The Forest

Es ist manchmal schon unglaublich: Da wartet man Jahre lang auf guten Horror, bei dem der eigene Intellekt nicht verarscht wird, dann kommt die Faschingszeit und mit ihr ein Streifen ins Kino, der den Beititel „Horror“ durchaus verdient und dabei so richtig gut umgesetzt wird, und die Presse zieht los und zerreißt das Teil in der Luft.

Das geht schon mit dem Anfang los. Die „Einführung“ ist so trächtig geschwängert ohne den ganzen üblichen Blabla-Mist, bei dem man in allen anderen Fällen schon Todeszeitpunkt und -ursache vorhersagen kann, sondern man lässt sich hier Zeit, bleibt bodenständig und hält eine subtile Schwere am Start, die zweierlei verheißen kann: Entweder wird das hier gar nichts oder wir kriegen so einen richtig geilen Horrorstreifen danach.

Letzteres bewahrheitet sich.

Effektetechnisch verlässt man sich nicht auf die zeremoniell hochgeschraubte Splatterorgie (wahrscheinlich ist dies ein Grund für die Presse, das Teil nieder zu machen), sondern baut einen durchaus sinnvollen Plot auf, der gar nicht mal so weit hergeholt ist und nur ansatzweise an Fiktion erinnert. Dabei kommen dann visuelle Eindrücke zum Einsatz, die den Zuschauer nicht vor vollendet-blöde Tatsachen stellen, sondern vieles nur optisch anreißen, um so genügend Spielraum für kreative Ideen innerhalb des Kopfes zu lassen, in denen der eigentliche Wahnsinn vergraben ist, der sich beim Zuschauen abspielt.

Man sieht eben nicht, man vermutet, und das in Verbindung mit einem ernstzunehmenden Soundtrack, der diesmal eher vom Wiener Staatsorchester als von Winnibald von nebenan eingespielt wurde, hinterlässt bei mir respektvolle Eindrücke, die den Anschein erwecken, dass hier tatsächlich Geld dahinter steckt und kein Hobbyprodukt.

Selbst bei der „Auflösung“ hat man mit Vorurteilen gespart und überlässt dem Zuschauer ebenfalls einen kleinen Interpretationsspielraum, was genügend Potenzial zum Nachdenken und Quatschen danach bietet und somit wiederum prächtig dafür sorgt, dass der Film eben im Gedächtnis bleibt und nicht im Sinnlosigkeits-Nirvana verschwindet.

Mir hat es nach langer Zeit mal wieder richtig Spaß gemacht, nicht für vollkommen bekloppt gehalten, sondern in eine Story geschickt zu werden, die anders ist und dennoch bekannte Stilmittel anderer Horrorfilme aufgreift und anreißt. Und das so sehr, dass ich mir den Titel sogar in die heimische Blu-ray-Sammlung holen würde, weil sich ein zweites und drittes Mal ansehen durchaus lohnen würde.

 

.kinoticket-Empfehlung: Das Genre ist an dieser Stelle vielleicht schwer zu beschreiben, da weder Gore noch klassischer Horror sein Unwesen hier treiben.

Dafür bekommt man beim Plot nicht eins aufs Dach und regt sich über so viel Unfähigkeit und senile Dummheit auf, die sonst in anderen Horrorfilmen an der Tagesordnung stehen, im Gegenteil: Hier wurde wirklich intelligent geschrieben und von den Darstellern überzeugend rübergebracht.

Wer sich danach ein Zelt schnappt und im Wald übernachten will, darf sich gerne bei mir melden – ich wäre nämlich sofort dabei!

 

Nachspann
ist anfangs ziemlich cool ins Theme des Films eingebunden, liefert aber dann keine weiteren Szenen oder Teaser für einen zweiten Teil. Ist vielleicht auch ganz gut so.

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