Erschütternde Wahrheit

Auch wenn ich dafür in der Vergangenheit oft ausgelacht wurde: Ich vertrete die Ansicht, dass Hollywood eine der wenigen Institutionen ist, wo man dir die Wahrheit aufs Brot schmiert und eiskalt serviert. Warum auch nicht? Es ist ein perfektes Versteckspiel, nach dem sich die Gesellschaft sehnt, um eben solche Wahrheiten zu konsumieren. Echte Wahrheit tut weh. Und die will keiner hören, geschweigedenn spüren. Also packt man die Tatsachen einfach in einen Film und überlässt dem Publikum dann die Wahl, sagen zu können, dass das „ja nur ein Film ist“.

Super bequem. Wer sehen will, der sieht. Wen’s nicht interessiert, der spielt weiter darauf, dass es ja „nur“ ein Film ist. Klappte bisher hervorragend und wird es in 100 Jahren vermutlich noch genauso tun.

Erinnern wir uns daran zurück, was in den vergangenen Jahrzehnten auf den Bildschirmen als „Science Fiction“ über den Äther geschwemmt wurde (meine Eltern fanden es z.B. wahnsinnig cool, dass sich Türen von selbst öffnen, wenn man hindurchgehen will) und schauen uns unsere gegenwärtige Zeit an, stellen wir schnell fest, dass sich die Dinge aus Filmen meistens in ein paar Jahr(zehnten) bewahrheitet haben. Unsereiner ist enttäuscht, wenn sich die Türen nicht von selbst öffnen, wir empfinden es mittlerweile als so normal, dass es fast schon unfreundlich wirkt, wenn man als Kunde die Tür zu einem Laden selbst öffnen muss.

Für mich ist dies schon seit Jahrzehnten ein Grund, bei Filmen genau hinzuschauen. Und zwar nicht nur Unterhaltungsstreifen, in denen solche Wahrheiten versteckt sein könnten, sondern gerade jetzt in unserer Zeit, wo man viele Fakten offen auf die Tisch legt und das Publikum unverfroren mit der Wahrheit konfrontiert. The Big Short war einer dieser Filme, den sich jeder angesehen haben sollte (!), Erschütternde Wahrheit hat etwas völlig anderes zum Ziel, richtet aber genauso den Fokus auf das öffentliche Leben einer Gesellschaft, die seit Jahrhunderten existiert und sich im Hintergrund scheinbar in die völlig falsche Richtung zu entwickeln scheint.

Was mir in diesem Film absolut wie Öl die Seele runtergegangen ist: Wie man den Menschen hier behandelt. So viel Respekt vor dem Leben, dem Menschen selbst, egal, ob tot oder lebendig, hat man lange nicht gesehen. Unsere Zeit ist darauf ausgerichtet, jedem lebenden Wesen eine Nummer zu verpassen und somit alles Leben zu verbürokratisieren, um jegliche Emotion und Menschlichkeit auszurotten und nur noch steif nach Vorschrift vorzugehen.

Erschütternde Wahrheit macht hier den absoluten Unterschied und achtet das Leben wieder aus einer Warte heraus, die fast schon gottgleich ist. Es geht nicht um amerikanischen Patriotismus (und ich finde es wunderbar, wie der am Rande auch noch abgehandelt wird), es geht auch nicht um gut oder böse, sondern einfach mal darum, innezuhalten und sich zu überlegen, was sich vor unseren Augen eigentlich seit Jahren abspielt.

Und was dort zu Tage getragen wird, schreit tatsächlich zum Himmel. Und zeigt mir, dass selbst das Kino eine Institution ist, die dazu beitragen kann, dass geschehenes Unrecht am Ende doch aufgedeckt wird und niemand auf diesem Planeten einfach so rumlaufen und anderen schaden kann, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Zumindest denjenigen, die von den Skandalen damals betroffen waren, ist dieser Film eine warmherzige Entschuldigung und Wiedergutmachung dessen, das man ihren Liebsten angetan hat. Es wird öffentlich, die Welt erfährt davon und wer weiß, vielleicht ändert eine ganze Gesellschaft ja in ein paar Jahrzehnten dann auch ihre Meinung und richtet ihr Dasein auf Dinge, die weniger mit Geld und mehr mit dem Menschen zu tun haben. Wünschenswert wäre es allemal.

 

.kinoticket-Empfehlung: Der Saal war absolut voll … und absolut ruhig! Jeder war irgendwo ergriffen von dem, was er gesehen hat.

Ich finde es gut, dass Filme dafür genutzt werden, um Unrecht aufzuzeigen und der breiten Masse vor Augen zu halten, das auch in den Medien nicht immer alles das ist, als was es hingestellt wird.

Ja, man darf Dinge anzweifeln. Ja, man darf in Frage stellen. Ja, man sollte hinschauen und sich nicht auf das Geplapper aus irgendwelcher Münder verlassen und unreflektiert hinnehmen, was man vorgesetzt kriegt.

Erschütternde Wahrheit ist einer der Filme, die man gesehen haben sollte, um sein Bild von ganz alltäglichen Dingen ein kleines bisschen korrigieren zu können und zu wissen, dass hinter all dem Trubel und der Gewohnheit noch andere Dinge verborgen sind, die dann nicht in den Medien ausgeschlachtet werden, weil sie nicht ins kapitalistische Grundbild der Wirtschaft passen und eben kein Geld einbringen, sondern eher kosten.

 

Nachspann
kommt keiner mehr, man darf also in Gedanken nach Hause wanken und darüber nachdenken, was hier grade publiziert wurde.

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Ein Gedanke zu “Erschütternde Wahrheit

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