Warte, bis es dunkel wird

Eingestimmt auf diese Horrornacht wurde man mit Teasern wie Insidious III, Poltergeist 3D und Unknown User. Ich saß mit zwei türkischen Macho-Prolls allein im riesigen Kinosaal, die beide passend zum Gezeigten ihre Kommentare abgaben.

“Ey Alda, der Film hat noch gar nisch mal angefangen und isch hab jetzt schon krass Gänsehaut.”

Durchaus, denn endlich wurden mal nicht die üblichen Verdächtigen, sondern ein paar Trailer mit etwas Brisanz gezeigt, die durchaus Lust auf mehr machten.

Der Film selbst war nichts als enttäuschend. Mehr Vorhersehbarkeit auf einer Skala, die man aufgrund von Miesheit bereits mit Minus-Leisten bestückt hat, geht nicht. Von Schrecken oder gekonnter Inszenierung weit und breit nichts zu sehen.

Schlecht sitzende Jeansjacke und Kartoffelsack mit ungerade ausgeschnittenen Augenhöhlen als Monsterverkleidung .. wen juckt es.

Die Dialoge übertreffen sogar Standard-C-Movies noch mit mehr Grausamkeit. Von Handlung weit und breit keine Spur. Und wenn dann irgendwann mal – Vorsicht: Flachwitz – völlig unerwartet der Killer auftaucht, dann sieht man ihn vollausgeleuchtet minutenlang seitlich am Straßenrand stehen und warten. Schwenk auf die Hauptdarsteller, die ihn auch sehen und sich beide zusichern, dass da nichts ist, denn der spannt nur und will definitiv nichts böses. Is klar.

Das Thema “unausgesprochene Filmgesetze” kennt ihr? Also z.B. ein Mädchen wird gejagt und statt in die Freiheit zu rennen auf große Plätze oder in breite Gassen, wo es jede Menge Fluchtmöglichkeiten gibt, rennt es in die kleinste Klitsche mit Sackgasse ins erste Stockwerk hoch, wo sichergestellt ist, dass es definitiv kein Entkommen mehr geben wird, wenn der Killer an der Tür freundlich klingelt?

Einziger Ausweg: Aus dem Fenster springen. Bei der Landung auf der Straße kracht natürlich der Knochen und schaut in Form eines gebrochenen Fußes aus dem Beinfleisch. Äh… irgendwas stimmt hier doch nicht?

Jup – denn die Dame hört auf einmal auf zu schreien und spaziert fröhlich zu ihrem Wagen hin, von dem sie vorher noch davon gerannt ist, als ob nichts wäre. Kein Mucks, kein Gesichtverziehen, nichts. Von Schmerzen keine Spur. Wenn dir der Schienbeinknochen aus dem Fleisch schaut. Is klar.

Rein ins Auto. Motor starten. Losfahren und feststellen, dass man dafür ja die Kupplung treten muss … mit – ihr ahnt es – dem verletzten Bein. Äh … => is klar.

Interessant: Ca. eine Stunde, nachdem der Film begonnen hatte, kamen zwei Zuschauer in den Saal gehechtet und fragten, ob sie etwas verpasst haben. :D Äh… Nein? :D Meine Türken antworteten passenderweise: „Naja, wie man’s nimmt.“

10 Minuten später verließen die beiden uns dann wieder. Hätte ich am liebsten auch gemacht, aber wie sollte ich dann für euch diesen Beitrag hier schreiben?

Mehr Zuschauerverarsche geht eigentlich kaum mehr. Oder um es mit den Worten von meinen zwei Türken zu erwähnen:

 

.kinoticket-Empfehlung: “Krass, du hast dich bei den Vorschau-Trailern am Anfang mehr gefürchtet als im ganzen Film.”

Denn mehr als gähnende Leere, blasse Langeweile und Bedauern über ein verschenktes Zeitfenster im Kinomarathon hinterlässt der Film auf keinen Fall. Spart euch den Gang und greift lieber auf The Pyramid – Grab des Grauens zurück, der ist zwar auch nicht der Brüller, unterhält aber wenigstens noch etwas und liefert Story, die hier zur Gänze fehlt. Daumen runter… oder ab. Sucht euch was aus.

 

Nachspann
Eine Szene nach dem Abspann wäre ein Überraschungsmoment, von dem Horrorfilme normalerweise leben. Warum sollte hier also solch ein Moment auftauchen? Rennt – rennt um euer Leben. Am besten bevor der Film anfängt.

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Ein Gedanke zu “Warte, bis es dunkel wird

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