Suicide Squad (3D)

Ich beobachte in der Welt immer wieder Phänomene, die ich nicht verstehe. Zum Beispiel, wenn Menschen etwas Großartiges hernehmen, daraus eine kleine Ecke abbrechen und alle wie die wilden Hunde über diese kleine Ecke herfallen und den Rest stillschweigend ignorieren.

Batman ist so ein Phänomen, ein Meisterwerk, bei dem wirklich alles stimmt. Schauspieler, Geschichte, subtile Moralpredigten, der aufkeimende Wahnsinn, der ausbrechende Wahnsinn, Schauspielerleistungen, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen, ein Score zum Niederknien und in der Neuzeit eine Form von Boshaftigkeit und Düsterness, die Leuten wie mir die Gänsehaut auf den Rücken jagt – vor Begeisterung.

Und was tut der Großteil der Menschen?

„Wähhhhh, Joker hat viel zu wenig Spielzeit bekommen buhahahahahaäääääMAMAAAAAAA!!!“

Ganz ehrlich? Ich versteh’s nicht.

Ja, wir alle wissen um die Vorherrschaft außergewöhnlichen Schauspielerns des grandiosen Jokers aus The Dark Knight, der eine Show hingelegt hat, die selbst im Folgeteil nicht überboten werden konnte (und: Überraschung => auch niemals mehr überboten werden wird!) und nun rennen Scharen von Menschen dem Irrglauben hinterher, etwas Vollkommenes ließe sich durch Wiederholungen zu etwas noch vollkommenerem umwandeln.

Leute, das funktioniert nicht. Genauso wie in der Musik, wenn einer eine grandiose Idee hat, die jeder abfeiert und anschließend Milliarden anderer „Künstler“ sich dieses Machwerk zu Herzen nehmen und abertausende Male kopieren – es ist und bleibt ein langweiliger Brei an Musik, der hinterher auf dem Tablett steht und niemandem mehr schmeckt, sondern nur noch das fade Gefühl von Traurigkeit und Bedauern auslöst, wo doch so viel kreative Kunst stattdessen durchs Radio schallen könnte.

Wieso also – wieso heulen alle rum und fixiert sich jeder verdammte Bundesbürger einzig und allein auf einen einzigen Charakter in einem Universum, das von interessanten Persönlichkeiten nur so geprägt ist?

Suicide Squad schert sich darum einen Scheißdreck. Macht zumindest den Eindruck. Denn was hier geboten wird, lässt mir persönlich die Gänsehaut nicht den Rücken hoch und runterfahren, sondern dringt direkt ins Fleisch ein und sorgt für einen Dauerzustand von düsterem „Wow“.

Ja, ich mochte den Film. Ich mochte die Art, wie man großartige, epische Charakter mal eben an den Rand packt und etwas viel größeres auffährt, wie man mit Effekten spielt und aus Verzweiflung zu bunt wechselt, weil die Seele, das Empfinden, die Umgebung und alles andere einfach nur noch böse ist.

Ich mochte, dass man es geschafft hat, einen Film ins Leben zu rufen, in dem es so absolut rein gar nichts Gutes mehr gibt, und dieser krampfhafte Versuch, das Böse böse aussehen zu lassen, schlichtweg nicht nötig ist, weil die Schauspieler (jeder von ihnen) auf ihre Weise so authentisch spielen, dass der Regisseur zu Recht Psychologen ans Set gerufen hat aus Angst, ihm würden die Leute schier durchdrehen.

Dass hier nicht nur mit Wahnsinn gespielt wird, sondern der Wahnsinn eine allgegenwärtige Macht ist, die den ganzen Film über durchzieht und durch seine Omnipräsenz fast schon einen eigenen Charakter darstellt – darüber hört man kein Wort. Und meine Fresse, wie zieht sich alles in einem zusammen, wenn man die durchgeknallten Charaktere auf der Leinwand rumwüten sieht, während alles um sie herum zerbricht und keiner von ihnen dabei seinen krankhaften Humor verliert oder in anderer Art und Weise abtrünnig wird und in kritisierenswürdiger Form schwächelt – nichts!

Die Boshaftigkeit und dunkle Schwere in dem Streifen ist kaum zu ertragen. Nicht, weil sie schlecht ist, sondern weil sie so mächtig und überzeugend ist, dass man sich als psychisch Labiler durchaus ernsthaft die Frage stellen sollte, ob man sich diesen Film überhaupt anschaut oder besser nicht.

Der Trailer hat ja sein Übriges dazu geleistet, um möglichst viele Menschen davon abzuhalten, in Suicide Squad zu gehen, den verhaltenen und abweisenden Reaktionen des Publikums anderer Filme nach zu urteilen, wenn im Vorprogramm die gute alte Musik lief.

Und ganz ehrlich? Das ist auch gut so. Die Herrschaften in diesem Film geben sich die größte Mühe und setzen hier ein Werk in Gang, dass den Massenphänomenen nicht gewachsen sein will, sondern lieber böse ist und in Nischen vorprescht, die langsam keine mehr sind. Und – oh Wunder – langsam setzt sich das Phänomen Suicide Squad doch durch und wandert in immer größere Säle, die selbst zu den Spätvorstellungen noch reichlich gefüllt sind.

Fakt ist: Suicide Squad ist ein Film, der die Nation ohne Frage spaltet und kein Mittelding zulässt. Diejenigen, die ihn mögen, trauen sich in der immer überwachteren Öffentlichkeit kaum noch, das laut auszusprechen und beginnen fast schon zu flüstern und sich vorsichtig vorzutasten, um ihre Sympathie mit dem Streifen zu bekunden, während die, die ihn hassen, mit schwenkenden Fahnen durchs Land ziehen und versuchen, den Hype um diesen Film gleich im Keim zu ersticken.

Ganz ehrlich? Lasst es uns doch einfach abfeiern und die Show genießen, denn was man hier geboten kriegt, ist längst nicht der Zenit dessen, was im Rahmen dieser Veröffentlichung noch vor uns liegt.

Nur eines: Haltet eure Kinder von diesem Film fern und gebt ihnen genügend Zeit zum Reifen, Stärke aufbauen und dem sinnvollen Umgang mit derlei Gefühlen, denn Suicide Squad ist keine Unterhaltung, sondern vielmehr ein Spiegel der Unterwelt unserer heutigen Zeit. Und genau dieses Erschreckende und Boshafte wird hier ungeschönt auf die Leinwand produziert und hat zumindest mich zutiefst berührt. Anders kann ich mir die 30minütige Gänsehaut nach dem Film nicht erklären. Und ich stehe dazu. Öffentlich.

 

.kinoticket-Empfehlung: Lange nicht mehr so viele Gothics, Metal-Fans, Punks und andere Nicht-Mainstream-Gruppierungen in einem großen Kinosaal gemeinsam zusammen sitzen und feiern gesehen.

Allen schlechten Kritiken zum Trotz sollte man sich – einen positiven Geist und genügend Willensstärke vorausgesetzt – diesen Film ansehen und genießen, dass endlich wieder ein Großer den Mut dazu hat, etwas zu produzieren, was sich auch als Flop erweisen könnte.

Die Darsteller machen ihre Sache so überzeugend, dass man sich tatsächlich wundert, dass hierbei keine größeren psychischen Schäden entstanden sind – und allein das ist eine Filmleistung, die man mit dem Lösen eines .kinotickets durchaus würdigen sollte.

 

Nachspann
die 3D-Effekte noch mitnehmen, das ist nämlich im Film herausragend, und anschließend darf man sich wieder ans Sonnenlicht wagen.

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3 Gedanken zu “Suicide Squad (3D)

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