Terminator: Genisys (3D)

Als jemand, der in seiner Kindheit selbstgebastelte Altar-Monumente Schwarzeneggers in sein Kinderzimmer stellte, Bücher, Bildmaterial und vor allem die Filme hatte, die er nicht nur gesehen, sondern live mitsprechen konnte, sollte ich eigentlich jemand sein, der mit Terminator nichts mehr als grenzenlose Freude und immensen Spaß erlebt.

Dass dem nicht so sein würde, ahnte ich bereits beim Erkennen, mit welch aggressiver Manier man das neue Machwerk des Franchises im Kino bewarb. Ich hatte also meine Zweifel.

Im Zuge der Vorfreude und auch, weil mein Mitbewohner die alten Teile noch nicht kannte, bereitete ich uns beide mit dem Sichten der ersten vier Teile auf die kommende Wiederauferstehung des Terminator-Kults vor: Großer Fehler.

 

The Terminator
Mit dem Einstieg und der Idee aus dem Jahre 1984, mit dem ich zufällig sehr viel anfangen kann, sieht man erneut, wie gutes Filmemachen stattfindet. Hier wurden ganz klar technische Geräte genutzt, die Zeit war längst nicht reif für überdimensionale CGI-Effekte und die Geschichte hatte derart Tiefgang, dass man sich nur ehrfürchtig vor dem Werk verneigen und den Machern seinen tiefsten Dank auszusprechen wagte. Gold in allen Punkten, die es gibt.

 

Terminator 2 – Tag der Abrechnung
aus dem Jahre 1991 führte diesen filmischen Siegeszug fort, entwickelte neue Terminatoren und schickte mit einer noch genialeren Story an, die der alten in nichts nachstand und von ihrem 80er Jahre Charme rein gar nichts eingebüßt hatte. Bonuspunkt: Schwarzenegger ist diesmal der Gute und kämpft für die richtige Seite, so dass man sich als Verehrer nun endlich nicht mehr rechtfertigen muss. Ein Meisterwerk.

 

Terminator 3 – Rebellion der Maschinen
erzählt erneut die Story um Sarah, John und den Terminator und liefert mit Kristanna Loken nun einen der unsympathischsten Bösewichte ab, die die Filmgeschichte je gesehen hat. Hier versucht man erneut, neue Module zu installieren und die fiktive Zukunft weiterzuentwickeln, aber was dabei rauskommt, ist eigentlich schon fast übertrieben. Konnte in meinem Fall mit Teil 2 nicht mehr mitziehen, sondern verlor rasant an Fahrt.

 

Terminator: Die Erlösung
ohne Schwarzenegger und damit ohne Terminator. Selbst seine politische Karriere hat gezeigt, dass Arnie der einzige und wahre Terminator sein und bleiben wird – wie soll da ein Streifen funktionieren, der ohne ihn auszukommen versucht? Ein Griff ins Klo, der seinen Charme und alles, was Terminator einmal ausgemacht hat, einbüßt zugunsten eines nochmaligen Reboots, der mächtig in die Hose ging. Danach war erstmal Ruhe und ich als Zuschauer hoffe, dass damit nun endlich auch der endgültige Tod des Franchises besiegelt war und ich tatsächlich von schlechtem Kino erlöst sein würde. Bis heute.

 

Terminator: Genisys (3D)
Ja, Arnie spielt wieder mit – einer der wenigen Hoffnungsschimmer, die ich hatte, als ich zum ersten Mal den Trailer auf der Leinwand sah. Doch seine Glanzzeiten sind längst vorbei und die eigenkreierte, wortkarge und somit einzigartige Filmpersönlichkeit, die er durch seine Schauspielerei geschaffen hat, gehört zu den alten Eisen, die langsam aber würdevoll abtreten sollten. Er ist nicht mehr der unzerstörbare, alles besiegende Held, dem keiner das Wasser reichen kann, sondern wird langsam ein grauhaariger, zerbrechlicher Mensch, dem man die Maschine einfach nicht mehr glaubhaft abkauft.

Das gleiche gilt für die verloren gegangene Härte einer Frau, die sich in Form von Sarah Connor hilflos durch den Alltag kämpft und sich nicht nur den Maschinen aus der Zukunft, sondern auch der Borniertheit ihrer eigenen Spezies in den Weg stellt und für das Überleben der Menschheit kämpft. Es hat den Anschein, als hätte man die Wichtigkeit des Überlebens unserer Rasse nun aus den fähigen Händen entgleiten und an die spielerische Jugend übergeben, die ihre Sache nach Tribute von Panem-Art irgendwie durchziehen. Die Ernsthaftigkeit, mit der John Connor im zweiten Teil noch unterrichtet wurde, macht nun einer handlungsunwürdigen Gleichgültigkeit Platz, die nicht mehr durch Dialogträchtigkeit und brillanter Hintergrund-Komplexität glänzt, sondern einzig und allein den Schmachtbonus auszuspielen versucht, für die Jungs wie Jai Courtney und Girls wie Emilia Clarke wie geschaffen sind.

Alles andere versinkt in einer übersintflutartigen Überreizung durch CGI-Effekte, die in 3D mehr schlecht als recht rüberkommen und deutlich sichtbare Mankos mit auf die Leinwand transportieren. Weniger … sehr viel weniger … wäre an dieser Stelle bedeutsam mehr gewesen, denn der Zuschauer ertrinkt an Effektbombardements, was natürlich zu lasten der Geschichte getragen wird.

Die in den Vorteilen mysteriös gehaltene Zukunft, aus der immer nur sporadisch Bildmaterial gezeigt und die damit interessant gehalten wurde, verliert ihr komplettes Ansehen dadurch, dass jetzt nicht mehr aus Sicht der Menschen des Heute, sondern aus der Sicht einer möglichen Zukunft berichtet wird, die nun ihre Kämpfe in der Vergangenheit auszutragen versuchen. Dass sich im Laufe der Zeit alles weiterentwickelt hat – keine Frage – nur ergibt hier alles so überhaupt keinen Sinn mehr und das geniale Spielen mit den verschiedenen Komponenten der Zeitreisen und dem Verändern der Vergangenheit rutscht leicht ins Abseits und macht Platz für … nichts.

Mein Gedanke nach dem Film war: Wie kann man ernsthaft versuchen, einen Film mit CGI vollzustopfen und ihn dann im Jahr 1984 spielen lassen?

Ich war bitter enttäuscht, habe die Enttäuschung ein paar Tage ruhen lassen, ihn mir nochmal angesehen und war wieder enttäuscht. Warum greifen sie teilweise vollständige Dialoge schlecht kopiert wieder auf und kredenzen nicht einfach etwas völlig neues, das sich nur an den Grundelementen der alten Filme bedient und daraus etwas völlig neues erschafft? Damit hätte man sich das Recht auf Eigenständigkeit erkämpft und aus etwas Großartigem etwas neues großartiges geschaffen.

Aber stattdessen kopiert man hier Vergangenes, übertrieft es mit Computerlastigkeit, das einem schlecht wird und lässt es dann im selben Zeitalter spielen, wie seine 31jährigen Vorgänger. Und das kann in meinen Augen einfach nur schief gehen.

Da klingt es fast schon selbstironisch, wenn Schwarzenegger sich in seinen Dialogen auf der Leinwand dafür rechtfertigt, dass er wieder engagiert wurde.

Die Aussicht, dass hier noch zwei weitere Teile kommen sollen (und werden), bereitet mir eher Bauchschmerzen denn Freude. Ich weiß nicht, wie die Generationen nach mir Filme bewerten und anschauen und ob es einfach an meiner Generation liegt, die mit höherwertiger Schaffenskunst aufgewachsen ist und eben jene schätzt. Vielleicht sind wir dazu verdammt, dem Untergang perfekter Popcornunterhaltung zuzuschauen, die sich von ihrer intelligenten Komplexität verabschiedet und der Gleichgültigkeit immer mehr Platz einräumt.

Ich für meinen Teil war einfach nur bitter enttäuscht und ich glaube kaum, dass sich daran durch ein drittes Mal schauen etwas ändern wird.

 

.kinoticket-Empfehlung: Auf keinen Fall die vorherigen Teile wieder anschauen und hoffen, dass man vergessen hat, was darin vorkam.

Oder einfach auf den hier verzichten und sich ausschließlich die vorherigen Teile anschauen. Beides gemeinsam löste in mir nur Enttäuschung aus.

Teil 5 ist für mein Empfingen zu CGI-überladen und hält wenig vom bisherigen Terminator-Charme bereit, der durch seine typischen Charakterausbildungen und den bevorstehenden Tod der Menschheit eine gewisse Beklemmung und -befreiung in einem auslöste.

Vielleicht ist das der Preis, den wir für immer teureres, immer gigantöseres Kino zahlen müssen: Dass alles in einer Effektwüste verkommt und stupiden Explosionen mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden muss als den wirklich wichtigen Dingen.

Ließe sich das 3D wegmachen, wäre ein handwerklich ordentlicher Film zustandegekommen, der nur noch inhaltsschwache Defizite aufweist, aber so haben wir einen Teil, der maßlos übertreibt und damit ein weiterer Meilenstein misslungener Fortsetzungen ist.

Verdammt, dabei hätte es doch so schön weitergehen können …

 

Nachspann
Sitzenbleiben und nicht gleich losrennen. Nach den ersten paar Zeilen kommt eine weitere, 3D-animierte Szene, die den Bogen zu den kommenden Teilen spannen will. Erst danach darf man den Abspann abkürzen und rausrennen, man könnte ja eine Rotphase an einer Ampel verpassen.

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3 Gedanken zu “Terminator: Genisys (3D)

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