The Danish Girl

Im Zuge meiner Veröffentlichungen wurde ich von einigen Lesern gefragt, ob ich mir auch spezielle Spartenfilme anschauen und rezensieren könnte. Anfangs noch ignorierend dachte ich mir, dass die Nachfrage danach recht dürftig ausfallen würde und beschloss daher, den Sektor Nischenkino vorerst Stillschweigen bewahren zu lassen.

Da sich jedoch in letzter Zeit solche Anfragen häufen und ich im vergangenen Jahr bereits tatsächlich Filme aus diesen Genres gesehen habe, möchte ich die Gelegenheit der Stunde nutzen und hiermit bekannt geben, dass in Zukunft hin und wieder auch absolutes Nischenkino gesehen und verbloggt wird, auch wenn mich diese Themen persönlich oft nicht in dem Ausmaß interessieren wie manch einer im Zuge der gewählten Sparten vielleicht vermuten könnte.

Beginnen möchte ich mit einem relativ aktuellen Film, der diese Woche seinen Kinostart feierte und das Thema Transgender etwas näher beleuchtet. Angetrieben von dem bereits oscarprämierten Schauspiel von Eddie Redmayne zog es mich in The Danish Girl, indem besagter Schauspieler seine inneren Widersprüche bezüglich seines Geschlechts entdeckt und entsprechende Maßnahmen ergreift, um mit sich selbst wieder im Reinen zu sein.

Dass es sich hier weder um Pornografie noch um einen klassischen Gay-/Lesbian-Film handelt, merkt man daran, dass man sich von Seiten der Macher her nur zaghaft an das Thema Geschlechterwechsel heranwagt und hier die professionelle Arbeitsweise eben auch Züge der allgemein bekannten Schwerfälligkeit beinhaltet, mit der die Gesellschaft auf Menschen reagiert, die – aus welchen Gründen auch immer – etwas abseits der Norm leben und verschiedene Aspekte eben anders behandeln als die Allgemeinheit.

Ich bin in meinem Leben sehr tolerant erzogen worden und habe daher, ich möchte schon fast sagen aus Trotz, viele Freunde und Bekannte, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben und komme mit diesen Menschen wunderbar aus. Die üblichen Vorurteile kann ich persönlich nicht bestätigen und das über einen Kamm Scheren kann ich nicht ausstehen. Auch bei Heteros gibt es Arschlöcher und sexuelle Belästigung, was man im Zuge der Diskussionen um Köln ja aktuell wieder auf dem Schirm beobachten kann.

Im Gegenteil: mir sind diese Menschen oftmals sogar lieber als die breite Masse, da ich hier oft die zuverlässigeren Freunde gefunden habe, die auch dann da waren, wenn alles um einen rum weniger gut ausgesehen hat.

Dass man sich diese Hasstiraden auf spezielle Randgruppen sonstwohin stecken kann, beweist dieser Film, der sich eben massentauglich-sensibel an das Thema heranpirscht und im Zuge eines Spiels Dinge zum Vorschein bringt, die vielleicht im ersten Moment schockieren, im finalen Zug dann aber ihre Richtigkeit beweisen. Was hier wunderbar zur Geltung kommt, ist das Feingefühl und Interessierte, mit dem man sich dem Körper nähert und ein Gespür dafür entwickelt, wer man eigentlich ist.

Spielend in einer Zeit, wo derartige Gedanken noch wirkliche Probleme hervorrufen konnten, ist hier die Geschichte einer der Vorreiterinnen der Transgenderbewegung dokumentiert, die mit beispielhaftem Verhalten voranging und für Millionen von Menschen mutiges Vorbild war, zu sich selbst zu stehen.

Was ich hervorragend fand, war, dass dieser Outingzwang, der in der Gesellschaft Normalität zu sein scheint, diesmal absolut keine Beachtung bekam. Hier ging es nicht darum, sein ganzes Umfeld und am besten die ganze Welt darüber in Kenntnis zu setzen, welche sexuellen Vorlieben man hat, um – ganz nach öffentlicher Markierung, wie man sie aus dem dritten Reich kennt – ein öffentliches Register zu führen, von wem man sich in Zukunft besser fernhält. Wäre diese Marotte normal, müsste man automatisch auch jede Essensgewohnheit oder Reisevorliebe zwanghaft jedem mitteilen und das will nicht nur keiner hören, sondern das geht ehrlich gesagt auch niemanden etwas an.

Was man in so manchen Gegenden dann oft zu spüren kriegt, findet hier eben mal löblicherweise keine Unterstützung, sondern es wird tatsächlich auf die eigenen, persönlichen Gefühle wert gelegt, dessen daraus resultierenden Handlungen den einzigen Zweck erfüllen, dass man selbst wieder glücklich ist. Und dieses tiefe Verlangen bringt Redmayne fantastisch rüber, auch wenn es Mitdarsteller und vielleicht auch ein, zwei Zuschauer tatsächlich schmerzt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Alles in allem ist mit The Danish Girl ein wunderbarer Film entstanden, den man als Uninteressierter nicht unbedingt gesehen haben muss, der aber ein wichtiges Biopic liefert, dessen Inhalte den Urspung der Transgenderbewegung dokumentieren.

Für Liebhaber einschlägiger Filme definitiv hoch angesiedeltes Fressen, das in Sachen Niveau und professioneller Machart andere Spartenfilme extrem weit hinter sich lässt. Hier sprechen nicht mehr besondere Regisseure, die sich diesen Thematiken verschrieben haben, sondern das ist Hollywood, das sich hiermit den Randgruppen annähert, um einiges wiedergutzumachen, was filmtechnisch in der Vergangenheit gegenüber dieser Bewegung verbockt wurde.

Will man solche Charakterzüge besser verstehen, dann liefert dieser Film gutes Lehrmaterial, nicht nur dafür, wie man mit sich selbst umgeht, falls man persönlich davon betroffen sein sollte, sondern eben auch für Mitmenschen,  die sich schwer damit tun, solche Wünsche und inneren Befangenheiten zu verstehen.

 

Nachspann
kommt keiner mehr, nach der Schwarzblende darf man also gemütlich wieder von dannen ziehen.

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Ein Gedanke zu “The Danish Girl

  1. Pingback: Score – Eine Geschichte der Filmmusik | .kinoticket-blog.de

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