Black Mass

Johnny Depp hat schon viele unterschiedliche Rollen gespielt und landete damit mal ganz vorn, mal ganz hinten. In Black Mass tritt er erneut mit einem neuen Gesicht an und beweist einmal mehr, dass in ihm kein kleiner, sondern ein herausragender Schauspieler steckt, der durch Mimik, Sprache, Gestik und exzellente Darstellungen zu überzeugen weiß.

Dabei hatte ich oft das Gefühl, dass seine Mitspieler ihm bei weitem nicht gewachsen waren. Was Depp verkörpert, ist phänomenal und sucht grenzüberschreitend seinesgleichen ohne auch nur ansatzweise fündig zu werden. Die Thematik selbst empfand ich mehr lückenhaft als erfüllend, denn hier wird weder auf der einen, noch der anderen Seite hinreichend inhaltlicher Denkstoff gegeben, sondern mehr oder weniger aufgezeigt, was im Stillen sowieso fast jeder vermutet, auch wenn diese Art der Kooperation dann doch reichlich ungewöhnlich zu sein scheint.

Nichtsdestotrotz erfüllt Hollywood auch hier wieder eine neue Tugend: Man verfilmt Realereignisse und füllt die Kinosäle mit Menschen, die vergangene Geschichten zuschauerverträglich aufbereitet im Kino sehen möchten – dieser Trend scheint zu funktionieren.

Die Szenen (sowohl die lustigen, als auch die ernsten) brennen sich definitiv tief unter die Haut ein, die Skrupellosigkeit und Gier, die Unhaltbarkeit, das Verflechten in Systeme, deren Kontrolle man schon am Anfang verloren hatte – all das wird verständlich und visuell hervorragend rübergebracht.

Was mir allerdings fehlte, war ein zufriedenstellender Schluss. Irgendwie hockt man am Ende da und wartet auf eine Aussage, die einfach nicht kommt. Nach dem Abspann findet man sich dann damit ab, dass die Eindrücke und Szenerien, die während des Films gezeigt werden, allein die Essenz des Movies ausmachen wollen und da jetzt tatsächlich nichts mehr kommt – und das war für mich, als jemand, der den großen Endpaukenschlag abgöttisch liebt, tatsächlich etwas verstörend und enttäuschend.

Dennoch wandert man tief beeindruckt und seelisch mitgenommen wieder aus dem Kino auf die Straße und fühlt sich irgendwie kratzbürstig durchgewaschen.

 

.kinoticket-Empfehlung: Wer Johnny Depp liebt, sollte sowieso da rein, wer einfach nur mal geniale Schauspielerei erleben möchte, auch.

Die verkörperte Gestalt von Bulger sucht seinesgleichen, was Charakter, Stärke und Profiltiefe angeht. Die Szenerien beeindrucken nicht in gleichem Maße, wie es Urgesteine wie Der Pate tun, allerdings erhält man hier etwas gleich großes, dem nur der epische Schlusspathos fehlt.

Ansonsten erhält man hier überdurchschnittlich rare Kost, die ein Biopic abzeichnet, das den Film zurecht verdient.

 

Nachspann
gibt es keinen, der Soundtrack von Tom Holkenborg überzeugt aber auch hier wieder auf voller Linie.

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2 Gedanken zu “Black Mass

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