Nirgendwo

Das Gestöhne im Saal war bereits groß, als das Servus TV-Logo auf der Leinwand prangte, und die Stimmung wurde im Laufe der Vorstellung auch nicht unbedingt besser. Erstmalig habe ich diejenigen beneidet, deren Freundinnen ihre Partner dazu drängten zu gehen und mir insgeheim gewünscht, es würden ihnen noch viel mehr folgen, um das alles wenigstens in Ruhe ertragen zu können.

Nirgendwo zielt schon im Titel nicht unbedingt auf eine heitere Komödie ab, sondern hinterlässt die bittere Süße von Bedeutungslosigkeit, der sich der Film in voller Hingabe widmet. Die Protagonisten haben auf mich allesamt keinen sympathischen Eindruck gemacht (abgesehen von Dennis Mojen, dessen Charakter nahezu beispiellos war!) und daher hat der Film beim Zuschauer selbst den Einstieg vermasselt.

Dass dann im Laufe der Zeit wieder so rumzureißen, dass die Meute begeistert wieder aus dem Saal strömt, ist nahezu unmöglich. Aber Geschmäcker sind bekanntlich ja verschieden (Gottseidank), drum geht einfach mal davon aus, dass ich mit genügend Publikum im Saal die Zeit verbracht habe, das ebenfalls die gleichen Geschmacksverirrungen wie ich aufwies.

Was ich desweiteren sehr problematisch fand, waren die unglaublichen Pausen, die jede noch so kleine Szene derart in die Länge ziehen, dass man das Gefühl erlebt, hier vor einem Film zu sitzen, der ausschließlich aus irgendwelchen Zeitlupen zusammengesetzt ist, die eigentlich gar keine sind. Ernsthafte Dialoge kommen kaum zustande, da nach jedem Satz erstmal eine Pause, neue Einstellung, wieder Pause, Zigarette ziehen, Pause – und dann Antwort kommt – und das nervt ab der zweiten Minute gewaltig.

Klar ist es kein Vergehen, wenn man’s im Film mal etwas ruhiger angeht und sich auch mal für die Dinge Zeit nimmt (und lässt), es dann aber in die andere Richtung derart zu übertreiben ist zumindest genauso verwerflich wie das Gegenteil: Die Geschwindigkeit, in der heute jeder erstickt. Ein gutes Mittelmaß hätte hier viel mehr bewirkt, als diese unerträgliche Langwierigkeit, mit der man sich durch die absurden Situationen und „Gespräche“ kämpft.

Was mich zum nächsten Punkt führt: Die Kulisse und das „Universum“, in das man uns da schmeißen möchte, haben zwar einerseits bildhaft ihren Charme, sind andererseits aber dermaßen klein und semiprofessionell gehalten, dass man meinen möchte, hier war nicht genügend Wille oder Möglichkeiten vorhanden, um wenigstens halbwegs anständige Zimmer oder Umgebungen zu finden, in denen man all dies stattfinden lassen konnte. Gespickt mit teilweise derart stupiden Dialogen erwägt das Projekt an sich den Eindruck, aus einer Schülerprojektwoche entwichen und versehentlich auf die Leinwand gebracht worden zu sein. Dafür wäre dann wieder genügend Lobungspotenzial vorhanden. Was die Schaffenskunst für’s Kino betrifft, vermisse ich hier aber ganz viel „Füllstoff“, der aus einem mittelmäßigen Hobbydreh etwas verwertbares für’s Kino entstehen lässt – und damit gehört Nirgendwo für mich überall hin außer auf die Kinoleinwand.

Als 20:15-Movie auf Servus TV ist der nämlich durchaus zu gebrauchen und schneidet seinen TV-Film-Kollegen auch mächtig das Brot ab, jedoch bleibt der gelangweilte, bedeutungslose und absolut unerträgliche Nachgeschmack mächtig zwischen den Kiemen sitzen, während man im Saal beständig nach Luft schnappt, und darauf hofft, dass die zynischen Kommentare vom Publikum langsam lustig werden.

 

.kinoticket-Empfehlung: Als Fan von ereignisreicher, actionhaltiger, tiefgründiger oder herzbewegender Kost sollte man sich vorsichtig an diesen Titel heranwagen, denn das Enttäuschungspotenzial kann gewaltig werden.

Die Langsamkeit, mit der der Film aufwartet, ist teilweise absolut unerträglich und die Problematiken gehören nicht unbedingt zu den Dingen, mit denen sich das Gros des Publikums gerne auseinandersetzen möchte. Dadurch verkleinert man die Zielgruppe dermaßen, dass es kaum möglich ist, hier eine einigermaßen zufriedenstellende Basis zu liefern, die für Jungs wie mich den Streifen empfehlungswürdig machen.

Also ist mein Daumen wieder gen TV-Film-Liebhaber gerichtet, die hier bedenkenlos zugreifen dürfen und denen man auf ihrem Niveau auch etwas bietet. Der großartige Grund, jetzt unbedingt dafür ins Kino zu rennen, bleibt meines Erachtens jedoch bis zuletzt offen.

 

Nachspann
braucht man nicht abzuwarten, folgende Szenen oder weiterführende Informationen bleiben aus.

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Ein Gedanke zu “Nirgendwo

  1. Oliver Jachsch

    Ich habe den Film ebenfalls im Sneak gesehen. (Die ersten 20min.) Den Darstellern wurde vom Regisseur wohl gesagt, sie sollen möglichst leise sprechen, denn ich hatte Mühe, das Hin- und Hergeflüsster zu verstehen. Ja, ein Film der leisen Töne, Leider Wort wörtlich. Lange Dialogpausen und Handlungspausen, die Dialoge wahren eine Ansammlung von T-Shirt sprüchen. Vielleicht ich bin ich zu alt dafür. Nach 20 min. war Schluss, ich hatte keine Geduld mehr. Grosses Lob an den Betreiber dieser Website, der auch bei solchen Filmen bis zum Schluss ausharrt und jedem Film eine diffenzierte Kritik gibt.

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