Tschiller: Off Duty

Ich habe noch nie einen Tatort gesehen. Warum? Ich mag das deutsche Kino nicht sonderlich. Anscheinend machen die Synchronsprecher internationaler Filme einen besseren Job als die originalen deutschen Schauspieler, denn mir fehlt in den Kinowerken aus heimischer Abstammung schlichtweg fast immer die Authentizität in punkto Sprache und Klangbild.

Til Schweiger macht hier scheinbar mit seiner oft als leidlich bezeichneten Stimme den großen Unterschied, obwohl das für manche auch kein Genuss ist. Doch wenigstens spielt er sich selbst und tut nicht so, als wäre er auf einer Theaterhochschule geboren worden, in der er niemals natürliches Sprechen gelernt hat.

Punkt zwei, weshalb gerade dieser Tatort mein erster war: Er lief im Kino. Angesichts der Schlagzahl meiner Beiträge hier und der bis dato 246 besuchten Vorstellungen innerhalb meines noch bis 24. April 2016 andauernden Kinojahrs dürfte ersichtlich sein, dass ich der großen Leinwand ein Fünkchen mehr abgewinnen kann, als dem heimischen Fernseher.

Wenn also jetzt ein deutscher Tatort mit „Spitzenbesetzung“ ins Kino flattert, dann schaue auch ich mir das Teil an. Schon zu Bond-Zeiten war ersichtlich, dass hier mit ganz kalter Milch gekocht wird, denn der Tschiller-Trailer war der einzige, der so gar nicht in das Übermaß an Qualität bei der Vorschau zum Agenten des MI:6 gepasst hat. Und dennoch bin ich reingegangen. Obwohl andere bereits zur Premiere frühzeitig das Kino verlassen haben.

Das größte Problem, dem ich mich hier gegenüberstehen sehe, ist folgendes: Der Tatort ist ein Phänomen, das auf den öffentlich-rechtlichen Fernsehkanälen ausgelebt und zelebriert wird. Logisch habe ich hier und da mal ein zwei Ausschnitte beim Zappen mitbekommen, jedoch immer weitergeschaltet, weil mir die Größe zum Kinofilm einfach gefehlt hat. Diese Form von Unterhaltung gehört für mich schlichtweg ins TV und nicht auf die Kinoleinwand.

Und genau daran leidet die Story, die Aufmachung, das gesamte Werk: Für einen Fernsehfilm wurde hier richtig gute Arbeit geleistet. Dinge vollbracht, die sicherlich einige Münzen über den Tresen springen ließen und auch in punkto Kulisse hat man sich einige Mühe gemacht, um über den Tellerrand üblicher Fernsehproduktionen hinaus zu gehen und ein wenig Mehrwert zu bieten.

Dennoch reicht dieser Mehrwert eben nicht, um im Wettstreit mit anderen Kinoproduktionen mitzuziehen. Dafür ist es eben doch „nur“ ein Tatort und kein Film internationaler Größe, der sich mit anderen Produktionen messen kann und dabei auch nur annähernd die Chance hat, in irgendeinem Feld zu punkten.

Klar, mit Fahri Yardim im Schlepptau erhält man hier wenigstens einen Darsteller, der mit etwas Ironie und Selbstwitz punkten und somit zumindest unterhaltungstechnisch einiges zu bieten hat, Til selbst war eher enttäuschend und auch das Gesamtkonzept der beiden Ermittler war für meine Erwartungen einfach viel zu unausgereift. Der ganze Plot wirkte so, als hätte man jetzt von irgendwem Geld bekommen, um irgendwas fürs Kino zu produzieren und dann einfach mal losgelegt ohne Ziel, Plan und Strategie im Hintergrund.

Und diesem Tenor schließen sich sogar die wenigen Medien an, die über das Spektakel berichten: Zu selbstjustizorientiert, zu viel Action für zu wenig Grips im Hintergrund und das im Vergleich zu anderen Action-Hirn-aus-Thrillern dann eben noch in mittelmäßig statt überragend.

Hätte man dieses Werk um 20:15 in der ARD gezeigt, hätte ich vielleicht meinen Hut gezogen und ihnen mit auf den Weg gegeben, dass die Richtung jetzt zumindest langsam anfängt zu stimmen. Der Sprung über bekannte Schauspieler hin ins Kino ist meines Erachtens aber nicht wirklich richtig gewesen, denn hier hat das Werk selbst gegen schlechte andere Kinofilme leidlich versagt.

Lediglich ein einziger Zuschauer applaudierte nach der Vorstellung und grinste über beide Backen. Älteren Semesters lässt dieser Mann mich weiterhin darüber grübeln, was genau am Tatort so packend ist, dass die ganze Welt ihn immer wieder einschaltet und damit für derart sensationelle Quoten sorgt. Ich für meinen Teil werde lieber weiter ins Kino gehen und darauf hoffen, dass die Fernsehmacher dort bleiben, wo sie hingehören: Im Fernsehen.

 

.kinoticket-Empfehlung: Wer auf den Tatort steht und sich den vierten Teil der Reihe auch besehen möchte, darf hier getrost ins Kino gehen und ihn auf der großen Leinwand bestaunen.

Für TV-Verhältnisse wurde hier übermäßig gut gearbeitet, als Konkurrenz für andere Kinofilme suckt dieses Teil einfach nur derbe ab. Weder ausgeklügelte Charakterprofile noch das sinngemäße Handeln der beiden Ermittler sind im Film zu finden. Alles konzentriert sich auf einige wenige gute Action-Momente, die allerdings im Fernsehen besser aufgehoben wären als im Kino.

Für mich war diese Show eher der Beweis dafür, dass ich mit meiner Tatort-Abstinenz bis jetzt alles goldrichtig gemacht habe und mich auch weiterhin eher auf Kino statt Fernsehen konzentriere.

 

Nachspann
wirkte relativ altbacken und erinnerte stark an die ARD, führt jedoch einige offene Fragen zu Ende und darf bis zum Schluss gesehen werden.

3 Gedanken zu “Tschiller: Off Duty

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