird auch der Kinobesuch zu einem ganz eigenen Erlebnis.

 

Nachspann
Da es sich hier um eine back-to-back-Produktion handelt (der folgende Teil ist also bereits abgedreht), sollte man auf jeden Fall noch sitzen bleiben, denn die Vorfreude auf 2018 wird in der Mitte des Abspanns nochmal angehoben.

Werbeanzeigen

6 Gedanken zu “Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe

  1. „Beim 1. Teil hat man sich viel mehr erwartet, von den sexuellen Handlungen her, dass es da mehr in die Tiefe rein ging.“

    Ein schöner Satz! :-)

    Wenn mich persönlich ein Film nicht interessiert, dann dieser. Ich warte immer noch drauf, dass jemand mir erklärt, was an dem Schmuh gut sein soll. Bin hier auch nicht fündig geowrden. :-)
    Ich habe mich 200 Seiten durch das erste Buch gequält, bis ich aufgab. Das war so krampfig in seiner biederen ‚Verdorbenheit’…

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Fifty Shades of Grey: Gefährliche Liebe – Filmkritik | FilmkritikenOD

  3. Pingback: (Gay-Filmnacht) Mit Siebzehn | .kinoticket-blog.de

  4. Pingback: Die Schöne und das Biest (3D) | .kinoticket-blog.de

  5. Pingback: Fifty Shades of Grey – Befreite Lust | .kinoticket-blog.de

Und was hast du dazu zu sagen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.