Star Wars: Das Erwachen der Macht (3D)

Ich glaube, kein anderer Film hat je so tiefe Schneisen in den Köpfen der Menschen hinterlassen, wie die Star Wars-Filmreihe. Beginnend mit Episode IV, V und VI erzählt George Lucas eine Geschichte, die nicht nur Science Fiction-Fan-Herzen höherschlagen lässt, sondern selbst zu einem derart intensiven Kult wurde, der heute aus der Filmwelt kaum mehr wegzudenken ist.

Auf diesen Erfolg folgten drei weitere Filmteile, die geschichtlich vorangestellt die Vorgeschichte dessen erzählen sollten, was nunmehr überall bekannt war: Episode I, II und III. Danach war jahrelang Ruhe, zumindest was den Hauptfilmbereich angeht.

Klar ist, dass heutzutage Filme nicht mehr nur einzelne Werke sind, die künstlerisches Gut vermitteln oder wertvolle Botschaften an möglichst viele Menschen weitergeben wollen, sondern hinter jedem Kinobewegtbild-Werk auch ein riesiger Apparat aus Jobmöglichkeiten, Merchandising und anderweitiger Kapitalgenerierung steht.

Und da spielt Star Wars keine kleine Rolle dabei. Mit Lego-Bausets über T-Shirts hin zu Figuren, Taschen und allem, was man sich nur vorstellen kann, wird hier schon seit jeher Geld verdient. Und irgendwie brennt das Feuer des Geldverdienens seit Jahren weiter und weiter. Kein Wunder also, dass Star Wars eine der Filmreihen ist, die auch nach Jahrzehnten noch nicht im Preis gesunken sind, sofern man sich die Werke auf Blu-ray aneignen wollte.

Dazu kommt ein weiterer Meilenstein menschlichen Irrsinns mit auf den Plan: Rechte. Die Rechte an einem Werk innezuhaben ist heutzutage fast schon mehr wert, als irgendwelches Gold im Keller gebunkert zu haben. Warum? Weil mit den Rechten einfach alles möglich ist. Und die hat George Lucas nun irgendwie an Disney vermacht. Der Konzern, der dieses Jahr mehrfach unangenehm damit aufgefallen ist, die Geldpumpe bei kleinen Kinos so dermaßen überzustrapazieren, dass die Kunstkultur Film in punkto Vielfalt bald schwer zu kämpfen haben dürfte, sollten andere Studios ebenfalls auf den Zug aufspringen und die Kinoketten mit derartigen Auflagen belasten.

Dann nämlich stehen wir bald vor dem großen Problem, dass die Vielfalt schwindet und damit eine wunderbare Form von Unterhaltung, geistiger Nahrung und einfallsreicher Ideenvielfalt zerstört wird – zugunsten von … Geld.

Geld, dass von Disney verlangt wird, das kleinere Kinoketten in den Ruin treibt, da diese die mainstreamgeforderten Filme nicht zeigen können, da ihnen notwendige Kompensationsmöglichkeiten fehlen, um das Übermaß an Gier zu befriedigen, damit Disney auf seine Kosten kommt.

Macht dieser Schachzug nun in den kommenden Jahren die Runde, wird bald mehr und mehr auf Wachstum gesetzt und es passiert genau das gleiche wie in der Lebensmittelwirtschaft: Kleinere Betriebe verschwinden, größere Betriebe machen mehr Umsätze, das allseits gepredigte Wachstum macht Schule und die Studiobosse freuen sich ein Loch in ihren Bauch.

Daraus resultierend werden kleinere Filmideen gar nicht mehr umgesetzt, da waghalsige Schritte (die meist zu wahnsinnig spannenden und oft auch aufrüttelnden Filmen führen) gar nicht mehr erst angehört werden, weil mit groß angelegten Dumm-Blöd-Blockbustern viel schneller viel mehr Geld verdient werden kann, als ohnehin schon.

Und da lebt Disney dieses Jahr mit einem Mega-Blockbuster (Avengers – Age of Ultron) eine Unart aus, die ich an dieser Stelle ganz öffentlich mal kritisieren möchte und keinesfalls gut heiße. Gefolgt von erneuten Verhandlungsschwierigkeiten, die es sogar in die Presse geschafft haben bei einem Film, der eben nicht nur eine kleine Trilogie darstellt, sondern weltweites Ansehen genießt und damit wieder tiefe Furchen in die Zeitgeschichte des Films reißen dürfte.

Was erwartet uns nun also, angesichts der Tatsache all der oben genannten Fakten, wenn wir – recht früh – in einen Film spazieren, dessen Vorläufer uns früher mehr oder weniger seicht umschifft haben, da ich nicht einsehe, für 17 Jahre alte Filme knapp 90 € auf den Tisch zu legen?

Auf jeden Fall mal immense Erwartungen, denn allein die Produktionskosten in Höhe von 200 Millionen US Dollar sind ja nun auch kein kleiner Pappenstiel. Oder um es mal anders zu verdeutlichen: Würde man das Budget auf einzelne Personen aufteilen und sagen wir mal 2500 Dollar-Monatsgehalt-Pakete schnüren, könnte man damit sechstausendsechshundertsechsundsechzig Menschen ein komplettes Jahr lang sorgenlos durchs Leben schicken! Und all das für 135 Minuten Unterhaltung.

Rechtfertigt der neue Film nun in meinen Augen das, was dabei herausgekommen ist?

Fakt ist: Mit 200.000 vorverkauften Kinokarten stellt Star Wars: Das Erwachen der Macht mal eben einen neuen Rekord auf. Und ja, die Kinosäle sind tatsächlich voll, weil so ziemlich jeder im Verlauf seines Lebens mal mit Star Wars in Kontakt gekommen ist und – gleichsam mit Jurassic Park oder Bond – nun in Materie reinschnüffeln will, die nostalgisch an das eigene Leben erinnert.

Genau diese Nostalgie wird von der Presse bereits verschrieen, da die Erwartungen hier eben nicht erfüllt wurden. Zu simpel, zu altbacken, zu bekannt, zu vorhersehbar … bei einem solch großen Giga-Event auf der Leinwand sollten derartige Fehler nicht passieren.

Der Streifen vermittelt uns tatsächlich wieder die authentische Geschichte im bekannten Star Wars-Universum, wobei man hier auf bereits vorhandene Elemente verzichtet hat und sich nun tatsächlich wirklich dem Auftakt der nächsten Trilogie widmet: Episode VII, VIII und IX. Die Geschichte wird weitererzählt, damit einhergehend neue Charaktäre eingeführt (und alte in der Gunst der Zuschauer aussortiert) und somit im Prinzip nur der Boden für die Fortsetzungen geschaffen, die geschichtlich da weitermachen, wo Episode VI einst endete.

Betrachtet man die Story und Umsetzung nun aus Augen wie meinen, die weder Fanboy noch Hater repräsentieren, sondern möglichst neutral auf ein Filmwerk schauen, dann dürfte man von der Story leicht enttäuscht sein. Wie Spectre dieses Jahr schon vorgemacht hat, zielt man hier tatsächlich nicht darauf ab, selbst groß zu sein, sondern rollt einfach nur den roten Teppich aus für das, was in kommenden Jahren noch auf uns zuströmt. Und damit verschenkt man Potenzial. Potenzial, dass man für 200.000.000 $ erkauft hat und großangelegt in viele weitere Wirtschaftsbereiche streut.

Technisch ist an den Umsetzungen nichts auszusetzen, monumental und episch hätte ich mir durchaus etwas mehr gewünscht. Den Urtümlichkeiten anhängend in allen Ehren, aber bei diesem Gros an Staraufgebot und filmischer Bedeutsamkeit hätte man hier ruhig die alten Zeiten feiern können, dabei aber durchaus technische Neuerungen involvieren und somit auch hinter der Kamera neue Maßstäbe setzen. Diesbezüglich müssen wir wohl eher auf Avatar 2 hoffen.

In diesem Sinne: Schlecht gepokert.

3D hat der Film auch zu bieten, einige Szenen sind auch ganz hübsch anzusehen, jedoch wird das hier keine Effektorgie, sondern endet eher im mittelprächtigen Feld. Da haben andere Filmchen die Schnauze weitaus mehr am Puls der Zeit. Doch darauf baut man auch kein solides Unterhaltungsmachwerk, weswegen das noch als verzeihlich durchgeht.

Unverzeihlich hingegen finde ich die Tatsache, dass die Story eben nur so dahinplätschert und man nicht so wirklich vom Hocker gerissen wird. Wer nun also kein wahrer Fanboy ist, dem schon allein beim Anblick des Logos einer abgeht, der schaut faszinationsmäßig ziemlich blöd aus der Wäsche. Da wären wir nun also wieder bei der schrecklichen Vorhersehbarkeit, die die Presse unlängst kritisiert hat. Warum also nicht aus bekannten Mustern ausbrechen und selbst die Fans mit gigantisch-neuen Einfällen überraschen, die weder das alte Universum zerstören, noch sich panisch penibel in Zurückhaltung üben?

Ich weiß es nicht.

So bleibt Star Wars: Das Erwachen der Macht in meinen Augen eben nur ein monumentaler Film, der vielen eingefleischten Fans sehr viel bedeutet und dem Rest nicht wirklich etwas sinnvolles zu bieten hat. Die Aufmerksamkeit der Welt hätte man gehabt, das Potenzial aber leider verschenkt, denn herausgekommen ist nur ein weiteres Stück Star Wars-Geschichte ohne großartige Überraschungen oder technische Raffinessen, die einen dann tatsächlich vom Hocker gehaut hätten.

Zuletzt bleibt bei mir die Hoffnung, dass zwischen den Nachfolgern, die für 2017 und 2019 angekündigt sind, noch viele Nischenfilme produziert werden, die die intellektuellen Erwartungen und filmischen Überraschungen dann doch pflegen und somit auch noch Nährboden für etwas anderes als Geldgier vorhanden ist, auf dem sich der Kinogänger ausruhen darf.

 

.kinoticket-Empfehlung: Wahre Fans der Star Wars-Filme braucht man sowieso nicht ins Kino schicken, die waren alle schon um 0:01 Uhr zugegen und haben sich den Streifen direkt am Starttag angesehen.

Alle anderen sollten sich überlegen, ob die mittlerweile gigantischen .kinoticket-Preise den Film wirklich wert sind, denn großartige Unterhaltung sieht in meinen Augen anders aus. Was hier geboten wird, ist solide SciFi-Action, die mit altertümlichen Nostalgie-Faktoren spielt und somit die Emotionen vieler Menschen anspricht, die sich im gegenwärtigen Sumpf stumpfsinnigen Fernsehens nicht zu Hause fühlen. Diejenigen sind es dann auch, die im Internet jubilieren und den Film gebührend feiern.

Ich für meinen Teil hätte wesentlich mehr erwartet, denn in meinen Augen ist die Handbremse in dieser Liga noch viel zu angezogen, um hier wirklich von einem bahnbrechenden Kinostück zu reden.

 

Nachspann
darf man sich schenken, hier folgt kein Teaser oder anderweitiger Kram mehr.

7 Gedanken zu “Star Wars: Das Erwachen der Macht (3D)

  1. Pingback: (Sneak Preview) Jane Got A Gun | .kinoticket-blog.de

  2. Pingback: (Academy Awards 2016-Gewinner) Spotlight | .kinoticket-blog.de

  3. Pingback: (Pressevorführung) Star Trek Beyond (OV) | .kinoticket-blog.de

  4. Pingback: (Pressevorführung) Der Vollposten | .kinoticket-blog.de

  5. Pingback: Star Wars – Die letzten Jedi (3D) | .kinoticket-blog.de

  6. Pingback: Solo: A Star Wars Story | .kinoticket-blog.de

  7. Pingback: Jurassic World: Das gefallene Königreich (3D) | .kinoticket-blog.de

Und was hast du dazu zu sagen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.