Sully

Es ist ein Clint Eastwood.

Und damit ist eigentlich schon alles gesagt.

Über den Hergang, das Dazwischen und das Ende braucht niemand mehr ein Wort verlieren, denn diese Story ist garantiert jedem zu Ohren gekommen, der auch nur annähernd mit der Gesellschaft Kontakt hat und hier und da mal ein Sekündchen über eine Schlagzeile fährt.

Umso erstaunlicher, dass Eastwood es dann schafft, hier derart hohe Spannungsausschläge und zielsichere Pointen einzubauen, die den Kinozuschauer leicht mal vergessen lassen, dass er den Her- und Ausgang der Geschichte längst kennt. Man fiebert trotzdem irgendwo mit.

Für mich von essentieller Bedeutung ist das Zusammenspiel des „echten Captains“ mit Tom Hanks, der wieder einmal beweist, dass ein Griff zu ihm als Schauspieler in einem erfolgreichen Ergebnis mündet. Die beiden hatten bereits vor dem Dreh regen Austausch miteinander und Hanks durfte sich von dem echten Helden inspirieren und anleiten lassen, was auch in jeder Szene spürbar deutlich ist.

Die Authentizität, das wahre Erleben in Sully ist nicht nur erfrischend ehrlich, sondern zeugt von einer Art Heldentum, die den Verzicht auf CGI und großangelegte Actionsequenzen durchaus rechtfertigt. Man braucht keine großartigen Explosionen, um die Story voranzutreiben, sondern die menschliche Kraft, das Miteinander, das In-sich-Zusammenfügen verschiedener Augenblicke erzeugt ein Erzählmomentum, das auf ganzer Linie beweist, dass auch mit gegenteiligen Meldungen als den bekannten aus der Presse erzählenswerte Geschichten zustandekommen, über die man berichten kann.

Die Wichtigkeit, dass hier auf die Aspekte gesetzt wird, die von den Medien gerne mal verschwiegen werden, das absurde Verdrehen von Ahnungen und damit die Bloßstellung der Medien in ihrer Seriösität wird am Rande genauso zum Thema gemacht wie die direkte Konfrontation mit Fakten, die sich im Nachhinein als richtig erwiesen haben.

Dass die Erzähltiefe hier ein wenig an Eastwoods Hang zum Melodramatischen leidet, dass sich die Ehrlichkeit, mit der der Zuschauer hier überhäuft wird, selbst ins Knie beißt, weil dadurch die spektakuläre Action, die vielleicht mancher beim Gang ins Lichtspielhaus erwartet, nicht in dem Ausmaß geboten wird, ist selten so selbstironisch gewesen wie der Fakt, dass genau dieses Manko gleichzeitig eines der größten Errungenschaften von Sully ist: Man bleibt sich treu und verzichtet auf derartige Übertreibungen, die Passiertes ins zweifelhafte Licht rücken, sondern stellt nur dezent an den „Dramatisiert“-Schrauben rum.

 

.kinoticket-Empfehlung: Ein jeder darf sich dazu aufraffen und den Film aufs .kinoticket drucken lassen, denn die Wahrhaftigkeit, mit der hier zu höchst ethischen Werten angestachelt wird, läuft nicht nur von der Leinwand runter wie Öl, sondern obsiegt auch gegen jedes Actionkino, das durch immer größer werdende Helden dazu aufrufen möchte, genau die gleichen Gedankengänge umzusetzen.

Eastwood beweist Händchen und haut mal eben die Story verwertbar und ansprechend in ein Milieu, in dem sie eigentlich gar keine Chance hat zu gedeien.

Umso mehr bewundert man schließlich die Pflanze, die sich den Weg durch den Beton erkämpft und allein auf weiter Flur steht und mit ihrem Leben beweist: Es geht eben doch.

Dass alles nahe an der tatsächlichen Begebenheit rumschwirrt, ist dabei nur das Sahnehäubchen auf der Torte.

 

Nachspann
Sitzenbleiben. Es wird nicht nur emotional, sondern auch wichtige Szenen gezeigt, die man sich nach einem Film dieser Art durchaus mitnehmen sollte.

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4 Gedanken zu “Sully

  1. Konsequenterweise hättest du nach deinem Satz, dass damit alles gesagt sei, auch mit der Kritik aufhören müssen ;)

    Wobei es für mich zwei Arten von Eastwood-Filmen gibt. Die bis inkl. 2008 und das langeilige Zeug danach. Schön, dass wieder mit etwas mehr Drive an seine FIlme heranzugehen scheint.

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  2. Ehrlich gesagt hatte ich das auch ernsthaft überlegt, hätte dann aber wohl doch zu viele abgeschreckt oder? ;-)

    In jedem Fall ist es erfrischend, die Wesenszüge von Eastwood endlich wieder mal auf der Leinwand zu erleben.

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  3. Pingback: Sully | FilmkritikenOD

  4. Pingback: (Pressevorführung / Sneak Preview) Boston | .kinoticket-blog.de

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