The Hateful Eight

Was wurde für ein Aufriss darum gemacht: Quentin Tarantino hat seinen achten Film auf der Leinwand! Und was schleichen sie alle einzeln in die Spätvorstellungen. Wer Tarantino kennt, der dürfte nichts anderes gewohnt sein: Grandiose Kameraaufnahmen, übervorteilende Dialoge, ewige Länge und eine abartige Sinnlosigkeit mit Tiefenpsychologie, die in der Filmwelt bis dato einzigartig ist.

Ich hatte ehrlich gesagt bei den vielen Trailern vorab so manchmal meine Zweifel, ob er damit wirklich wieder so einen Hit landet, wie man es von ihm gewöhnt ist: Irgendwie wurde alles gesagt und der Junge weicht von seinem Schema auch keinen Deut ab.

Und genau so startet man auch. Der Sound? Reißt dich mit. Und zwar ganz tief nach unten. Mit brachialer Macht und unglaublich ästhetisch-kalten Bildern ohne großes Wirrwarr. Man kann den Unterhaltungen folgen. Und es zieht sich. Man braucht Geduld. Zum Warmlaufen.

Denn lässt man sich auf die Story ein (und das braucht dieses Mal wirklich einen aktiven Schritt vom Zuschauer), dann zündet der Funke und auf einmal ist Quentin wieder da. Und es flutet. So als ob das Streichholz erst gar nicht angehen will und dann sofort die ganze Kutsche niederbrennt. Und nach Tarantino-Manier macht es wieder richtig Spaß, dem Geschehen zu folgen und im Zuge der Durchtriebenheit vieler Erzählstränge den Überblick zu behalten. Zeit genug dafür ist da, denn der Großmeister schert sich einen Scheißdreck um hollywoodöse Regeln und macht einfach sein eigenes Ding. Und es funktioniert.

Wer enttäuscht vom Schluss des Films ist, sollte sich vergewissern, dass er tatsächlich erst vor dem Abspann und nicht vor Beginn des zweiten Teils in der Pause nach Hause gerannt ist, so wie es eine Zuschauerin beim Personal des Kinos jüngst beklagte. Der Meister der verbalen Unvergesslichkeit führt einen auch hier wieder an ein zufriedenstellendes Ende in glückseliger Verrücktheit. Und danach kommt tatsächlich der Abspann. Und der lässt keine Fragen mehr offen.

Vergleichen kann man die Filme sowieso nur mit sich selbst und vielleicht sollte man das besser auch nicht tun. Wir alle sind vorbelastet von Titeln wie Pulp Fiction und erwarten brav nach eingeimpfter Steigerungsmentalität dann völlig unbewusst, dass jeder auf diesen Zug aufspringt und sich aus dem einstigen Schleim der Kinderhäute erhebt und zu noch größerem aufsteigt. Oftmals ist das gar nicht notwendig. Manchmal reicht es auch schon, einfach die Türen der normalen Welt hinter sich zu verschließen und in die absurde Wahnsinnigkeit von Tarantinos Fantasie abzusteigen, um einen Film zu erleben, der sich von der Masse der ihn umgebenden Filme deutlich abhebt.

Und diesen Anspruch erhebt The Hateful Eight nicht nur, sondern erfüllt ihn auch.

 

.kinoticket-Empfehlung: Der bittersüße Nachgeschmack, das Tarantino bereits alles gesagt hat, bleibt auch nach dem Abspann noch etwas erhalten.

Der Kultfaktor entsteht allerdings auch, wenn auch womöglich etwas zeitversetzt. Die Einfälle sind durchaus wieder würdig genug, um in die Filmchronologie des Machers einzugehen. Allerdings sollte man hier viel Zeit und Geduld mitbringen, denn das Teil hat nach 1.5 Stunden erst richtig angefangen.

 

Nachspann
Kommt keiner mehr, man darf also fröhlich nach Hause spazieren und damit anfangen, seine Türen zu …. ;-)

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2 Gedanken zu “The Hateful Eight

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