Underworld: Blood Wars (3D)

Schwelgen wir doch mal ein wenig in alten Zeiten. Damals. Als Vampire und Werwölfe sich noch zeitgemäß stritten und viel Blut floss. Als Glitzer noch nicht das Hauptaugenmerk eines Eposhelden ausmachte und es tatsächlich cool war, wenn sich die flinken Viecher blitzschnell immer tiefer ins dunkle Erdreich verkrochen, um ihre Anmut und Unentdecktheit klammheimlich auf den heimischen Fernsehern zu feiern.

Keiner in der Schule wusste um die geilen Vampirstreifen, denn irgendwie kam keiner ran. Alle sprachen nur von ihren Ballerspielen und man selbst entfleuchte in eine Welt, die der realen um einen herum so fremd wie nur irgend möglich war.

Als Kind erfasst man die Dynamik eines Films noch viel mehr und weiß um die Merkwürdigkeit, wenn sich alles in einem hölzernen Gebälk irgendwo tief im Wald abspielte und so ganz und gar auf die Nische anspielte. Irgendwo fehlte der Epos. Es fehlte eine vorzeigbare Persönlichkeit, mit der man als Vampir-Fan in der Öffentlichkeit angeben konnte. Etwas, das brutal genug, durchgestylt genug, brachial genug war, um damit vor seinen Schulfreunden angeben zu können. „Ich hab es als erster entdeckt, diese Welt gehört mir und ihr alle seid erst viel später dazu gestoßen.“

Und mitten rein in diesen Wunsch platzte Underworld. Auf einmal war alles da. Der perfekte Style. Düsterness, die sogar den Alten die Schuhe auszog. Die perfekte Storyline, der vollkommene Kampf, ein Highlight jagt das nächste. Neue Ideen, eine Heldin zum Niederknien mit einer Mission, der sich so ziemlich jeder Jugendliche freiwillig anschließen würde und das erbitterte Böse auf der Gegenseite, dem man mit Vorliebe den Garaus macht. Ich war der absolute Fan!

Und bin es bis heute.

Von Teil 1.

Seit dem zweiten tauchte man nämlich ebenfalls wieder in diese hölzerne Gebälkwelt ab, die sich so sehr am Mittelalter und dem dahinsiechenden Leben von Bedeutungslosigkeit bemisst, mit der man in punkto Durchgestyltheit nichts mehr erreichen kann. Wie auch? Die Story war bekannt, die Fähigkeiten offenbart, der Plot ausgekostet. Also suchte man sich – wie bei Resident Evil übrigens auch – einfach einen derart überzogenen neuen Bösewicht, den man dann völlig überspitzt und overleaked dem Alten gegenüberstellte und durch die „Erweiterung“ den Film selbst vorantreiben wollte.

Die Einspielzahlen haben’s mitgemacht, der Fan wurde vernichtend geschlagen. Die Story wurde lächerlich, man begann sich zusehends mit fortschreitenden Wiederholungen der alten Geschichte mehr und mehr dafür zu schämen, früher mal Botschafter dieser Ideen gewesen zu sein und nahm immer mehr Abstand.

Mit Teil 4 (bei Resident Evil übrigens auch O_O) wagte man dann den Schritt hin zum 3D, was bei solchen Massenblockbusterwunschvorstellungsfilmen ja oft das Vernichtungsurteil schlechthin ist. Nun flogen die Wurfsterne also nicht mehr nur verbal angereichert mit dem unbändigen Hass, dem man als Jugendlicher eh schon kaum Ausdruck verleihen konnte, ohne gleich Amok zu laufen, sondern die Teile schlitterten auch noch ins Wohnzimmer rein und machten ihrem nicht endenden Unmut Luft.

Nur, dass selbige schon längst raus war. Und da „brachial böse“ eines der stärksten Argumente des Ursprungsfilms war, musste in den Fortsetzungen natürlich penibelst darauf geachtet werden, dass die Darsteller auch möglichst immer böse Miene zum Spiel machen und laut schreien.

Genau dieser Fakt beerdigt nun mit Underworld: Blood Wars das Erbe dieser einst so fortschrittlichen Idee, aus dieser Welt noch viel mehr rauszuholen. Irgendwo wirkt alles so derart aufgesetzt, gekünstelt und lieblos, dass man schreiend aus dem Saal rennen möchte.

Was ist das Problem?

Ich denke, es liegt teils an den austauschbaren Schauspielern, mit denen man die einzelnen Charaktere besetzt. Mangels Alternativen? Oder weil in Hollywood einfach fast alles austauschbar geworden ist?

Die wuchtigen Hunde, die knallenden Schreie der Pistolen, die einzigartige Selene aus dem ersten Teil gemeinsam mit dieser hervorragend inszenierten Welt ist zwar scheinbar bis zum Schluss geblieben, aber spätestens nach den ersten misslungenen Verwandlungsversuchen der Lykaner und den derart an den Haaren herbeigezogenen, unglaubwürdigen Ehrgefühlsbekundungen eines Vampirclans zweifelt man auch als Zuschauer daran, dass das alles hier ernst gemeint sein könnte.

Und in diese Blöße tauchen jetzt noch Leute, die irgendwo beliebig austauschbar sind und somit keine eigene Stilblüte mehr mitbringen, sondern eben einfach nur noch als Füllmuster fungieren, um dem Film „Bewegung“ einzuhauchen und ihn damit künstlich zum Leben zu erwecken.

Und dieser Schuss ging gewaltig vor den Bug. Die mächtige Gegenseite hat in Blood Wars absolut keinen Charme mehr, was man von Corvinus im ersten Teil nicht behaupten konnte. Das Gezeter nervt eher, als dass es unterhaltsam wirkt und nicht nur ich bin der Meinung, dass man zum Schluss froh war, endlich den Saal wieder verlassen zu dürfen.

Noch nicht mal beim Soundtrack hat man sich die Mühe gemacht, ein Theme zu finden, dass wieder ehrwürdig die Boxen zum Beben bringt und zumindest für die Ohren Grund zum Schauern liefert, sondern hier spielt man – ich möchte fast sagen – schon mit synthetischem Gedudel auf, das selbst mir beim Nachspann (wo man sich außer der Musik auf nichts anderes weiter konzentrieren kann) eher die Nerven platzen ließ als auch nur fünkchenweise Spaß zu machen.

Was ist aus euch geworden?

Allein eine streitlüsterne Selene in den Raum zu stellen und ihr zahlreiche Oberflächlichkeiten angedeihen zu lassen reicht nicht, um ein Werk so voranzutreiben, dass es die Kritiker lieben. Und den Zuschauern geht es ähnlich.

Der einzige Unterschied: Resident Evil kündigt sich schon im Trailer an, mit dem kommenden Teil Schluss zu machen, während Underworld hier gänzlich andere Töne anschlägt.

Ganz ehrlich?

 

.kinoticket-Empfehlung: Ich hab Angst.

Angst, dass das so weiter geht und der Abwärtstrend, den man bereits im zweiten Teil deutlich zu spüren bekam, im sechsten dann seinen Höhepunkt erfährt und man diese Art Film gar nicht mehr anzusehen braucht.

Irgendwie sind alle Regler dieses Films so derart verzerrt, dass nichts davon mehr in irgendeiner Harmonie schwingt. Die Effekte sind zu brachial, die Persönlichkeiten ohne jegliches Profil. Der Plot abgehackt und lieblos und die Musik zum Schreien.

Alles andere ist besser als diese bitterste Enttäuschung des ganzen Jahres. Und das schreibt ein ehemaliger Fan!

 

Nachspann
wie schon erwähnt folgt hier nichts weiter außer grausige Musik. Also Abflug, sofern ihr euch doch in diese Vorstellung verirrt habt. Der Trailer funktioniert ja, denn die Massen scheinen rein zu rennen, aber gefallen hat es (in meinem Kinosaal) keinem so wirklich.

Werbeanzeigen

Ein Gedanke zu “Underworld: Blood Wars (3D)

  1. Pingback: (Pressevorführung) Resident Evil: The Final Chapter (3D) | .kinoticket-blog.de

Und was hast du dazu zu sagen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.